Welt-Alzheimertag

Gelsenkirchenerin (65) erzählt von ihrem Leben mit Alzheimer

Andrea Hundert, Leiterin der Alzheimer Gesellschaft Gelsenkirchen (r.), spricht mit Gabi (65), die an Alzheimer erkrankt ist.

Andrea Hundert, Leiterin der Alzheimer Gesellschaft Gelsenkirchen (r.), spricht mit Gabi (65), die an Alzheimer erkrankt ist.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Anlässlich des Welt-Alzheimertages sprachen wir mit einer Gelsenkirchenerin (65), die die Aufgabe angenommen hat, mit dieser Krankheit zu leben.

Mit wachen Augen sitzt Gabi am Tisch und erzählt über ihr Leben. Energiegeladen ist sie, ein richtiger Quirl. Sie berichtet über ihre Kinder, wo sie jetzt wohnt, wie es ihr geht, was sie beruflich gemacht hat. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. Aber der Tisch, an dem die 65-Jährige sitzt, steht im Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe der Alzheimer Gesellschaft in der Kirchstraße 51. Denn Gabi ist an Alzheimer erkrankt.

Man glaubt es kaum. Wenn sie erzählt, ist die ehemalige Deutsch- und Politiklehrerin konzentriert und voll bei der Sache. Das war auch unter anderem ein Hindernis für Ärzte, die richtige Diagnose zu stellen. Denn Gabi gehört mit ihren jetzt 65 Jahren zu den jungen Alzheimer-Patienten. Der Durchschnitt liegt bei 86,4 Jahren.

Ihre Sachen für den Unterricht musste sie plötzlich am Abend vorher zusammenlegen

Als sie merkte, dass mit ihr „irgendetwas nicht stimmte“, war sie gerade mal Anfang 60 und noch voll im Beruf. „Ich war nie ein sehr strukturierter Mensch, aber ich habe immer alles locker gemanagt bekommen. Doch genau das wurde schleichend schwieriger“, schildert sie die Anfänge ihrer Krankheit. Normalerweise packte sie morgens vor Schulbeginn die Sachen zusammen, die sie für den Tag brauchte. Aber so einfach ging das plötzlich nicht mehr. Sie musste damit plötzlich bereits am Abend vorher anfangen.

„Ich konnte mir nicht mehr so vertrauen“, erklärt sie ihren Zustand. Sich die Namen der Schüler zu merken, klappte nicht mehr so wie früher. Es ging alles nicht mehr so locker. Dass der Duden ein Berufsleben lang ständiger Begleiter der Deutschlehrerin war, war klar. „Aber mehr und mehr guckte ich Selbstverständlichkeiten der deutschen Sprache nach. Das hat mich schon irritiert“, räumt Gabi ein. „Ich bin auch schneller müde geworden, brauchte Pausen, oft wurde es wuschelig in meinem Kopf.“

Bei der Alzheimer Gesellschaft Gelsenkirchen fand sie Hilfe

Dass da etwas nicht stimmte, merkte auch ihr Umfeld. Zum Beispiel konnte sie sich den Begriff „Diagnose“ nicht merken. „Ich habe mir dann Eselsbrücken gebaut und an Dia und Hose gedacht. Dann ging es“, sagt sie und die Lachfältchen in ihrem offenen Gesicht strahlen Positives aus. „Für die Ärzte war es nicht einfach, die richtige Diagnose zu stellen. Das ist nicht nur Gabi so gegangen“, sagt Andrea Hundert, Leiterin der Alzheimer Gesellschaft Gelsenkirchen. Vor allem junge Patienten wie die damals Anfang 60-Jährige müssen intensiver untersucht werden, weil die Krankheit so vielschichtig ist.

Gabi ging damals zu ihrer Hausärztin, weil sie wissen wollte, was mit ihr los ist. Die schickte sie zum Neurologen, der nichts Ungewöhnliches feststellte und riet, „mal eine Therapie“ zu machen. „Was soll ich denn mit so einem Rat anfangen?“ fragt sich Gabi noch heute. Ihre Schwester hatte den Verdacht, dass es Alzheimer sein könnte. Sie kannte die Symptome, denn Mutter und Tante hatten dieselbe Krankheit. „Der Weg führte Gabi dann zu uns, zum Kontaktbüro Pflegeselbsthilfe der Alzheimer Gesellschaft, in dem seit kurzem auch Sina Geißler arbeitet. Wir verfügen über ein breites Netzwerk, so dass wir den Ratsuchenden eine Odyssee von Arzt zu Arzt ersparen können“, freut sich Andrea Hundert.

Die richtige Diagnose war keine Belastung, sondern eine Erleichterung

Im Fall von Gabi machte das Kontaktbüro einen Termin in der geronto-psychiatrischen Institutsambulanz des Elisabeth Krankenhauses aus. Dort stellte sie sich ambulant vor. Dann wurde sie stationär aufgenommen und bekam die richtige Diagnose: Alzheimer. „Das war keine Belastung, sondern eine Erleichterung“, sagt Gabi, die zwar medikamentös behandelt wird. „Aber ich weiß jetzt, ich selbst muss am Ball bleiben, aktiv sein. Ich mag Menschen und suche weiter den Kontakt zu ihnen. Das hilft.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben