Gewalt an Schulen

Experten-Netzwerk will Gewalt an Schulen vorbeugen

Zwei Schüler prügeln sich  in dieser nachgestellten Szene auf einem Schulhof. Gewalt an Schulen ist keine Seltenheit. Sie gibt es in vielfältigen Erscheinungsformen.Ämter und Behörden arbeiten bei der Prävention eng zusammen.

Zwei Schüler prügeln sich in dieser nachgestellten Szene auf einem Schulhof. Gewalt an Schulen ist keine Seltenheit. Sie gibt es in vielfältigen Erscheinungsformen.Ämter und Behörden arbeiten bei der Prävention eng zusammen.

Foto: Oliver Berg

Gelsenkirchen.  Ein Netzwerk von Experten arbeitet in Gelsenkirchen zusammen, um Übergriffe zu vermeiden. Die Polizei ist in die Präventionsarbeit involviert.

In Lünen ist im Januar ein 14-jähriger Junge durch einen Mitschüler getötet worden. Der Vorfall wurde tagelang in den Medien thematisiert. Fragen nach steigender Brutalität und nach dem richtigen Umgang mit gewaltbereiten Schülern kamen auf. Die WAZ hat sich die Lage in Gelsenkirchen genauer angesehen und nachgefragt, was die Stadt und Schulen hier für ein friedliches Miteinander tun.

Aber was versteht man heutzutage überhaupt unter Gewalt? Sprechen wir über eine Auseinandersetzung mit Waffen, eine Rangelei auf dem Pausenhof oder über Cybermobbing? Gewalt wird sehr unterschiedlich definiert. Die einen verstehen unter Gewalt eine körperliche Auseinandersetzung, andere wiederum auch das psychische Angreifen einer Person. In Schulen ist meist beides zu finden.

Ein körperlicher Disput aber auch Mobbing sind immer wieder Thema an Schulen. In den vergangenen Jahren hat vor allem das Mobbing im Netz zugenommen. Aus diesen Gründen sollten Schulen gezielt gegen Gewalt vorgehen, sagt Stadtsprecher Oliver Schäfer: „Als Institution mit einem Bildungs- und Erziehungsauftrag sind sie in besonderer Weise gefordert, Kindern und Jugendlichen einen Rahmen zu bieten.“ Vieles werde an Schulen schon getan, erzählt er weiter: „Sozialkompetenztrainings oder Gewaltpräventionsprogramme finden bereits Anwendung.“

Krisen-Team berät Schulen

Beraten und unterstützt werden die Schulen von dem 2009 gegründeten Zentralen Interdisziplinären Krisen Team Gelsenkirchen(ZIT). Es besteht aus Schulen, Jugendhilfe, Schulpsychologie, Polizei, Notfallseelsorge, Schulverwaltung und Kommunaler Prävention. Es bietet den Schulen regelmäßige Weiterbildungen, individuelle Beratungen, Unterstützung bei der Erarbeitung von Sicherheitskonzepten und vieles mehr. In den Schulen wird die Vorbeugung in Form von Unterrichtsstunden, Projektwochen oder auch durch Kooperationen umgesetzt.

Volker Franken ist Leiter der Ev. Gesamtschule in Bismarck. Er schildert den Umgang mit Gewalt an seiner Schule: „Wir haben unter anderem einen Raum, in den Schüler bei Konflikten geschickt werden. Sie müssen dort ihr Verhalten schriftlich reflektieren. Zudem stehen Sozialarbeiter bereit, denn das pädagogische Arbeiten ist in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden.“

Auch viele andere Schulen in Gelsenkirchen setzen Sozialarbeiter ein. An der Gesamtschule Horst betreiben sie zum Beispiel Einzelfallbetreuung, beziehen die Familie in ihre Arbeit mit ein und bieten Angebote im Ganztag an. Die stellvertretende Schulleiterin Ulrike Est erklärt außerdem: „Bei uns gilt die Regel:„Wer schlägt, der geht“.

Kontrahenten werden nach Hause geschickt

Kontrahenten werden nach einem Gewaltvergehen nach Hause geschickt und müssen am nächsten Tag mit den Eltern zur Schule kommen.“ Greift keine pädagogische Maßnahme mehr, wird in den Schulen die Polizei eingeschaltet. Aber auch sie versucht, Übergriffe schon vorher zu vermeiden. „Wir machen Präventionsarbeit“, sagt Polizeisprecher Torsten Sziesze. „Gruppendruck, das soziale Umfeld und die Nutzung sozialer Medien sind dabei wichtige Aspekte unserer Veranstaltungen, die Halt und Orientierung geben.“

Trotz der vielen Maßnahmen, ganz bekämpfen kann man Gewalt an Schulen nicht. Denn wo viele junge Menschen aufeinander treffen, kommt es auch zu Auseinandersetzungen. „Einige Kinder müssen erst lernen, dass diese auch ohne Gewalt geklärt werden können“, erläutert Volker Franken von der Evangelischen Gesamtschule.

>> Hier gibt es Hilfe für Betroffene

  • Telefonseelsorge: 0800 1110111 oder 0800 1110222 (kostenfrei und anonym, rund um die Uhr) oder online (Chatberatung, Mailberatung) unter www.telefonseelsorge.de

  • Opfer-Telefon des Weißen Rings: 11 60 06, 7 Uhr bis 22 Uhr (anonym und kostenlos) oder online unter weisser-ring.de/hilfe/onlineberatung

  • Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern der Stadt Gelsenkirchen, südlich des Rhein-Herne-Kanals: 0209 169 5390, oder per Mail an: beratung-fuer-kinder@gelsennet.de; nördlich des Rhein-Herne-Kanals: 0209 169-5400; Mail an: beratungsstelle-buer@gelsennet.de
  • Nummer gegen Kummer: für Kinder und Jugendliche, 116111, täglich von 14 bis 20 Uhr; Nummer gegen Kummer für Eltern, 0800 1110550, jeweils montags bis freitags von 9 bis 11 Uhr.

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