Bundestagswahl

Gelsenkirchener Grüne freuen sich – und sind enttäuscht

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Freuten sich über die Verdoppelung des bündnisgrünen Bundestags-Wahlergebnisses in Gelsenkirchen: Bundestags-Kandidatin Irene Mihalic, Kreisvorsitzender Jan Dworatzek und Co-Kreisvorsitzende Tanja Hanka (v.l.).

Freuten sich über die Verdoppelung des bündnisgrünen Bundestags-Wahlergebnisses in Gelsenkirchen: Bundestags-Kandidatin Irene Mihalic, Kreisvorsitzender Jan Dworatzek und Co-Kreisvorsitzende Tanja Hanka (v.l.).

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Warum die bündnisgrüne Gelsenkirchener Bundestagskandidatin Irene Mihalic am Wahlabend jubelt. Und wieso sie sich ärgert.

Enttäuschung über das Ergebnis im Bund, große Freude angesichts der Stimmengewinne in Gelsenkirchen: Ein Wechselbad der Gefühle erlebten die Bündnisgrünen bei ihrer Wahlparty im Museumscafé in Buer, als die ersten Auszählungsresultate zur Bundestagswahl über TV-Leinwand und Smartphones flimmerten. „Wir haben die stärksten Zuwächse aller Parteien in Gelsenkirchen“, jubelte Bundestagsabgeordnete und -kandidatin Irene Mihalic unter dem begeisterten Applaus von rund 30 Mitgliedern und Besuchern.

Das Zweitstimmen-Ergebnis der Bundestagswahl von 2017 (4,6 Prozent) mehr als verdoppelt zu haben, sei „sensationell“ und dem engagierten Wahlkampfteam vor Ort zu verdanken. „In der Vergangenheit haben wir die Zahlen im Bund hier in Gelsenkirchen immer halbiert. Nun ist es uns gelungen, näher an das Bundesergebnis heranzurücken“, freute sie sich.

Grüne müssen sich in Gelsenkirchen mit Platz 4 hinter der AfD bescheiden

Im Bund, räumte sie offen ein, habe sich die Partei „deutlich mehr“ erhofft. „Wir haben mit Annalena Baerbock um Platz 1 gekämpft, sind aber nur auf dem Treppchen gelandet.“ Dies sei aber „kein Grund, in Sack und Asche zu gehen, schließlich haben wir es geschafft, dass auch die anderen Parteien den Klimaschutz zu einem wichtigen Wahlkampfthema gemacht haben. Das ist ein grüner Erfolg, auf dem wir aufbauen können!“

Was sie darüber hinaus mit Befriedigung registrierte: „Wir haben die AfD im Bund auf Abstand halten können.“ In Gelsenkirchen freilich gelang dies nicht: Die Grünen müssen sich mit Platz 4 hinter der AfD bescheiden. Womit die Grünen bei den Gelsenkirchenern im Wahlkampf derartig punkten konnten? „Klima und Rente waren in den vielen Gesprächen die am häufigsten angesprochenen Themen“, berichtete Mihalic.

Mihalic: Drohende Klimakatastrophe trieb viele Wähler um

Nicht nur junge Leute aus der Fridays-for-Future-Generation fürchteten die Klimakatastrophe. „Auch und besonders viele Senioren sorgen sich, welche Welt sie ihren Enkeln hinterlassen.“ Viele Ältere hätten mit ihrer Stimme diese grüne „Kernkompetenz“ gewürdigt und honoriert.

Probleme mit Zuwanderern aus Südosteuropa seien ebenfalls angesprochen worden, hätten aber nicht so eine Rolle gespielt wie das Klima, erklärten Mihalic und Rats-Fraktionsvorsitzender Peter Tertocha unisono. Dass dieses Thema der AfD „in die Karten gespielt hat“, sei klar. „Aber auch viele Bürger aus Stadtteilen und Quartieren, die besonders von dem Zuzug aus EU-Ost betroffen sind, haben sich sehr wohl als zugänglich für unsere Argumente gezeigt und eben keine platten Parolen von sich gegeben.“ Es sei allen klar, dass Gelsenkirchen mehr Geld für die Integration vom Bund bekommen müsse.

Bundestags-Kandidatin: Besuch von Baerbock in Gelsenkirchen wurde goutiert

Auch dass die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im Wahlkampf nach Gelsenkirchen kam, „und damit dorthin, wo es weh tut, ist von den Bürgern goutiert worden“, meinte sie – und blickte wieder aufs Handy, um die Auszählung der Stimmen in ihrer Heimatstadt weiterzuverfolgen. Dass AfD-Kandidat Jörg Schneider die Nase um eine Prozentpunkte vorn hat, wurmte sie sichtlich.

Welche Koalitionspartner sie selbst favorisiert, dazu wollte sie explizit nichts sagen. „Wir reden mit jedem, der uns zu Gesprächen einlädt, außer mit der AfD.“ Ein Bündnis mit der FDP, das ließ sie durchblicken, wäre keine Liebesheirat. Und Rot-Rot-Grün? „Im Moment fehlt mir die Vorstellungskraft, dass die Linke sich so sortiert und untereinander einigt, dass sie verhandlungsfähig ist...“

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