Gesundheit

Gelsenkirchener Kinder-Diabetologe ist Focus-Top-Mediziner

Aicha (11) weiß erst seit kurzem, dass sie unter Diabetes leidet, kommt aber schon gut damit zurecht. Dr. Matthias Papsch und Kinderkrankenschwester Michaela demonstrieren, wie die Werte zu messen sind und wieviel Insulin sie braucht.

Aicha (11) weiß erst seit kurzem, dass sie unter Diabetes leidet, kommt aber schon gut damit zurecht. Dr. Matthias Papsch und Kinderkrankenschwester Michaela demonstrieren, wie die Werte zu messen sind und wieviel Insulin sie braucht.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen.  Focus zählt Dr. Matthias Papsch zu den Top-Medizinern der Republik im Bereich Kinder-Diabetologie. Er arbeitet am Marienhospital Gelsenkirchen.

Ein Gelsenkirchener Kinderarzt steht auf der aktuellen Liste der Top-Mediziner der Republik des Magazins Focus: Es handelt sich um Dr. Matthias Papsch (59), Leitender Oberarzt in der Klinik für Neonatologie und Kinder- und Jugendmedizin am Marienhospital Gelsenkirchen. Seit 1981 bereits kümmert er sich hier um das Wohlergehen von Kindern, seit 1991 in Leitungsfunktion und als Spezialist für Kinder-Diabetologie. Um auf die Liste der Top-Mediziner zu kommen, müssen Kollegen und Patienten – etwa über Patientenverbände – positive Bewertungen zu dem betreffenden Mediziner abgeben. Sie werden dazu vom Auswahlgremium für die Liste befragt. Dr. Papsch wusste nicht, was ihn erwartet. Der Anruf von Focus und die Zusendung der Urkunde sowie des aktuellen Heftes überraschten ihn.

Die Bauchspeicheldrüse kann kein Insulin produzieren

„Natürlich freue ich mich über diese Anerkennung und Würdigung“, bekennt der Mann, der nicht so wirkt, als würde er sonst viel Aufhebens von seiner Person machen. „Wir sind schon sehr spezialisiert auf unserem Gebiet. Etwa 20.000 Kinder leiden in Deutschland unter Diabetes, in den allermeisten Fällen Typ I, also mit angeborener Veranlagung“, erklärt er. Diese Kinder können selbst kein Insulin produzieren, weil die Bauchspeicheldrüse dazu nicht in der Lage ist. Sie müssen ihr Leben lang den Insulinspiegel kontrollieren und entsprechend auffüllen. „Das ist sehr belastend für Kinder und Eltern. Bei sehr kleinen Kindern – unser jüngstes ist zehn Monate alt – sind natürlich die Eltern gefragt, aber mit zunehmendem Alter können Kinder sich auch selbst versorgen“, versichert Papsch.

Eltern werden in der Klinik mit geschult und begleitet

So wie Aicha (11), die erst seit Kurzem weiß, dass sie unter Diabetes leidet. Es wurde zufällig entdeckt, bei einem Blutbild, das im Rahmen einer Operation gemacht wurde. Seit knapp zwei Wochen ist sie nun zur ersten Einstellung der Versorgung und zum Training in der Kinderklinik. Die Eltern werden natürlich mitgeschult, aber Aicha weiß schon ganz genau, wieviel sie spritzen muss, wenn sie ein Eis mit zwei Kugeln essen will: „Zwei KE“ (Kohlehydrat-Einheiten, die Red.), kommt die Antwort prompt. Anstrengender als bisher wird ihr Leben wohl trotzdem werden. „Wir müssen auch in der Schule nachhören, um die Werte vom jeweiligen Mittagessen, das sie dort bekommt, zu erfragen“, mahnt die Mutter.

Bis zum Erwachsenenalter

Papsch begleitet die Kinder meist bis ins Erwachsenenalter. Auch nach der stationären Einstellung kommen sie regelmäßig in seine Ambulanz am Marienhospital zur Kontrolle und Untersuchungen, etwa alle sechs Wochen. In der Klinik stehen Eltern und Kindern auch Psychologen, Ernährungsberater und soziale Unterstützung zur Verfügung. „Wir begleiten die Familien wirklich, helfen in allen Bereichen.“ Auch das dürfte in die Bewertung als Top-Mediziner eingeflossen sein – er ist einer von 34 bundesweit übrigens.

Schwierig wird es oft in der Pubertät

„Schwierig wird es oft, wenn die Kinder in die Pubertät kommen. Dann ändern sich die Rhythmen, viele schlafen dann länger, halten sich nicht so an die Regeln“, weiß er aus Erfahrung. Seit er als Kinder-Diabetologe begann, sind zwar die Therapiehilfen wie Spritzen-„Pens“, Insulinpumpen und Sensoren unter der Haut, die das ständige Stechen für Messungen ersparen, deutlich patientenfreundlicher geworden. „Aber heilbar ist diese Diabetesform nicht. Und es ist auch nicht wirklich eine Lösung in Sicht“, bedauert er. Seinen jungen Patienten das Leben trotzdem so angenehm wie möglich zu machen: Das versteht er als ebenso wichtige wie schöne Aufgabe.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben