Synodaler Weg

Gelsenkirchenerin Norpoth gestaltet Aufbruch der Kirche mit

„Frauen, worauf wartet Ihr?“ Mit purpurfarbenen Transparenten machten Mitglieder der Katholischen Deutschen Frauengemeinschaft (Kfd) bei der Auftaktveranstaltung zum Synodalen Weg in Frankfurt vor dem St.-Bartholomäus-Dom auf ihre Forderung nach Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche aufmerksam. Zu den 230 Delegierten der Versammlung zählte auch Katharina Norpoth (28) aus Gelsenkirchen-Buer.

„Frauen, worauf wartet Ihr?“ Mit purpurfarbenen Transparenten machten Mitglieder der Katholischen Deutschen Frauengemeinschaft (Kfd) bei der Auftaktveranstaltung zum Synodalen Weg in Frankfurt vor dem St.-Bartholomäus-Dom auf ihre Forderung nach Gleichberechtigung von Frauen in der katholischen Kirche aufmerksam. Zu den 230 Delegierten der Versammlung zählte auch Katharina Norpoth (28) aus Gelsenkirchen-Buer.

Foto: Synodaler Weg

Gelsenkirchen-Buer.  Katharina Norpoth diskutiert bei Synodalem Weg über brisante Themen in der katholischen Kirche mit Bischöfen. Bueranerin ist BDKJ-Bundeschefin.

Weiblich, jung, politisch aktiv und engagiert: Mit diesen Eigenschaften kann frau die Welt verändern, wie Klimaschützerin Greta Thunberg beweist. Aber die katholische Kirche? Ganz so hoch mag Katharina Norpoth (28) aus Buer ihre Ambitionen nicht hängen, aber den Aufbruch mitgestalten, das will sie sehr wohl – als einziges Gelsenkirchener Mitglied der Synodalversammlung, die jetzt als oberstes Organ des Synodalen Wegs in Frankfurt ihre Arbeit aufnahm. Dass Laien gemeinsam mit Bischöfen über brisante Themen wie Machtmissbrauch, Sexualmoral, Zölibat und die Rolle der Frau diskutieren, auf Augenhöhe, wohlgemerkt: „Das ist eine Chance.“

Von der Studentin der Sozialwissenschaft an der Ruhr-Uni in Bochum zur Synodalen, die (auch) mit konservativen Bischöfen wie Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln um den richtigen Weg ringt, verlorenes Vertrauen in die katholische Kirche zurück zu gewinnen: Diese Entwicklung ist so erstaunlich nicht. Arbeitet die langjährige Messdiener(-Leiterin) in der Propsteigemeinde St. Urbanus doch bereits seit 2015 als ehrenamtliche Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).

28-jährige Gelsenkirchenerin fühlt sich als „alte Verbandshäsin“

„Über diese Funktion bin ich vielen Bischöfen und Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) bereits begegnet und wusste als alte Verbandshäsin, wie solche Versammlungen ablaufen“, berichtet die Bueranerin. Trotzdem: „Ein wenig aufgeregt war ich schon, als ich für die dreitägige Auftaktveranstaltung am 30. Januar nach Frankfurt fuhr, da der Synodale Weg als solcher ja für alle Beteiligten neu ist.“ Immerhin reiste sie mit vertrauten Personen: Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck etwa kennt sie von ihrer Tätigkeit als BDKJ-Bundesvorsitzende, und Weihbischof Wilhelm Zimmermann war lange Jahre Propst in ihrer Heimatgemeinde St. Urbanus.

Dass die Bischöfe sich beim Eröffnungsgottesdienst im Dom St. Bartholomäus bewusst „unters Kirchenvolk“ mischten und mit den anderen Synodalen in den Bänken saßen, erlebte sie als „normal“. „In der Jugendverbandsarbeit wird das schon lange so praktiziert. Da begegnen sich Laien und Priester auf Augenhöhe und tragen gemeinsam in der Leitung von Jugendverbänden Verantwortung.“

Auch junge Menschen sollen Gehör in der Kirche finden

Die Versammlung selbst sei dann tatsächlich „von einem guten Miteinander geprägt“ gewesen. „Natürlich war zu spüren, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf verschiedene Themen gibt, aber wenn jeder guten Willens ist, dann sollte das kein Hindernis für den weiteren Prozess darstellen.“

Was sie dazu motivierte, an dem zweijährigen Diskussionsprozess mitzuarbeiten? „Kirche liegt mir sehr am Herzen. Mir ist es wichtig, dass in dieser Versammlung auch junge Menschen Gehör finden, die wir als BDKJ ja auch vertreten. Wir junge Leute sind nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirche“, erklärt sie, um dann konkreter zu werden: „Ich engagiere mich dafür, dass auch Laien Leitungsfunktionen in der Kirche übernehmen können und zwischen Frauen und Männern Gleichberechtigung auch in der Kirche herrscht.“

Priesteramt für Frauen ist Ziel der Bueranerin

Das Priesteramt für Frauen: „Das ist unser Ziel, aber es wird sehr schwierig sein, das auch umzusetzen“, weiß die Studentin, dass diese Forderung von BDKJ und Katholischer deutscher Frauengemeinschaft (Kfd) nicht überall auf der Welt auf Gegenliebe stößt. „Dennoch muss dieses Ziel nach Rom kommuniziert werden“, findet sie. Auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durch einen Priester steht auf ihrer persönlichen Agenda.

Als besonders bewegend empfand sie den Bericht eines transsexuellen Mannes, der den insgesamt 230 Synodalen von seinem sexuellen Missbrauch durch einen Priester berichtete. „Das war ein Moment großer Emotionalität.“

NS-Vergleich hat Studentin verärgert und sprachlos gemacht

Im Gegensatz dazu hat sie der Vergleich der Entscheidungsfindung des Reformprozesses mit dem NS-Ermächtigungsgesetz von 1933, wie ihn Kardinal Gerhard Ludwig Müller zog, geärgert und „sprachlos gemacht“. „Vergleiche mit der NS-Zeit gehen gar nicht!“

Entmutigen lassen will sie sich aber nicht. „Wir brauchen einen langen Atem, wenn wir die Strukturen in der Kirche anders gestalten wollen. Aber ich habe große Hoffnung, dass sich etwas ändert.“ Sie selbst jedenfalls will alles geben, die Debatte über Sexualmoral voranzubringen. „Ich arbeite im Forum zu gelingenden Beziehungen mit, das aus Experten, Bischöfen und Laien-Synodalen besteht und sich zwischen den großen Versammlungen trifft, um Entscheidungsvorlagen auszuarbeiten. Ende Februar geht’s los“.“ Wohin genau der Weg führt, ist noch unklar. Aber der erste Schritt ist gemacht – von Laien und Bischöfen gemeinsam.

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