Prozessauftakt

Gelsenkirchener soll Verlobte mit einem Beil getötet haben

Samir B. ist wegen Totschlags angeklagt. Er soll seine Verlobt brutal getötet haben.

Samir B. ist wegen Totschlags angeklagt. Er soll seine Verlobt brutal getötet haben.

Essen/Gelsenkirchen.  Vor dem Essener Landgericht hat der Prozess gegen Samir B. aus Gelsenkirchen begonnen. Er soll die junge Mutter brutal getötet haben.

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Mit Messer und Beil soll Samir B. (36) seine Verlobte brutal in ihrer Wohnung in Gelsenkirchen-Horst getötet haben. Eine schreckliche Tat. Doch ein Raunen der Empörung geht am Mittwoch durch die Zuschauerreihen im Essener Schwurgericht, als Staatsanwältin Valeria Sonntag in ihrer Anklage die Nacht nach der Tat schildert. Unbeschwert soll der Angeklagte mit Freunden in einer Diskothek im Süden Deutschlands eine Nacht lang gefeiert haben.

Die Emotionen kochen hoch, Hass verspüren einige Zuhörer, wenn sie draußen gefragt werden. Das war schon nach der blutigen Attacke am 28. Juli so, als ein Meer aus Blumen und Kerzen vor dem Haus in der Teplitzer Straße an die junge Mutter erinnerte, die nur 26 Jahre alt werden durfte. Der Prozess findet unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen statt, weil angeblich die Rocker-Truppe „Osmanen Germania“ das Opfer rächen wollen. Aber das ist wohl nur ein Gerücht, die Polizei hat zumindest keine entsprechende Erkenntnis.

Samir B. macht auf der Anklagebank einen gepflegten Eindruck zwischen seinen Verteidigern. Das passt so gar nicht zu der vorgeworfenen Tat, aber auch nicht zu seinen zahlreichen Vorstrafen wegen Drogen- und Gewaltdelikten.

In einer Düsseldorfer Diskothek kennengelernt

Für die Getötete soll er „die Liebe meines Lebens“ gewesen sein. Er stammt aus Süddeutschland, einem kleinen Ort in der Nähe von Heidelberg. Ein halbes Jahr vor ihrem Tod hatte die Gelsenkirchenerin ihn in einer Düsseldorfer Diskothek kennengelernt. Schnell zogen die beiden zusammen. Doch Freunde und Nachbarn berichten von ständigen Streitereien des Paares. Auch der siebenjährige Sohn der 26-Jährigen erzählt davon. Einige schildern den Angeklagten als besitzergreifend, als krankhaft eifersüchtig. Einige sagen, auch die Frau sei temperamentvoll und aufbrausend gewesen, habe sich nichts gefallen lassen.

So kam es laut Anklage am 28. Juli mittags zu einem Streit. Der Siebenjährige war nicht in der Wohnung, er war mit der Oma in die Türkei gereist. Samir B. soll seiner Verlobten „haltlose Vorwürfe“ gemacht haben. Sie sei faul und untreu, er werde sie deshalb verlassen.

13 Stich- und Schnittverletzungen

Anschließend hätten sie sich zwar wieder versöhnt. Nachts sei der Streit aber erneut entflammt. Die 26-Jährige habe irgendwann einen Hammer auf ihn geworfen. Darauf habe Samir B. ein Küchenmesser mit einer 20,5 Zentimeter langen Klinge geholt. Und ein Beil, das hinter der Schlafzimmertür stand. Damit soll er sie angegriffen haben. Die Rechtsmediziner zählten nachher 13 Stich- und Schnittverletzungen, außerdem Zeichen „stumpfer Gewalt“. Die Schädeldecke war zum Teil zerstört.

Anschließend soll Samir B. die EC-Karte des Opfers mitgenommen haben und mit ihrem Auto zunächst nach Süddeutschland gefahren sein, um sich bei seiner Familie zu verabschieden. Eine Nacht soll er mit Freunden in der Diskothek gefeiert haben, „eine Sauftour“ soll er das genannt haben. Schon frühere Vorstrafen zeigen ein Drogen- und Alkoholproblem des Angeklagten.

Samir B. flüchtete bis nach Barcelona

Über Antwerpen und Paris hat er sich nach Erkenntnissen der Ermittler bis nach Barcelona geflüchtet, wo er am 5. August festgenommen und kurz danach nach Deutschland überstellt wurde.

Am Mittwoch wird nur die Anklage vorgelesen. Weil die Psycho-Gutachter aus terminlichen Gründen fehlen, gibt es kein weiteres Programm. Richter Jörg Schmitt fragt den Angeklagten noch, ob er sich beim nächsten Mal zur Sache äußern werde. Für den Angeklagten antwortet aber dessen Verteidiger Wolf Bonn: Man wisse noch nicht, ob der Mandant in Zukunft aussage.

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