Kirche vor Ort

Gemeinde nimmt traurig Abschied vom Franziskussaal

Pastor Johannes Aniol hielt den Gottesdienst unter dem Titel „30 Jahre Franziskussaal“ im Freien.

Pastor Johannes Aniol hielt den Gottesdienst unter dem Titel „30 Jahre Franziskussaal“ im Freien.

Foto: Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Bismarck.  Im Freiluft-Gottesdienst erinnert Pastor Johannes Aniol an die Geschichte und den Einsatz der Menschen für das Gemeindeleben in Bismarck.

Ein Fünkchen Hoffnung sollte bleiben, eine schöne Erinnerung an 30 Jahre bewegter Geschichte und Begegnungen mit Menschen, aber vorherrschend war die Trauer. Dabei strahlte die Sonne über dem Festgottesdienst auf dem Freigelände der St. Franziskusgemeinde an der Theodorstraße, und die Bäume und Sträucher spendeten wohltuenden Schatten. Allerdings auch für gerade einmal 50 Besucher, die sich zur Feier des 30-jährigen Bestehens des Gemeindesaals eingefunden hatten. Denn der Saal wird aufgegeben, nicht allzu lang ist es dann auch bis zum Abschied von der Gemeindekirche.

Pastor Johannes Aniol scheute deshalb auch nicht, an diesem zwölften Sonntag im Kirchenjahreskreis kurz zu erwähnen: „Heute ist der Besuch sogar größer als zur Messe in der Kirche.“ Was in diesen 30 Jahren im Gemeindeleben in Bismarck erreicht wurde, hätten die Menschen geschafft. Kritisch stellte Aniol seine Predigt unter die Frage, ob nur der der bessere Christ sei, der jeden Sonntag zur Kirche gehe.

Menschen prägten das Gemeindeleben

„Anständig“ sei wohl jeder, der seinen Kindern eine liebevolle Erziehung mit sozialen Tugenden vermittle. „Aber nicht alle guten Menschen sind auch Christen, und wer ist ein guter Christ?“ räumte er ein.

Die 30 Jahre, die mit der Geschichte des Franziskussaals verbunden seien, hätten die Menschen geprägt, die Sorge für das Gemeindeleben trugen, die für andere da waren. „Sei es mit Arbeit, durch Spenden, in Sitzungen oder in vielen Feiern“, zählte der Geistliche auf.

Großer Dank an den Förderverein

„Es wird uns etwas fehlen“, schloss er, „aber Christsein hängt nicht von einem Gebäude aus Stein ab. Wichtig ist die Gemeinschaft.“ Dank und Anerkennung sprach er ausdrücklich dem Förderverein aus, der in zwölf Jahren alles getan habe, um den Saal zu erhalten.

„Wir haben erlebt, dass wir praktisch jedes Jahr schließen,“ räumt Kerstin Gloger, „schon als der Förderverein gegründet wurde, standen gerade einmal die fünf Aktiven bereit, die wir für den Vorstand gebraucht haben.“ Die Kosten für die

Unterhaltung des Saales, obwohl erst 30 Jahre alt, seien nicht zu stemmen. „Aber wir waren schon gut“, bekommt sie Unterstützung von Susanne Wittpoth.

Beide sortieren während des Gottesdienstes an den Tischen im Hintergrund die Karten, die nachmittags beim großen Luftballon-Start auf die Reise gehen sollen.

Botschaft geht auf die Reise

„Das Licht helfe Dir, Kurs zu halten auf Deiner Reise“, lautet die Bitte auf der Botschaft. Für jeden Gottesdienstbesucher heute gab es außerdem eine Karte mit „1989-2019, Pfarrsaal in St. Franziskus“, und dem Sinnspruch: „Lass los, was Dich traurig macht und freue Dich auf das, was kommen wird.“

Verkauf schon einmal gescheitert

Kerstin Gloger zuckt die Schultern, „Vor drei Jahren ist ein Verkauf der Immobilie schon gescheitert. Wir haben in der Gemeinde keine Kommunionkinder mehr, keine Sternsinger, keine Kindergärten, keine Messdiener. Aber wir hatten eine schöne Zeit.“

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