Kindertheater

Gelsenkirchener Jim Knopf lädt zum Mitdenken und -lachen

Lukas (2. von rechts) und die drei Jims mit der kleinen Lok Emma.

Lukas (2. von rechts) und die drei Jims mit der kleinen Lok Emma.

Foto: Marie Köhler / Consol Theater

Gelsenkirchen-Bismarck.  Das Consol Theater Gelsenkirchen hat eine moderne, herrlich groteske Version der Jim Knopf-Geschichte auf die Bühne gebracht. Ein Vergnügen.

Die Insel mit zwei Bergen, sie zaubert auch den allermeisten Erwachsenen noch ein liebevolles Lächeln ins Gesicht. Der Neuinszenierung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ nach der Geschichte von Michael Ende am Consol Theater in Zusammenarbeit mit dem Theater Kohlenpott aus Herne, die am Sonntag Premiere feierte, gelingt das besonders gut. Und zwar generationsübergreifend und mit ganz neuer, moderner musikalischer Begleitung. Gespannte Stille wechselt sich 60 Spielminuten lang mit fröhlichem Glucksen im Publikum ab, auf der Bühne indes wirbelt das großartige vierköpfige Ensemble nach Kräften, im Sekundentakt die Rollen wechselnd.

Hinreißend grotesk, aber anders als in der Puppenkiste

Die Lokomotive Emma ist eine ferngesteuerte Modell-Lok, Jim Knopf wird zwischenzeitlich von drei Mitspielern verkörpert und auch der Scheinriese Turtur braucht drei Darsteller und einen langen Schal, um zu wachsen und schrumpfen. Frau „Waas?“ wird durch schlichtes Backenaufblasen zum Fisch, und wenn die Uhr viertel vor Zwölf schlägt – was sie häufiger tut – winken alle dem imaginären König Alfons dem Viertelvorzwölften zu – um anschließend umgehend zur aktuellen Erzählung zurückzukehren. Klingt grotesk? Ist es auch, aber es ist wunderbar grotesk. Anders, als in der Puppenkistenversion, aber wahrlich nicht weniger hinreißend.Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Gelsenkirchen

Aktuelle Bezüge

Die Geschichte folgt weitestgehend der Originalhandlung. Allerdings fühlen sich hier mindestens die erwachsenen Zuschauer an wenig erbauliche Alltagserfahrungen erinnert, wenn der Wächter von König Alfons den Fremdlingen ohne Ausweis erklärt, dass sie ohne Papiere gar nicht existieren. Auch wenn sie ganz real neben ihm stehen. Überhaupt, dieser König, der von Platzmangel spricht, weil mit Jim Knopf ein Bürger dazu gekommen ist, weshalb die Lok von Lukas weg soll, um Platz zu schaffen. Die Insel sei voll. Dabei geht es ihm nur darum, ein zweites Schloss zu bauen.

Starke Körpersprache punktgenau eingesetzt

Eine große Stärke der Inszenierung ist die wunderbare Wandlungsfähigkeit und starke Körpersprache der Darsteller, Xolani Mdluli (ein ausgebildeter Tänzer), Thomas Kaschel, Miriam Berger und Peter S. Herff. Regisseurin Andrea Kramer gelingt es, diese punktgenau einzusetzen. Die Ausstattung von Stefanie Stuhldreier ist ebenso pragmatisch wie liebevoll im Detail. Vier schwingende Lampen symbolisieren die furchterregende Reise durch die finstere Felsenlandschaft, der Halbdrache Nepomuk wirft kleine Zündplättchen, um Furcht zu erregen (erfolglos, versteht sich), die Wüste ist ein riesiges, bühnenfüllendes Tuch, über das sich eine Mini-Emma vorkämpft. Der Jazz-Musiker Radek Fedyk hat seine Komposition für die musikalische Begleitung ganz auf das Tempo der Inszenierung zugeschnitten, mal treibend, mal leise und atmosphärisch dicht.

Allein das Ende des Stücks kommt ein wenig unvermittelt daher. Sobald die böse Frau Malzahn bezwungen ist, läutet eine fröhliche Kissenschlacht das Ende ein. Das junge Publikum stört das jedoch nicht im Geringsten. Langer Applaus.

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