Neue NRW-Vorgaben für Schulen

Gelsenkirchener setzen beim Stoßlüften auf Zwiebellook

Stoßlüften ist seit dem Start des Unterrichts nach den Herbstferien in NRW alle 20 Minuten Pflicht. Gegen den Temperaturabfall wappnen sich viele Gelsenkirchener Schüler mit Jacken. Im Winter könnten noch Mützen und Schals hinzukommen.

Stoßlüften ist seit dem Start des Unterrichts nach den Herbstferien in NRW alle 20 Minuten Pflicht. Gegen den Temperaturabfall wappnen sich viele Gelsenkirchener Schüler mit Jacken. Im Winter könnten noch Mützen und Schals hinzukommen.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Lehrer in Gelsenkirchen erinnern per Handy-Alarm an 20-Minuten-Taktung. Schüler wappnen sich mit Jacken gegen Temperaturabfall im Klassenraum.

Alle 20 Minuten fünf Minuten Stoßlüften in den Klassenräumen: Diese Maßnahme im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie hat das Land NRW seit dem Ende der Herbstferien in weiterführenden Schulen angeordnet. Wie die Neuregelungen vor Ort ankommen, hat die Redaktion bei Lehrern und Eltern erfragt.

Rieke Strotmann, Lehrerin am Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium (AvD), hat an den ersten zwei Tage nach den Herbstferien unterrichtet. „Die Stimmung war relativ ruhig und unaufgeregt. Ans Maskentragen haben sich die Schüler schon gewöhnt“, berichtet sie.

Gelsenkirchener Lehrerin macht Maßnahmen gegen Frieren zum Thema

Alle 20 Minuten wurden Fenster und Tür im Klassenzimmer sowie die Flurfenster komplett geöffnet. Für das Querlüften – durch das Öffnen gegenüberliegender Fenster – hatte sie sich keinen Wecker gestellt. „Anfangs war es eine kurze Ablenkung für die Schüler, aber mit der Zeit wurde es mehr und mehr zur Routine.“ Gesprochen wurde auch darüber, wie sich Frieren vermeiden lässt. Den Zwiebellook (mehrere Kleidungsstücke übereinander) und das Tragen eines Schals im Unterricht hielten die Schüler für sinnvoll.

Die kommissarische Schulleitung des Gymnasiums, Charlotte Renner, betont: „Meine Kollegen und ich sind froh, dass wir in der Schule gut lüften können, um Infektionen zu vermeiden. Gerade den Oberstufenschülern, die aufs Abitur zusteuern, ist es wichtig, den Präsenzunterricht so lang wie möglich aufrecht zu erhalten.“

Große Proteste an Maskenpflicht im Unterricht blieben am AvD in Buer aus

Die Schulleitung hatte bereits vor den Herbstferien eine Umfrage zum Maskentragen gestartet. Das Ergebnis: Lehrer, Schüler und auch Eltern waren größtenteils dafür, große Proteste gab es nicht.

Volker Franken, Schulleiter der Evangelischen Gesamtschule Bismarck, unterrichtete selbst in den vergangenen zwei Tagen. Das regelmäßige Lüften im Klassenraum und auch Querlüften funktionierten gut. Die Türen der Klassenräume standen durchgehend offen, die Fenster wurden immer wieder geöffnet. „Aktuell noch kein Drama, da es bisher relativ warm war. Wenn es allerdings zehn Grad kälter wird, der Wind pfeift oder der Regen in die Klassen getragen wird, sieht es noch einmal anders aus“, meint er.

Funkuhren geben in Bismarck den Lüftungs-Takt vor

Schon vor den Herbstferien hat man nach Aussage des Schulleiters Masken getragen und regelmäßig gelüftet. „Die Gesamtsituation hat sich deshalb kaum verändert.“ Mit Decke oder Jacke im Unterricht habe er bisher noch keinen Schüler gesehen. „Aber das wird kommen, glaube ich.“

Um sich an die vorgegeben Lüftungszeiten zu halten, nutzen die Lehrer Funkuhren, die in den einzelnen Klassen hängen. Aufwärmen beim draußen stattfindenden Sportunterricht ist an der Schule derzeit besonders wichtig. „Da haben wir ein Sonderproblem, weil wir einen anderen Träger als die städtischen Schulen haben. Wir warten derzeit noch auf die Freigabe vom Gesundheitsamt“, so Franken.

Geöffnete Fensterflügel stören mitunter

Während Jürgen Much, Schulleiter der Gertrud-Bäumer-Realschule, am Montag noch ein paar Schüler im T-Shirt sah, hatte am Dienstag fast jeder eine Jacke dabei. „Momentan ist es ja zum Glück noch nicht so kalt. Teilweise konnten wir sogar aufgrund der halbwegs milden Temperaturen die Fenster durchgehend öffnen“, berichtet er. Durch die vorhandenen Flurfenster sei auch dort Querlüften möglich.

Antje Bröhl, Mitglied der Schulleitung und Lehrerin an der Getrud-Bäumer-Realschule, erinnert sich wie viele Kollegen per Smartphone-Alarm an die 20-Minuten-Taktung. „Der Wecker hat nicht gestört. Ein Problem war eher, dass teilweise die geöffneten Fensterflügel im Weg sind, was kurzzeitig für Unruhe sorgte“, sagt sie.

Schüler dürfen nun ausnahmsweise im Unterricht Mützen tragen

Schulleiter Much schätzt die Situation generell so ein, dass sich die Schüler auch an die Masken gewöhnt haben. „Da sie bei uns auch vor den Herbstferien getragen wurde, ist es mittlerweile fast ein Normalzustand geworden.“ Lediglich einzelne Schüler und Eltern konnten sich vorerst mit der Situation nicht anfreunden.

Auch an der Gesamtschule Berger Feld hat sich die Maskenpflicht bereits eingespielt, und auch das regelmäßige Lüften scheint nach Aussage von Schulleiterin Maike Selter-Beer zu funktionieren. Die Fenster seien während des Unterrichts geöffnet geblieben. „Ich merke, bei den Schülern gibt es mittlerweile eine große Akzeptanz. Anders als normalerweise, dürfen die Schüler im Unterricht auch Mützen tragen.“

Stefanie Hülswitt, Mutter einer Viertklässlerin und eines Siebtklässlers, ist für die Maskenpflicht in Schulen. Aktuell finde sich ihr Sohn damit ebenso wie mit dem Lüften ab. Kritisch sieht auch sie es, wenn die Temperaturen sinken. „Bisher geht es noch. Meine Kinder haben beide eine Jacke dabei. Zukünftig sollte das Land aber nach Alternativen suchen.“

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