Kinderunfälle

Gelsenkirchener Aktion: Seit 1999 Kindersicherheit im Blick

Mit Aktionstagen macht die Ordnungspartnerschaft "Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr" regelmäßig auf die Situation von Kindern im Straßenverkehr aufmerksam.

Mit Aktionstagen macht die Ordnungspartnerschaft "Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr" regelmäßig auf die Situation von Kindern im Straßenverkehr aufmerksam.

Foto: Martin Möller

Gelsenkirchen.  Die Ordnungspartnerschaft „Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr“ wurde vor 20 Jahren gegründet. Die Zahl der Kinderunfälle hat sich halbiert.

188 Kinderunfälle pro Jahr im Straßenverkehr – mit dieser traurigen Bilanz belegte Gelsenkirchen 1999 den negativen Spitzenplatz in NRW. „Diese Zahl hat uns seinerzeit sehr nachdenklich gemacht – und uns dazu bewogen, die ‘Ordnungspartnerschaft Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr’ zu gründen“, erzählt Reinhard Michels, der heute Geschäftsführer der Ordnungspartnerschaft ist.

Unfallstatistik stark verändert

Die Initiative blickt am 20. April auf 20 erfolgreiche Jahre zurück: „In den letzten zehn Jahren sind die Unfälle, an denen Kinder beteiligt sind, auf durchschnittlich 98 pro Jahr zurück gegangen“, betont Michels. „Das sind immer noch zu viele, denn jedes verunglückte Kind ist eins zu viel, aber unsere Arbeit ist ja auch noch nicht beendet“, sagt der 72-Jährige, der als Verkehrssicherheitsberater der Gelsenkirchener Polizei lange die aktuelle Unfallstatistik auf dem Tisch hatte und nun seit 13 Jahren im Ruhestand ist und sich ganz der Ordnungspartnerschaft widmet.

Immerhin: Die Gesamtzahl der Kinderunfälle im Straßenverkehr hat sich fast halbiert, seit der Zusammenschluss von Stadtverwaltung, Polizei, Verkehrswacht und Bogestra die Sicherheit der Kinder ins Visier nahm und am 20. April 1999 die Ordnungspartnerschaft gründete. „Nach und nach haben sich immer mehr Kooperationspartner, wie die Vestische, der VRR, der Radmarkt Meinhövel, die Großbäckerei Gatenbröcker und das Rechtsanwaltbüro Kempgens angeschlossen“, erzählt Michels. Inzwischen sind auch der ADAC und „Schalke hilft!“ mit an Bord.

Verkehrserziehung – auch für Autofahrer

„Bei der Gründung saßen rund 40 Leute mit am Tisch“, erinnert sich auch Gründungsmitglied Helmut Barek. „Unser Hauptanliegen war seinerzeit, und ist es auch noch heute, die Sichtbarkeit der Kinder im Straßenverkehr zu erhöhen“, betont Barek. Verkehrserziehung war auch für die Erwachsenen gedacht. In einem ersten Schritt wurde Ende der 1990er daher seitens der Stadtverwaltung vor allen Kitas und Schulen in der Stadt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Km/h eingeführt und von der Polizei konsequent überwacht.

Die Polizei weitete zudem ihr Engagement an Schulen und Kindergärten aus, lud vermehrt zur Verkehrspuppenbühne ein. „Ein Designer der Bogestra hat zudem die Identifikationsfiguren Tim und Lisa für uns geschaffen, die für einen hohen Wiedererkennungseffekt unserer Initiative gesorgt haben“, erklärt Helmut Barek.

Mit Musik und Malbüchern zum Erfolg

Dank Malbüchern, Aufklebern und dem CD-Hit „Tim und Lisa, Ampel Rot – Ampel Grün“ kennt heute fast jeder, der 25 Jahre alt oder jünger ist, die Aktion. 2004 wurde die Ordnungspartnerschaft vom Land NRW mit dem Landespreis für innere Sicherheit ausgezeichnet. „Das war natürlich eine große Ehre und ein Ansporn für uns“, berichtet Reinhard Michels.

Um die Unfallzahlen weiter zu senken, stattet die Ordnungspartnerschaft seit rund sieben Jahren Kita-Kinder und Schulanfänger mit gut sichtbaren Warnwesten, Überwurfdreiecken oder Tornisterüberzügen aus, die der ADAC und „Schalke hilft!“ (letztere sogar in hellblau mit Schalke-Logo) bereitstellen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass Autofahrer automatisch defensiver fahren, wenn sie Kinder mit den reflektierenden Westen sehen“, betont Reinhard Michels.

Runder Geburtstag soll kräftig gefeiert werden.

Leider verpuffe der Aha-Effekt bei den Kindern aber zu schnell – wenige Wochen nach der Warnwesten-Ausgabe seien nur noch vereinzelt Kinder damit unterwegs. „Wir sind ein bisschen enttäuscht, dass die Eltern so wenig dahinter stehen, schließlich geht es um die Sicherheit ihrer Kinder“, merkt Helmut Barek an. Locker lassen wollen die beiden Verkehrsexperten in Zukunft trotzdem nicht. „Die Erfolgsgeschichte der letzten 20 Jahre muss fortgeschrieben werden. Das sind wir, aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, den Kindern dieser Stadt schuldig“, sagt Reinhard Michels mit Nachdruck.

>>Info: Der 20. Geburtstag der Ordnungspartnerschaft „Sicherheit für Kinder im Straßenverkehr“ soll am Mittwoch, 22. Mai, ab 10.30 Uhr mit einem bunten Bühnenprogramm auf dem Bahnhofsvorplatz gefeiert werden. Alle Kinder der Kitas und Grundschulen der Umgebung sind dazu eingeladen. Sie sollen, falls möglich, in Sicherheitskleidung kommen.

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