Regionalkonferenz

Genossinnen haben Kampflust in Gelsenkirchen

Christina Kampmann spricht bei der Regionalkonferenz der ASF Westliches Westfalen

Foto: Oliver Mengedoht

Christina Kampmann spricht bei der Regionalkonferenz der ASF Westliches Westfalen Foto: Oliver Mengedoht

Gelsenkirchen.   Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) hat sich zur Regionalkonferenz mit NRW-Familienministerin Christina Kampmann getroffen.

Es gibt Jubiläen, die kein Grund zum Feiern sind. Dass der zehnte Equal Pay Day am Samstag ausgerechnet auf den Tag fiel, an dem sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen zur Regionalkonferenz in Gelsenkirchen traf, weckte erst recht die Kampflust der Teilnehmerinnen. Prominenter Gast war NRW-Familienministerin Christina Kampmann.

Bei der Awo in Bismarck wurden keine Bitten vorgetragen, sondern selbstbewusst Forderungen gestellt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit bedeutet Geschlechtergerechtigkeit. Eben darauf macht der Equal Pay Day (EPD) aufmerksam: Er markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Lohnlücke in Deutschland gemessen am Durchschnittsbruttostundenlohn 21 Prozent (2015) betrug. Umgerechnet ergeben sich 77 Tage und daraus das Datum des EPD am 18. März.

Frauen profitieren vom Mindestlohn

Von der Einführung des Mindestlohns profitieren Frauen. Den hat eine Frau aus den eigenen Reihen durchgesetzt, waren sich die Genossinnen einig: Andrea Nahles. Dass die SPD die von der Union befürwortete „Herdprämie“ verhindert habe, sei der Verdienst von Manuela Schwesig. Doch für Lohngerechtigkeit muss das Entgeldtransparenzgesetz kommen. Ein sperriges Wort. Es bedeutet, dass sichtbar gemacht werden muss, was andere verdienen, also Lohntransparenz.

Die Gelsenkirchener Landtagsabgeordnete Heike Gebhard erinnerte unter Beifall an den legendären Arbeitskampf der Heinze-Frauen. Die 29 Beschäftigten des Gelsenkirchener Foto-Unternehmens Heinze erstritten 1981 vor dem Bundesarbeitsgericht in Kassel in dritter Instanz die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen.

Doch Lohngerechtigkeit ist noch nicht erreicht. Es gibt noch viel zu tun, in Deutschland und weltweit. NRW-Familienministerin Christina Kampmann nannte den Fall einer freiberuflichen TV-Journalistin, die gleiches Honorar wie ihre männlichen Kollegen eingeklagt hat: „Der Richter wies das mit der Begründung ab, wo denn da die Vertragsfreiheit der EU bliebe. Außerdem habe die Klägerin ihr Honorar wohl schlecht verhandelt. Unglaublich!“ Silke Ossowski, die ASF-Vorsitzende von Gelsenkirchen, nannte Beispiele aus der medizinischen Wissenschaft. „Eine Kinderärztin hat umgerechnet einen Stundenlohn von 35 Euro, ein Kinderarzt von 50 Euro.“

Vieles muss sich noch ändern

Bettina Schwab-Losbrodt, Vorsitzende des Bezirk Westliches Westfalen, erkannte aber auch viel Positives, die Aufbruchstimmung: „Wir haben mehr Zulauf, das ist eindeutig so. Dass wir eine digitale Zeitung pflegen, gut vernetzt sind, zahlt sich aus.“

Wie Frauen behandelt werden, stinkt etwa der neuen Juso-Vorsitzenden Ronja Christofczik (23). Was würde sie ändern? „Es muss mehr Möglichkeiten geben Familie und Beruf zu vereinbaren.“ Falken-Chefin Christina Riedel (32): „Frauen müssen raus aus der Teilzeitfalle. Erziehung geht Männer und Frauen an. Darum müssen Männer auch rein in Erziehungsberuf und Pflegeberufe.“ Und Rosi Gehring (69) aus Herne meinte: „Martin Schulz wird sich für Geschlechtergerechtigkeit bei den Löhnen einsetzen.“

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