WAZ öffnet Pforten

Glänzende Einblicke bei Voigt & Schweitzer in Gelsenkirchen

Oberflächenveredelt und glänzend kommen die Stahlteile aus dem 420 Grad heißen Zinkbad. Das typische Zinkgrau stellt sich erst später ein. 

Oberflächenveredelt und glänzend kommen die Stahlteile aus dem 420 Grad heißen Zinkbad. Das typische Zinkgrau stellt sich erst später ein. 

Foto: Lutz von Staegmann

Gelsenkirchen-Schalke-Nord.   Vom Parkhausbauteil bis zum Trailerunterbau: In der Großverzinkerei von Zinq wird Stahl veredelt und geschützt. Leser durchlaufen die Produktion.

32 sommerliche Grad im Schatten. Das macht die Arbeit nicht gerade leichter, wenn man in Schutzkleidung steckt und einen Helm mit Vollvisier trägt. Und wenn die Luft in der Werkshalle nicht nur von der Sonne aufgeheizt wird, sondern gleich von einer ganzen Reihe Becken, die es in sich haben – in dieser (Temperatur)-Reihenfolge: Reinigung mit Salzsäurelösung bei 25 Grad, 60 Grad für die Entfettung, Trocknung bei 110 Grad und dann, die Königdisziplin, Zinkbad bei lauschigen 420 Grad. Voigt & Schweitzer, die Großverzinkerei aus der ZinQ-Gruppe, hat die Pforten für WAZ-Leser geöffnet. „Zinq statt Rost“ lautet das Firmenmotto. Und das Q, betont man hier gerne, stehe für Qualität. Glänzende Eindrücke sind da garantiert.

Sichtfenster in einem sicheren Unterstand

Das Eintauchen der vorbereiteten Werkstücke in die 17,20 Meter langen Becken verfolgen die Besucher durch Sichtfenster in einem sicheren Unterstand. Es brodelt, zischt, ein paar Flammen lodern, dann wird die Oberfläche wieder ruhig. Mit langen Schiebern ziehen die Arbeiter Rußpartikel von der silbergrauen Oberfläche. Nach wenigen Minuten kommen die langen Bauteile, die später mal zur Untergruppe eines Lkw-Trailers gehören werden, wieder aus dem Zinkbad – mit strahlendem Silberglanz, auf dem sich später feine Zinkblumen zeichnen werden.

Klassischer Rostschutz für Metall und Bauteile

Verzinken, das ist klassischer Rostschutz für Metall und Bauteile vom Gartentor bis zur Parkhaus-Säule, vom Laternenmast bis zur Leitplanke, vom Autozubehör bis zum Stadiondach. Gerade die großen Teile sind es, auf die man sich im Werk An den Schleusen spezialisiert hat. „99 Prozent unserer Kundschaft sind Business-to-Business-Kunden“, sagt Marco Specka (35). Der Werkleiter und Michael Rusnarczyk (28), zuständig für die Unternehmenskommunikation, führen die Gruppe. Beide sind „Eigengewächse“ haben ihre Ausbildung im Betrieb gemacht und früh Verantwortung übernehmen können. Specka war gerade 30, als er Chef am Standort wurde.

„Europas größte Pfanne“ stand im Hafen

1889 wurde die Feuerverzinkerei gegründet. 1967 wurde der Standort im Hafengebiet gebaut und damals „als Europas größte Pfanne tituliert“. Die Großverzinkerei ist heute einer von 36 Standorten in Deutschland und europaweit, an denen Zinq vertreten ist und rund 1700 Mitarbeiter, davon aktuell 85 Auszubildende beschäftigt. Rund 500 000 Tonnen Stahl werden pro Jahr verzinkt, ein großer Teil auch pulverbeschichtet. Der Gesamtbetrieb läuft unter der Regie von Lars Baumgürtel, Firmen- und Verwaltungssitz ist Buer. Mit 26 Jahren stieg Baumgürtel einst ins Unternehmen der Großeltern ein, seit 2010 ist er der geschäftsführende Gesellschafter und Chef der Holding, die die Zinq-Töchter unter einem Dach vereint.

Auftrag im Bereich von 8 bis 15 Mikrometern

25 Mitarbeiter sind in der Gruppe für Forschung und Entwicklung im Einsatz, in den nächsten Jahren soll in Schalke-Nord ein „Technikum“ gebaut werden. Zinq hält bereits 37 Patente – vor allem für seine Hochleistungsoberflächen. Stahlteile für extreme Belastung zu verzinken und den Auftrag im Bereich von 8 bis 15 Mikrometern zu halten (eine normaler Verzinkung ist 60 bis 150 Mikrometer stark), ist Spezialität des Unternehmens. Ebenso das Bemühen um maximale Recyclingquoten und minimalen Energieeinsatz. „Wir arbeiten am Ziel, 100 Prozent Kreislaufwirtschaft zu erreichen“, sagt Rusnarczyk, der die Leser-Gruppe im – klimatisierten – Besprechungsraum auf die „Entdecker-Tour“ einstimmt. Danach geht es rein in die heiße Halle. Die Besucher sind nach knapp einer Stunde mit regem Frage-und-Antwort-Austausch wieder draußen unter heiterem Himmel. Im Werk wird weiter geschafft – im Zweischicht-Betrieb.

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