Am Ende der Woche

Gelsenkirchener Gedankenspiele: Wer kann mit wem im Rat?

Kommentarbild Jörn Stender Gelsenkirchen  

Kommentarbild Jörn Stender Gelsenkirchen  

Sicher ist: Größer und teurer wird der neue Rat. Wie wertvoll ist uns die Arbeit? Und wer findet dort zusammen? Ein Kommentar von Jörn Stender.

Wer kann mit wem? Das ist neben der OB-Personalie die Frage dieser Tage. Der Wähler hat entschieden und Gelsenkirchen einen kunterbunten Rat mit neuen Gesichtern, mehr Parteien (Die Partei, Tierschutz) und einer auf 35,1 Prozent Stimmenanteil gestutzten SPD beschert. Die ist mit 31 Mandaten zwar immer noch mit Abstand stärkste Kraft, aber eben nicht mehr das 50-Prozent-Plus-Schwergewicht. Koalitionen müssen geschmiedet oder, noch viel unsicherer, wechselnde Mehrheiten organisiert werden. Vor der OB-Stichwahl wird sich da wenig bewegen außer bei Gedankenspielen. Rot-rot-grün oder eine Ampel wären denkbar. Sehr unwahrscheinlich hingegen eine Groko. Fest steht: Die Optionen der SPD sind immer noch deutlich größer als die der CDU. Für eine irgendwie geartete Mehrheit bräuchte sie so gut wie alle anderen Parteien oder die AfD plus weitere Partner – undenkbar.

Auch Rote und Grüne hatten oft hohe Reibungshitze

Gespräche stehen also an. Die SPD, deren Auftritte bislang häufiger von der Arroganz der Macht begleitet wurden, muss sich beim Geben und Nehmen in eine neue Rolle einfinden. Manch einer wird noch eine Rechnung offen haben. Die Linke wurde nicht nur von der CDU geschmäht. Auch die SPD, stellt ihr Stadtverordneter Martin Gatzemeier fest, „hat uns nicht viel besser behandelt“. Auch Rote und Grüne hatten oft hohe Reibungshitze. Die FDP ist weitgehend unbelastet – sie fand bekanntlich im Rat nicht statt.

88 Sitze hat das neue Stadtparlament. Pointiertes, lösungsorientiertes Arbeiten dürfte noch schwieriger als bislang werden. Teurer ist dieser große Rat zudem. Wer jetzt anfängt zu rechnen, was sich Stadtverordnete auf die Tasche tun: Für die Summen, oft genug auch Schmerzensgeld, würden viele sicher nicht so viel Zeit, Nerven, Engagement, Ideen und Sitzfleisch investieren. Sicher trifft das nicht auf alle Gewählten zu, aber auf viele. Ist wie bei Schalke. Da gibt es ja (theoretisch) auch Spielgestalter und Mitläufer. Kleiner Vergleich: Nabil Bentaleb, den der Club kürzlich noch gerne quitt geworden wäre, steht mit fünf Millionen Euro auf der Gehaltsliste.

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