Fleischkennzeichnung

Gelsenkirchener Metzger halten nichts von Tierwohllabeln

Armes Schwein: Gehege mit Ecken stressen Schweine, wie Metzger Marcus Ebben erklärt. Die Tiere hätten dann das Gefühl, nicht flüchten zu können.

Armes Schwein: Gehege mit Ecken stressen Schweine, wie Metzger Marcus Ebben erklärt. Die Tiere hätten dann das Gefühl, nicht flüchten zu können.

Foto: Volker Lübke

Gelsenkirchen.   Discounter nutzen bereits freiwillige Label. Das täuscht Verbraucher, warnen Metzger aus Gelsenkirchen jedoch. Worauf sie stattdessen setzen.

Ob das Schwein, von dem das Schnitzel auf dem Teller stammt, artgerecht gehalten wurde, sollen Verbraucher bald direkt sehen können. In dieser Woche stellte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein neues „Tierwohllabel“ vor. Dessen Verwendung soll zunächst jedoch freiwillig sein und löste damit Kritik aus. Lokale Metzger stehen der Kennzeichnung generell kritisch gegenüber.

„Ich persönlich halte davon gar nichts, das führt den Verbraucher in die Irre“, sagt Marcus Ebben, Geschäftsführer der gleichnamigen Metzgerei. Denn die Industrie könne die auf dem Etikett suggerierte artgerechte Haltung bei der Massenproduktion gar nicht leisten. „Wir sind ein kleiner Betrieb und arbeiten mit zwei Bauern zusammen. Wir haben die Kontrolle über jeden Schritt und sind sehr auf das Wohl der Tiere bedacht. Auch, weil dann die Qualität des Fleisches viel besser ist“, erklärt er.

Ebben bietet Tag der offenen Tür an

Kunden können sich bei Ebben jederzeit selbst ein Bild davon machen. Am Tag der offenen Tür bietet der Betrieb zudem eine Fahrt zu den Höfen in Mettmann und Dülmen an. „Transparenter geht es nicht“, so der Geschäftsführer.

Nach dem Motto „Wer spricht, dem wird geholfen“ verzichtet auch die Metzgerei Ridderskamp und Hahn auf eine Kennzeichnung. Produktionspläne zu Kotelett und Co. gebe es hinter der Theke, die Fleischherkunft könne so einfach erfragt werden, heißt es auf Nachfrage.

Große Ketten nutzen Label freiwillig

Discounter versuchen bereits seit einiger Zeit, mehr Transparenz in der Kühltheke zu schaffen. Sie setzen dafür auf eine freiwillige Kennzeichnung von abgepacktem Fleisch. Verbreitet ist das Vier-Kategorien-System der Initiative Tierwohl.

Kristina Schütz, Sprecherin der Rewe-Group: „Eine einfache und transparente Kennzeichnung von Frischfleischprodukten halten wir bei Rewe und Penny für unabdingbar.“ Seit Sommer 2018 gebe es das vierstufige Label bei Penny, seit Oktober auch bei Rewe. Auch Artikel aus der Frische- und Selbstbedienungstheke will das Unternehmen nach und nach mit Siegeln kennzeichnen. Dazu würden verschiedene Varianten hinsichtlich ihrer Akzeptanz geprüft.

Netto stellt mindestens auf Stufe 2 um

Auch Aldi setzt bereits auf das Label der Initiative Tierwohl. Edeka will nachziehen: „Ab Anfang April 2019 werden die ersten verpackten Eigenmarken mit der Kennzeichnung ausgestattet“, kündigt Sprecherin Kerstin Hastedt an. Netto kennzeichnet Fleisch schon seit längerem und will nun den nächsten Schritt gehen: „Netto hat sich verpflichtet, ab Anfang 2019 rund die Hälfte und langfristig sogar sein gesamtes Frischfleischsortiment mindestens auf Stufe 2 umzustellen“, sagt Sprecherin Charlotte Libera. Ähnliches plant auch Lidl.

>>Die Herkunft von Fleisch lässt sich über die Zulassungsnummer auf der Verpackung (auch ohne Siegel) online auf der Seite des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit abfragen:

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