Literatur

Gelsenkirchener Krimi-Autor: Wo der Arzt zum Mörder wird

Auch in seinem neuen Krimi „Todesspiel im Hafen“ spinnt der Gelsenkirchener Autor Klaus-Peter Wolf aus psychischen Macken, frühkindlichen Verletzungen und moralischen Ansprüchen eine gruselige Gemengelage.

Auch in seinem neuen Krimi „Todesspiel im Hafen“ spinnt der Gelsenkirchener Autor Klaus-Peter Wolf aus psychischen Macken, frühkindlichen Verletzungen und moralischen Ansprüchen eine gruselige Gemengelage.

Foto: Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Gelsenkirchen.   Mit „Todesspiel im Hafen“ legt Klaus Peter Wolf jetzt den letzten Band seiner Sommerfeldt-Trilogie vor. Und das steht drin.

Er ist der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Bis der kluge und charmante Dr. Bernhard Sommerfeldt als Betrüger und Verbrecher auffliegt. Der falsche Mediziner macht sich als echter Mörder auf die Flucht von Ostfriesland durch die ganze Republik, bis in der Gelsenkirchener Buchhandlung Junius endgültig die Handschellen klicken. Mit der Festnahme des literarischen Serienkillers endete 2018 der zweite Sommerfeldt-Roman von Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf.

Mit „Todesspiel im Hafen“ legt der Gelsenkirchener und Wahl-Ostfriese nun den letzten Band seiner im Fischer Taschenbuchverlag erschienenen Trilogie rund um den doppelgesichtigen Dr. Sommerfeldt vor. Er kommt am Mittwoch, 26. Juni, in den Buchhandel.

Bizarre Verbrechen

Auch diesmal spinnt der 65-jährige Autor das perfide Psychogramm eines bizarren Verbrechers kunstvoll weiter. Und auch diesmal erzählt der Schriftsteller konsequent aus der Perspektive des Mörders. Der Leser sieht mehr denn je die Welt mit den Augen des Killers, guckt sehr intensiv in seinen Kopf hinein, erkennt Strategien, psychische Macken, frühkindliche Verletzungen und moralische Ansprüche - und entwickelt Verständnis, Empathie, Sympathie gar. Eine gruselige Gemengelage.

Faszination des Bösen

Ohne zu viel zu verraten, sei versprochen: Auch nach der Festnahme des falschen Doktors in Gelsenkirchen wird der Mann im dritten Thriller weiter eiskalt morden. Der bibliophile Killer plant wie ein Schachspieler Zug um Zug seine Flucht aus dem Knast. Denn draußen hat der Rächer geschlagener Frauen und gequälter Kinder noch ein paar Rechnungen offen. Seine Strategie zu verfolgen ist dabei der oft spannendere Teil als das eigentliche Mordgeschehen. Mit leiser Ironie und gut dosiertem Humor beschreibt Wolf die unglaubliche Faszination, die das Böse auf die Mitmenschen ausübt. Der Mörder selbst realisiert fassungslos staunend, dass Presse, Psychologen, fremde Frauen, selbst Gefängniswärter ihn wie einen Popstar behandeln.

Einige Figuren haben reale Vorbilder

Mit Zitaten aus der Literaturszene spielt Klaus-Peter Wolf in fast jedem seiner Romane, hier zitiert er gar seine eigenen Titel, spielt mit der Autorenschaft. Die Ebenen verschwimmen, ein Genuss für Kenner seiner Texte.

Die meisten Figuren entstammen der Fantasie, einige Protagonisten in Wolfs Romanen aber haben reale Vorbilder. Wem also zum Beispiel der Name des Rechtsanwalts, der den Mörder vertritt, bekannt vorkommt, liegt richtig: ein Hans-Werner Berendes praktiziert auch in Gelsenkirchen.

Figur noch nicht auserzählt

Wer nun traurig ist über das endgültige Ende der Dr. Sommerfeldt-Reihe, dem sei Trost gewiss: Es ist kein Abschied für immer. Denn der Autor selbst verspricht, dass der nette Horror-Arzt wieder auftauchen wird, und zwar gemeinsam mit Kult-Kommissarin Ann Kathrin Klaasen in den klassischen Ostfriesenkrimis. Wolf ist überzeugt: „Die Figur ist noch lange nicht auserzählt, hat noch einiges Potenzial.“ So wird es schon im Februar 2020, wenn der 14. Ostfriesenkrimi unter dem Titel „Ostfriesenhölle“ auf den Markt kommen wird, ein Wiedersehen mit Dr. Bernhard Sommerfeldt geben, dem Arzt, dem auch die Leser vertrauen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben