Jagd & Hund

Gelsenkirchener Ausbilder weiß: Jagen ohne Hund ist Schund

Jagdhundtraining in Gelsenkirchen-Buer: Trainer Stefan Lacher mit Dackel Anton in Aktion.

Jagdhundtraining in Gelsenkirchen-Buer: Trainer Stefan Lacher mit Dackel Anton in Aktion.

Foto: Matthias Heselmann

Buer.  Stefan Lacher bildet in Gelsenkirchen Hunde für die örtliche Kreisjägerschaft aus. Doch nicht jeder der Vierbeiner kann ein Jagdhund werden.

Anton jagt eifrig durch die hohe Wiese. Der kleine Dackel versinkt darin nahezu. Hundetrainer Stefan Lacher schwenkt einen Besenstiel wie eine Angel. An deren Ende hängt eine Schnur und daran ein Stück getrocknetes Kaninchenfell. Darauf hat es Anton abgesehen. Mit seinen elf Wochen ist der Duft von Wild für den kleinen Hund bereits das Größte. Dackel seien eben Jagdhunde durch und durch, erklärt der Experte.

Seit vielen Jahren bildet Stefan Lacher, der selbst auch Jäger ist, Hunde für die örtliche Kreisjägerschaft aus. Weil man die vierbeinige Unterstützung einfach brauche. „Jagen ohne Hund ist Schund“, zitiert er Jägerlatein. Denn hier geht es um Teamwork. Dabei gibt es verschiedene Einsatzgebiete, die von unterschiedlichen Rassen abgedeckt werden. So wird der kleine Anton einmal bei der Fuchsjagd helfen, beherzt tief in die Baue kriechen und dabei sein ganzes Können einsetzen.

Ein Tier muss die Talente mitbringen, um Jagdhund werden zu können

Es könne, erklärt Lacher, nicht jeder Hund ein Jagdhund werden. „Da gibt es gesetzliche Einschränkungen.“ Das deutsche Recht nämlich schreibe einen „brauchbaren Jagdhund“ vor. Das bedeutet, das Tier muss erforderliche Anlagen, quasi Talente, mitbringen und zudem umfassend ausgebildet sein. Es soll seine Aufgabe kennen und aufs Wort gehorchen.

Vor dem Schuss muss der Hund Wild aufspüren und es, das ist noch wichtiger, nach dem Schuss suchen und mitunter auch bergen. Das trifft zum Beispiel bei Enten und Gänsen zu, die zumeist ins Wasser fallen. Ein immer häufiger werdendes Einsatzgebiet ist ein zunächst unerwartetes: Jäger werden nach Wildunfällen kontaktiert, um verletztes jedoch nicht getötetes Wild aufzufinden und, falls notwendig, zu erlösen. Ohne die Spürnase eines Hundes ist diese Aufgabe kaum zu bewältigen.

Unkontrolliert freilaufende Hunde im Wald beunruhigen die wildlebende Tierwelt

Über die Köpfe der Jäger hinweg drehen Wildgänse eine Runde. Bald, spürt man, werden sie aufbrechen ins Winterquartier. Alle wenden das Gesicht nach oben, werfen einen kurzen Blick auf die Gänseschar am Himmel. So auch ein Drahthaar-Rüde. Die braune Schnauze mit dem charmanten Bart reckt er in die Luft, nervös tritt er mit den Pfoten auf. „Der weiß, was anstehen könnte“, sagt Lacher und erklärt, selbst wenn der Hund nicht ausgebildet wäre, einen Jagdtrieb hätte er.

Und genau hier läge ein Problem: Zu oft nämlich hielten Menschen Jagdhunde, die deren Anlagen nicht gerecht würden. Ließen sie ihren Hund im Wald von der Leine, sei der oftmals im Unterholz verschwunden. „Das ist mit dem Tierschutz nicht vereinbar und mit jagdrechtlichen Vorschriften auch nicht. Denn jeder unkontrolliert freilaufende Hund beunruhigt die wildlebende Tierwelt.“ Jagdhunde von Nichtjägern auszubilden, lehnt er daher auch ab. Weil auch das in Sachen Tierschutz ein Problem sei.

Kommandos erfolgen meist nur durch eine Handbewegung oder ein Zischen

Ein Beispiel führt er sogleich an: In einer Übung lässt er einen Drahthaar-Rüden, der in den nächsten Tagen eine Prüfung absolviert, ein Stück Wild suchen. Ein echtes. Es ist eine tote Krähe. „Wir versuchen viel mit Attrappen. Manchmal aber geht das nicht.“ Kämen diese erlegten Tiere nun zum Einsatz, um mit Hunden von Nichtjägern zu üben, sei das mit der Ethik eines verantwortungsvollen Jägers nicht zu vereinen.

Jetzt folgt noch eine kleine Vorführung in Sachen Gehorsam. Alle Hunde werden von der Leine gelassen und sollen sich neben ihre Besitzer legen. Derweil wedelt Stefan Lacher mit der toten Krähe. An Drahthaar Athos sieht man, er ist in allerhöchster Anspannung, fixiert den Vogel und reagiert doch auf den kleinsten Fingerzeig. Ganz ruhig erfolgen die Kommandos, meist nur durch eine Handbewegung, ein Zischen, ein einzelnes Wort. Dann wird eine kleine Pause eingelegt. So ein Hund ist ja schließlich ein soziales Wesen, will auch mal unbeschwert mit den anderen toben. Das soll er auch, sagt der Hundetrainer. „Was Hunde untereinander lernen, das können wir ihnen ohnehin niemals bieten.“

Daten und Fakten

So wie die örtliche Kreisjägerschaft angehende Jäger ausbildet, so bildet sie auch Hunde aus. An den durchgehenden Kursen für die Vierbeiner dürfen jedoch nur Vereinsmitglieder teilnehmen. Dabei ist es mit der Grundausbildung der jungen Hunde nicht getan. Immer wieder gebe es, so Lacher, auch Kursangebote für ältere Hunde, um deren Können zu perfektionieren.

Weitere Informationen bietet die Seite www.kjs-gelsenkirchen.de.

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