Corona

Gelsenkirchen: Zirkus wird Station für Biker-Gottesdienst

Das Kreuz aus einer Motorrad-Kette, der Altar im Zirkuszelt, Atmosphärisches vom Motorradgottesdienst im Revierpark in Gelsenkirchen.

Das Kreuz aus einer Motorrad-Kette, der Altar im Zirkuszelt, Atmosphärisches vom Motorradgottesdienst im Revierpark in Gelsenkirchen.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Feldmark/Essen.  In Pandemie-Zeiten ist das Motto des Motorrad-Gottesdienstes „Trotzdem“. Zirkus Probst am Revierpark bietet den Boxenstopp vor dem Saisonende.

„Trotzdem“ lautete die kurze Formel, die über dem Motorrad-Gottesdienst im Revierpark Nienhausen stand. Trotz der Corona-Einschränkungen, trotz der Absage der dritten Auflage in der Friedenskirche in Essen-Dellwig. Denn dort wären wohl zu viele Biker gekommen, um ein Abstandskonzept aufzustellen. Aus der Not wurde eine Tugend, im Zirkuszelt der Familie Probst, die im Gelsenkirchener Süden ein Notprogramm bietet, waren die Zweirad-Fans willkommen. Immerhin 400 Plätze, gut belüftet und mit reichlich Parkplätzen, stehen hier zur Verfügung.

Zelt-Herrin Brigitte Probst freute sich, dass der „Kultursommer im Revier“ auf diese Art zu Pfingsten schon mit einem Gottesdienst begonnen hatte und nun mit einem weiteren seinen Abschluss fand. „Immerhin ist die Zirkuszelt auf eine Art ja auch wie die Kuppel einer Kirche“, meinte sie im Gottesdienst. Und als Mutter eines Harley Davidson-Fahrers („den Führerschein hat er gegen meinen Willen gemacht“) lag der Wunsch auch deutlich am Herzen: „Allzeit gute Fahrt, kommt heil wieder zu Hause an.“

Blues-Rock statt Orgelklang

Gitarrenriffs der Band „Jordan Wells“ hatten die Motorrad-Gemeinde anstelle von Orgelklängen empfangen, und die Musiker stemmten auch die weitere Begleitung mit einer Blues-Rock-Mischung zum Mitwippen, denn gesungen wurde auch in diesem Gottesdienst von den Bänken aus nicht.

Dabei hat „Jordan Wells“ wie wohl die gesamte Künstlerszene unter den Beschränkungen durch die Pandemie zu leiden und kaum Auftritte seit dem Lockdown gehabt. Ihr aufrichtiger Dank galt dann auch der Familie Probst, die neben den eigenen Programmpunkten im Zirkuszelt den Kultursommer für Freischaffende geöffnet und umgewidmet hat.

Leere Straßen in einer bleiernen Zeit

„Wir erleben eine ungewöhnliche Zeit“, hatte Pfarrer Rolf Zwick vom Weigle-Haus in Essen, selber Zweizylinder-Fahrer, eingeleitet. Allerdings mussten die Motorradfahrer seit März auch erleben, dass die Pandemie vielfach für fast leere Straßen sorgt. „Aber wenn wir für einen Kaffee halt machen, merken wir immer wieder, dass es vor allem eine bleierne Zeit ist“, erinnerte er, „gerade jetzt, wenn die Infektionszahlen wieder steigen, und gerade hier in Gelsenkirchen.“ Um den Bogen zum Motto „Trotzdem“ zu schlagen und sich zu freuen, heute und hier feiern zu können.

Auf den Aspekt des Motorradfahrens griff er auch bei seinen Gedanken zur Bergpredigt und der Frage nach dem „Glücklich sein“. Denn der größte Teil des Lebens finde eben nicht im Sattel, nicht auf der Fahrt statt, und um so dankbarer dürfe jeder sein, der auch dann Glück finde, wenn er eben nicht gerade fahren könne. Auf die Fürbitten für alle, die im Verkehr ihr Leben lassen mussten, folgte der Wunsch: „Und immer eine Handbreit Gummi unter der Felge.“

Mit einem kurzen Segen und eskortiert von Polizei und einer Gruppe der MTAS, Motorrad Touren Assistenz Staffel, starteten die Biker zu einem Korso durch Gelsenkirchen, auch der unter strengen Auflagen. Aber trotzdem mit Genuss.

Fotos vom Motorrad-Gottesdienst auf www.waz.de

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