Zeitzeugen-Suche

Gesucht: Erinnerungen zur großen Zeit der Bochumer Straße

Ein besonderer Ort der Stadterneuerung längs der Bochumer Straße ist das „Haus Reichstein“. Die ehemalige Gaststätte mit der markanten Fassade wird ein landesweites Vorzeigeprojekt. Erinnerungen zum Gebäude, aber auch zu anderen Läden längs der Bochumer Straße werden gesucht. Links vom Reichstein – die frühere Metzgerei Wolf.

Ein besonderer Ort der Stadterneuerung längs der Bochumer Straße ist das „Haus Reichstein“. Die ehemalige Gaststätte mit der markanten Fassade wird ein landesweites Vorzeigeprojekt. Erinnerungen zum Gebäude, aber auch zu anderen Läden längs der Bochumer Straße werden gesucht. Links vom Reichstein – die frühere Metzgerei Wolf.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Ückendorf.   Das Haus Reichstein in Gelsenkirchen wird Erinnerungsort der Quartierssanierung. Gesucht werden alte Fotos, Berichte, Flaschen oder Utensilien.

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Das „Haus Reichstein“ war über Jahrzehnte florierende Gaststätte, wurde später abgewirtschaftet, verfiel zusehends und war an der Bochumer Straße 114 auf dem Weg zur Schrottimmobilie. Nun soll es nicht nur gerettet werden, es wird auch zur Vorzeigeimmobilie – als Musterhaus für zehn Jahre und NRW-weites Vorbild für Altbausanierung. Hier soll von der Stadterneuerungsgesellschaft SEG demonstriert werden, wie Sanierung beispielhaft gelingen kann. Dafür gibt es Geld vom Land: Knapp 1,3 Millionen Euro. Die Baukosten werden aktuell mit 1,5 Millionen beziffert.

Kreative, Start-Ups und Netzwerker im Viertel

Ein Stück weit hat die Zukunft schon Einzug gehalten im Altbau, Baujahr 1902. Das „Haus Reichstein“ mit seiner üppigen Zierfassade hat eine eigene Homepage (siehe Kasten). Virtuelle Realität zeigte sich zumindest bereits im November beim Baustart. An der Bochumer Straße, wo auch etliche Kreative, Start-Ups und Netzwerker an der Verjüngung und Veränderung des Viertels mitarbeiten, wurden auf Bildschirmen und Projektionen tiefe Einblicke in die teilweise durchaus herrschaftliche Bausubstanz und Gestaltungsmöglichkeiten auf vier Etagen und 580 Quadratmetern Fläche. Künftig soll das „Haus Reichstein“ auch als Treffpunkt und Info-Ort dienen, über acht Jahre nach der Sanierung zudem als öffentliche Blaupause für den Umgang mit Altbauten.

All das, so Oberbürgermeister Frank Baranowski im November, diene auch dazu, die repräsentative Straße von einst ein Stück weit zurückzuholen und „das Bild vom strukturellen Niedergang zu ändern“

Ausstellung im Erdgeschoss geplant

Die Pläne für die Zukunft sind verbunden mit einem Erinnerungsprojekt für das Stadtquartier. „Bei der Aktion soll es darum gehen, dass Leserinnen und Leser uns Geschichten oder Materialien wie Fotos, Videos, Zeitungsausschnitte oder alte Utensilien wie Flaschen, Gläser, Werbeschilder, Anzeigen – was auch immer – schicken, die sie mit dem Haus Reichstein verbinden oder in ihm erlebt haben. Früher waren hier ja eine Gaststätte, ganz früher Stehbierhalle, sowie ein Spirituosenladen ansässig“, erklären Roman Milenski und Matthias Krentzek, die das „Haus Reichstein“ öffenlichkeitswirksam betreuen. „Aus welcher Zeit die Geschichten oder Materialien stammen, ist dabei unerheblich. Gerne nehmen wir auch was, was die Leute noch von ihren Eltern, Großeltern oder irgendwelchen Verwandten und Bekannten haben“, so Milenski.

Veranstaltungen mit Zeitzeugen in Ückendorf

Die zugeschickten Geschichten und Materialien sollen, ganz im Sinne der öffentlichen Sanierung des Hauses, dann auch im Haus oder den Schaufenstern ausgestellt werden. Spezielle Veranstaltungstage zum Beispiel mit Zeitzeugen wären ebenfalls möglich.

Einer war schon beim Baustart dabei: Eugen Reichstein, Enkel der Gründerfamilie: Sein Vater Alfred Reichstein hat die Kneipe bis zu seinem Tod 1966 geführt, dessen Frau Maria betrieb sie noch einige Jahre weiter. Eugen ist hier aufgewachsen, hat sich als „Kegeljunge“ Taschengeld verdient. An den alten Kiosk kann er sich gut erinnern, auch an die Streifenpolizisten, die hier einkehrten und mal einen Kurzen kippten. Seine Erinnerungen werden Teil des Projekts.

>> Gesucht: Erinnerungen und Fundstücke

Gesucht werden alte Bilder, Zeitungsartikel und Anekdoten über das Haus Reichstein und die Bochumer Straße in Gelsenkirchen. Die ersten 20 Einsender bekommen eine exklusive Führung durch das Gebäude.

„Alles, was Sie über die Geschichte des Hauses zu erzählen wissen, interessiert uns“, heißt es auf der Hompage. Und: „Laden Sie hier Ihre Bilder und Texte hoch und hinterlassen Sie uns einen Hinweis, ob das Material zur Veröffentlichung freigeben ist.“

Infos und Materialien können eingereicht werden an Matthias Krentzek: T. 0177 7434513 oder info@haus-reichstein.nrw info@haus-reichstein.nrw , im Kontaktformular unter https://haus-reichstein.nrw/#mein-reichstein

Fundstücke kann man auch im Stadtteilbüro (Bochumer Straße 109) persönlich abgeben. Private Fotos können hier direkt eingescannt werden. Diese Möglichkeit besteht montags und donnerstags zwischen 9 und 16 Uhr.

Das Bautagebuch oder eine 360-Grad-Tour gibt es auf www.haus-reichstein.nrw

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