Youtube-Projekt

Gelsenkirchener werben mit Video für Integrationsratswahl

Imam Abdullah Günel, Aleyna Orhan und Aliziya Baspinar (v.l.) haben gemeinsam an einem Video gearbeitet, mit dem sie für die Integrationswahl werben wollen.

Imam Abdullah Günel, Aleyna Orhan und Aliziya Baspinar (v.l.) haben gemeinsam an einem Video gearbeitet, mit dem sie für die Integrationswahl werben wollen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bismarck.  Mit einem Youtube-Video wollen Jugendliche der Bismarck-Moscheegemeinde für die Integrationsratswahl werben. Der Clip hat schon über 1000 Klicks.

„Der Consol-Park in Bismarck, 2014“ steht in weißen Lettern auf dem Bildschirm. Eine Gruppe Jugendlicher spielt Fußball. Die Kamera fängt schnelle Bewegungen ein, die Jungen passen sich Bälle zu, einer von ihnen läuft weit nach vorne schießt den Ball in Richtung Tor. Als er trifft, liegt sich das Team in den Armen. Schnitt. Da steht Ahmed Kutucu mit königsblauem Trikot in der Veltins-Arena. „Glaubt an eure Träume“, sagt der Schalke-Profifußballer, der in Bismarck aufgewachsen ist.

Diese Szenen leiten ein Video ein, das Jugendliche der Moscheegemeinde Mimar Sinan Câmii in Bismarck in Zusammenarbeit mit der Stadt erarbeitet haben. „Ihr könnt etwas schaffen“, „Eure Stimme zählt“: Das sind die Botschaften des knapp siebenminütigen Clips, mit dem die Filmemacher vor allem junge Menschen auf die anstehende Integrationsratswahl aufmerksam machen wollen. Denn die – findet zumindest Imam Abdullah Günel, der das Projekt geleitet hat – gerät neben der Oberbürgermeisterwahl häufig in den Hintergrund: „Viele wissen nicht, dass es die Wahl überhaupt gibt, geschweige denn, was der Integrationsrat macht.“

Vier Monate arbeiteten die Gelsenkirchener an dem Youtube-Video

Drei Jugendliche haben an dem Video mitgewirkt: Aliziya Baspinar (21), Jugendvorsitzender der Bismarck-Moscheegemeinde, Aleyna Orhan (18), Jugendvorsitzende der Gelsenkirchener Zentralmoschee, und Baran Akcacik. Betreuerin Sabine Walther vom Wissenschaftspark half ihnen, Termine wie den Dreh auf Schalke einzustielen. Das Equipment – unter anderem Kameraausrüstung und eine Drohne für Luftaufnahmen – stellte ihnen die Stadt. Ansonsten haben die jungen Leute in viermonatiger Arbeit alles selbst geplant, organisiert und konzeptioniert. Sie saßen 13 Stunden am Skript, bereiteten Interviews vor, kümmerten sich um Storyboard, Schnitt und Musik und traten selbst als Sprecher im Video auf.

„Das war schon aufregend“, erzählt Orhan lachend. Baspinar ergänzt: „Man fragt sich immer, wieso andere vor der Kamera nervös sind – bis man selbst in die Situation kommt.“ Die Arbeit, da sind sich die beiden einig, hat sich schon jetzt gelohnt. „Wir selbst haben uns vorher nicht viel mit der Integrationsratswahl beschäftigt. Den Jugendlichen aus unserer Gemeinde ging es ähnlich. Manche wussten gar nicht, dass sie mit 16 überhaupt schon wählen dürfen“, erzählt Orhan.

Video zeigt Beispiele von erfolgreichen Gelsenkirchenern mit Migrationshintergrund

Nun aber hätten sie schon viel Resonanz von jungen Leuten bekommen. Die würden sich nun tatsächlich mit der Wahl beschäftigten, nachdem sie sich das Video angesehen hatten. Vor allem in der Corona-Zeit hoffen die Filmemacher, möglichst viele Leute zum Gang zur Wahlurne zu motivieren und vielleicht sogar dafür, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren.

Neben Schalke-Profi Kutucu zeigt das Video unter anderem Majd Sawas, der vor einigen Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam und nach einem Bestnoten-Abitur heute studiert, und die Modedesignerin Ümran Akca, die eine Boutique in der Bismarckstraße führt. „Wir wissen, dass die Bismarckstraße nicht Beverly Hills ist“, sagt Imam Günel. „Trotzdem gibt es hier viele Menschen, die etwas erreicht haben. Wir möchten positive Beispiele für Integration zeigen, um gegen das negative Image anzukämpfen.“

Stadt und FC Schalke 04 laden das Video ebenfalls auf ihren Websites hoch

Das Video ist unter dem Titel „Filmprojekt - Integrationsratswahl am 13.09.2020 in Gelsenkirchen“ auf Youtube zu sehen. Nach drei Tagen hatte es bereits über 1000 Klicks. Die Stadt und der FC Schalke 04 werden es in den nächsten Tagen auf ihren jeweiligen Internetseiten hochladen.

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