Frau im Rettungsdienst

Gelsenkirchenerin arbeitet mit Kopftuch im Rettungsdienst

Nurda Gündogdu (l.) aus Gelsenkirchen ist seit fast zwei Jahren im Rettungsdienst tätig. Das Foto zeigt die 21-Jährige mit den Kolleginnen Indra Garbel (18), Bedia Saridayr (19) und Dilara Beyer (22). an der Zentrale des DRK in Gelsenkirchen.

Nurda Gündogdu (l.) aus Gelsenkirchen ist seit fast zwei Jahren im Rettungsdienst tätig. Das Foto zeigt die 21-Jährige mit den Kolleginnen Indra Garbel (18), Bedia Saridayr (19) und Dilara Beyer (22). an der Zentrale des DRK in Gelsenkirchen.

Foto: Maria Eckardt

Gelsenkirchen.  Nurda Gündogdu arbeitet für das Deutsche Rote Kreuz. Sie will zeigen, dass auch als Frau mit Kopftuch eine Arbeit im Rettungsdienst möglich ist.

Sie ist jung. Sie ist weiblich. Sie trägt ein Kopftuch. Und sie arbeitet seit fast zwei Jahren im Rettungsdienst. Nurda Göndogdu wurde in Hamm geboren, wuchs in Gelsenkirchen auf und ging auch in der Ruhrgebietsstadt zur Schule. Ihr Ziel war es damals noch, irgendwann eine Bürotätigkeit auszuüben oder im Einzelhandel zu arbeiten. Dass sie Menschen mit dem Krankentransporter herumfahren würde oder beruflich erste Hilfe leisten würde, hätte die mittlerweile 21-Jährige noch zu Schulzeiten nicht gedacht.

Eine ungeplante Entscheidung

Nach ihrem Hauptschulabschluss holte die junge Frau ihre Fachoberschulreife mit Qualifikation nach. Doch wie die Zukunft weiter aussehen sollte, wusste sie da noch nicht. Trotzdem wollte sie nicht nur tatenlos herumsitzen und meldete sich spontan auf der Homepage des Bundesfreiwilligendienstes (www.bundesfreiwilligendienst.de) an.

Das Deutsch Rote Kreuz (DRK) Gelsenkirchen kontaktierte die junge Frau und fragte an, ob sie nicht Interesse an einem Dienst in Gelsenkirchen habe. Sie sagte zu. Auch, wenn sie anfangs nicht wusste, was sie erwarten würde. Ihre Eltern, die in der Türkei aufwuchsen, aber seit 30 Jahren in Deutschland leben, reagierten zunächst skeptisch. Ihre Mutter sei zudem etwas besorgt gewesen. Aber Nurda Gündogdu, die mit vier Brüdern aufwuchs, wusste, was sie wollte. Mittlerweile sind die Eltern stolz auf ihrer Tochter.

Nach drei Monaten beim DRK absolvierte die 21-Jährige dort eine Ausbildung zum Rettungshelfer. Dazu zählten drei Wochen Schule, eine Theorieprüfung und eine Praxisprüfung, inklusive Blutdruck- und Blutzuckermessung sowie die Anwendung der Herzdruckmassage. Mittlerweile ist sie hauptberuflich beim Krankentransport und Rettungsdienst Sani-Car in Bochum tätig, beim DRK in Gelsenkirchen hilft sie weiter ehrenamtlich aus.

Ihre Religion, der Islam, ließe sich mit ihrer Arbeit bestes vereinen, erzählt sie. Die Gebetszeiten und die passenden Texte seien mittlerweile als App verfügbar und so immer abrufbar. Im Arbeitsalltag wäre das Beten kein Problem. Einmal hätte es beim Fastenbrechen während Ramadan einen Notfall gegeben. Da sprang Nurda Gündogdu sofort ein, auch wenn sie noch nicht gegessen hatte. „Der Patient geht immer vor“, sagt sie.

Vorurteile gehören zu ihrer Arbeit

Auch wenn ihr die Arbeit Spaß macht, begegnet sie immer wieder Patienten mit Vorurteilen, die ihr den Job nicht zutrauen, sich nicht von ihr behandeln lassen wollen oder sie persönlich nicht ansprechen, weil sie glauben, sie spreche kein Deutsch. Manchmal erlaube sie sich einen Scherz, in dem sie erst einmal gar nichts sagt, abwartet und dann ganz unerwartet mit ihrem Fachwissen glänzt. „Viele Menschen schauen mich auch auf der Straße mit großen Augen an, wenn sie mich in meiner Arbeitskleidung sehen“, sagt die 21-Jährige. Aber sie hat gelernt, sich nicht beirren zu lassen und stark zu bleiben. „Mir geht’s darum, dass es den Patienten gut geht. Das ist mein Job.“

Der Anteil an Frauen im Rettungsdienst steigt

Dass der Job als Rettungshelfer ein reiner Männerberuf ist, sei ebenfalls ein Vorurteil. Laut der DRK-Pressereferentin Anja Happe dominiert zwar der Männeranteil, aber die Zahl der Frauen im Rettungsdienst sei in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Zudem hätte sich das Team mit 15 Frauen und 45 Männern im Laufe der Zeit mehr und mehr verjüngt. Happe: „Die Herkunft und Religion spielt keine Rolle, es kommt auf die Persönlichkeit an und man darf für den Job nicht zimperlich sein.“ Nurda Gündogdu abschließend: „Mein Ziel ist es, einfach zu zeigen, dass der DRK offen ist und Frauen mit Kopftuch die Möglichkeit haben, in den Rettungsdienst einzusteigen.“

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