Kultur & Musik

Gelsenkirchener Walcker-Orgel erklingt nun in Papenburg

Professor Martin Sander, Konzertsolist und Hochschullehrer an Orgelakademien in Detmold und Basel, am neuen Spieltisch der Walcker-Orgel, die nun nicht mehr im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus, sondern in Papenburg steht.

Professor Martin Sander, Konzertsolist und Hochschullehrer an Orgelakademien in Detmold und Basel, am neuen Spieltisch der Walcker-Orgel, die nun nicht mehr im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus, sondern in Papenburg steht.

Foto: Klaus Dieckmann

Gelsenkirchen.  Die prächtige Walcker-Orgel, die einst im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus erklang, hat ihren neuen Platz nun in Papenburg gefunden.

Vor fast zwei Jahrzehnten verstummte sie sang- und klanglos. Jetzt jubiliert sie wieder. Die prächtige Walcker-Orgel aus dem einstigen Saal des Hans-Sachs-Hauses ist zu neuem Leben erwacht. Die kostbare Königin der Instrumente erklingt nun in der Kirche St. Antonius in Papenburg. Vor wenigen Tagen wurde sie wegen der Corona-Pandemie in nur kleinem Rahmen eingeweiht. „Die große offizielle Eröffnung mit Bischof und Gästen aus Gelsenkirchen ist dann für den 4. Juni nächsten Jahres geplant“, verrät Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer.

Für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft

Die Stadt Gelsenkirchen verkaufte bekanntlich die historische Konzertorgel, für die sich nach dem Umbau des Haus-Sachs-Hauses kein Platz mehr in der Stadt fand, vor drei Jahren zu einem symbolischen Preis von einem Euro an die katholische Gemeinde im Emsland. Die trug dafür alle Kosten für den Um- und Einbau des Instruments, das mit seinen 92 Registern und 7262 Pfeifen als Prachtexemplar seiner Gattung gilt. Wegen des sinfonischen Klangs erhielt das Instrument aus dem Jahr 1927 das Etikett „Wunderorgel“.

Die Walcker-Orgel ist nun eine der größten Orgeln in Niedersachsen und soll als attraktives Konzertinstrument Menschen aus weitem Umkreis in die Stadt locken, die vor allem durch die Meyer-Werft weltbekannt wurde. Einen ersten Eindruck konnten sich Gemeindemitglieder und andere Musikfreunde bei der Weihefeier machen. „Orgel erwache!“ hieß es dort, und Regionalkantor Ralf Stiewe stimmt die ersten zarten Tönen an, die nach und nach zu einem mächtigen Klang anschwollen. Worte des Dankes, so berichtete es die Neue Osnabrücker Zeitung, richtete der Kirchenvorstand ausdrücklich an die Stadt Gelsenkirchen, die St. Antonius die Orgel anvertraut habe.

Konzerte werden erst 2021 wieder stattfinden

Auch Pfarrer Lanvermeyer betrachtet die Walcker-Orgel als großes Geschenk, das die Herzen der Menschen berühre. „Sie kann alle Höhen und Tiefen zum Ausdruck bringen.“ Vorerst erklingt die Orgel vor allem zu Ehren Gottes. Als Konzertorgel wird sie in diesem Jahr wegen der Corona-Krise noch nicht dienen: „Eigentlich sollte an jedem dritten Sonntag im Monat ein Konzert stattfinden. Das muss aufs nächste Jahr verschoben werden.“

In normalen Zeiten finden in der Kirche rund 1000 Menschen Platz, zur kleinen Weihefeier waren aber nur 200 geladen. Dafür übertrug die Gemeinde die Walcker-Weihe über Youtube. Auf diesem Kanal wird es am Freitag, Samstag und Sonntag auch den Stream eines Orgelkonzertes geben, damit die Musikfreunde schon jetzt einen ersten Eindruck vom Klangreichtum der Orgel erhalten können.

Installation der Walcker-Orgel kostete rund eine Million Euro

Die St. Antonius-Gemeinde brachte für die Installation der Orgel rund eine Million Euro auf, dazu kamen hohe Kosten für bauliche Veränderungen in der Kirche. Nach einem Architektenwettbewerb entschied man sich für einen teilweise schwebenden Einbau in die Kirche. Viele Gelsenkirchener können sich noch gut an den wuchtigen Klang erinnern, der bei so manchem großartigen Konzert renommierter Musiker den Raum erfüllte. Gebaut wurde das Instrument 1927 von der berühmten Firma Walcker & Co in Ludwigsburg für den Veranstaltungssaal des Gelsenkirchener Rathauses. Als der Zweite Weltkrieg tobte, war die Orgel auf Bauernhöfen im Lipperland ausgelagert und erklang erst 1949 wieder. Für den Umbau des Hans-Sachs-Hauses musste sie den Saal dann endgültig verlassen, war zuletzt in Kevelaer gelagert.

Übrigens: Wenn im nächsten Jahr auch Gelsenkirchener Musikfreunde die Walcker-Orgel wieder erleben möchten, für sie ist der Eintritt in jedes Konzert frei. Vorlage des Personalausweises genügt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben