Notfallversorgung

Gelsenkirchener Tierhalter brauchen im Notfall viel Geduld

Tierärztin Sabrina Scharf (links) und Sabine Hoffmann (Tiermedizinische Fachangestellte)  – hier bei der Untersuchung von Gyrell – haben in der Praxis Smartvet an der Lockhofstraße in Gelsenkirchen viel zu tun.

Tierärztin Sabrina Scharf (links) und Sabine Hoffmann (Tiermedizinische Fachangestellte) – hier bei der Untersuchung von Gyrell – haben in der Praxis Smartvet an der Lockhofstraße in Gelsenkirchen viel zu tun.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Gelsenkirchener Tierklinik musste den Notdienst wegen Personalmangels einstellen, es kommt zu langen Wartezeiten. Ärzte spüren Unmut darüber.

„Tierklinik“ steht schon von Weitem lesbar auf den Hinweisschildern an der Grothusstraße in Höhe der A42-Auffahrt. Ein Pfeil weist zur Lockhofstraße. Dabei hat das dort beheimatete Tiergesundheitszentrum „Smartvet“ seinen Klinikstatus bereits vor über einem Jahr verloren. Der Grund: Personalmangel. Seitdem gibt es in der Stadt keine Anlaufstelle mehr, die sich tierischen Gesundheitsnotfällen rund um die Uhr annimmt. Den Ärger vieler Besitzer darüber bekommen die verbliebenen Ärzte deutlich zu spüren.

„Wartezeiten unterirdisch. Personal und Ärzte scheinen überfordert und häufig unterbesetzt“, lautet nur eine der zahlreichen Bewertungen, die über die Praxis im Internet zu finden sind. Kritik, an die Sabrina Scharf, medizinische Leiterin der Klinik, bereits gewöhnt ist. Von den ursprünglich elf Tierärzten arbeiten nur noch fünf in Gelsenkirchen. „Wir machen oft Überstunden und ich betreue täglich bis zu 80 Patienten“, resümiert Scharf die Folgen.

Praxis ist trotzdem an Wochenenden besetzt

„Es kommt vor, dass Menschen mit ihren Tieren 2,5 oder sogar drei Stunden warten“, fügt Sabine Hoffmann, administrative Leitung, hinzu. Gerade dann, wenn ein Notfallpatient in die Praxis komme, müssten alle anderen mitunter viel Geduld aufbringen. Ein Snack- und Kaffeeautomat im Wartebereich signalisieren: Hier kann es lange dauern. Weil die Praxis sehr gut ausgestattet ist und Notfallsprechstunden auch am Wochenende anbietet ist sie noch immer eine wichtige Anlaufstelle, wenn der Hund einen Knochen verschluckt hat oder das Kaninchen plötzlich den Kopf ganz schief hält.

Um 20 Uhr ist an der Lockhofstraße allerdings Dienstschluss. Dann bleibt Tierhaltern nur noch der Weg in eine der Tierkliniken in den Nachbarstädten. Diese kämpfen jedoch ebenfalls mit Personalmangel, zuletzt gaben die Standorte Duisburg-Asterlagen und Lüdinghausen ihren Klinikstatus ab. „Wir haben seitdem sehr viel mehr zu tun“, sagt Antje Terdenge, Klinikmanagerin in Recklinghausen. Über 550 Tiere aus Gelsenkirchen haben die Ärzte dort im ersten Halbjahr 2019 behandelt.

Andere Städte sind schlechter versorgt

In die Klinik von Dr. Hans-Jürgen Apelt in Essen kommen inzwischen täglich fünf bis zehn Patienten aus Gelsenkirchen, etwa die Hälfte davon als Notfälle. Aus Duisburg und dem deutlich schlechter versorgen Münsterland kämen deutlich mehr. Die Wartezeiten seien daher auch dort oft lang. „Das schürt Wut und Unverständnis. Unsere Mitarbeiten müssen sich sogar beschimpfen lassen“, berichtet er.

Umstände, unter denen sich die Situation kaum verbessern kann. „Ein Tierarzt hat seine Bewerbung an uns sogar zurückgezogen“, sagt Hoffmann. „Er hat die schlechten Bewertungen gelesen und dadurch Sorgen vor extremem Stress.“ Inzwischen setzt die Smartvet-Gruppe bereits vermehrt auf Personal aus dem Ausland. Den Wunsch, wieder einen Notdienst anbieten zu können, könne die Praxis so jedoch nicht realisieren.

Für Halter müsste es teurer werden

Mechthild Lütke Kleimann, Sprecherin der zuständigen Tierärztekammer, kennt die Versorgungsengpässe in der Region. „Wir als Kammer appellieren an die Praxen, Notdienstringe zu organisieren.“ Denn eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. Erst, so auch die Meinung aller befragten Ärzte, müssten mehr Tierärzte ausgebildet werden, die zur Wochenend- und Nachtarbeit bereit sind, und die Gebührenordnung der Tierärzte (GOT) geändert werden. Für Besitzer würde es dann allerdings deutlich teurer, einen Notdienst aufzusuchen.

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