Johann König

Gelsenkirchen verneigt sich vor dem klugen Kalauer-König

Die „Vorzüge“ eines extrem hohen Einstiegs bei den ach so beliebten SUV-Fahrzeugen demonstrierte Komiker Johann König bei seinem umjubelten Auftritt am Sonntagabend im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen.

Die „Vorzüge“ eines extrem hohen Einstiegs bei den ach so beliebten SUV-Fahrzeugen demonstrierte Komiker Johann König bei seinem umjubelten Auftritt am Sonntagabend im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Johann König bat sein Fußvolk zur Audienz nach Gelsenkirchen. Und das Publikum verneigte sich vor Seiner Majestät, dem klugen Kalauer-König.

Damit eine Pointe richtig zündet, muss auch ihr Timing stimmen. Johann König ist ein wahrer Meister darin, an der richtigen Stelle im Gag eine kleine Kunstpause einzulegen. Bei seinem Auftritt am Sonntagabend im ausverkauften Musiktheater ließ es der Komiker richtig krachen – mit der vertrauten Mischung aus gereimten Banalitäten, Dönekes aus seinem Alltag als geplagter Familienvater und ebenso feinfühlig beobachteter wie brachial servierter Gesellschaftskritik. Sein von Dauerlachen durchgeschütteltes Fußvolk verneigte sich nach über zwei Stunden entkräftet, aber trunken vor Glück vor Seiner Majestät – dem klugen Kalauer-König.

Johann König lockt über 950 Besucher ins ausverkaufte Musiktheater

Er trägt Jeans, ein moosgrünes Hemd und gleichfarbige Schuhe, als der Gastgeber auf die Minute pünktlich um 19 Uhr das mit über 950 Besuchern randvoll gefüllte Musiktheater betritt. Schon beim Begrüßungsapplaus geht er kurz in eine ironisierte Siegerpose, fährt dann aber genauso schnell auf seine übliche Bühnen-Betriebstemperatur herunter. Und die ist im Normalfall die eines am Rande der Weide grasenden Kaltblüters. Der König nörgelt, nuschelt und nölt gern in gemächlichstem Tempo vor sich her. Mittels Mimik und seinem schelmischen Grinsen braucht er manche Sätze gar nicht zu Ende zu führen – und doch sitzt der nächste Volltreffer im Komikzentrum seiner Zuhörer.

Der Plauderton wird regelmäßig unterbrochen von Schreiattacken, Beschimpfungen und Ermahnungen, die er in Richtung Publikum absondert – dass dadurch nur noch ausgelassener losprustet. Und funktioniert ein Gag mal nicht wie gewünscht, trägt er die verhaltende Reaktion sofort leicht pikiert in sein Notizheft ein – ähnlich wie ein strenger Lehrer, der den Tadel für einen Störenfried im Klassenbuch verewigt. Die Zahl der Rüffel hält sich für das prima mitgehende Publikum aber im überschaubaren Rahmen.

König nimmt auch das Coronavirus aufs Korn

Natürlich nimmt Johann König auch das Coronavirus aufs Korn: „Habt ihr auch genug von allem?“, fragt er scheinbar besorgt in die Runde. „Habt ihr genug Desinfektionsmittel? Genug Mundschutz? Und auch genug Angst?!?“ Er habe diesen Auftritt ja als Ansteckungsparty konzipiert, erzählt er nebenher, und deshalb zehn Infizierte gezielt in den Zuschauerreihen platziert. Der Galgenhumor des König Gnadenlos. Zu den Hamsterkäufen stellt König nur lapidar fest: „So ist der Deutsche – Hauptsache, genug Nudeln im Schrank.“ Der Applaus dazu? Heftig und zustimmend!

Doch bevor es zu ernst wird, zieht König lieber ein Knallbonbon aus der Hosentasche – und lässt einen kleinen Konfettiregen herniedergehen. Dieses Prinzip der ständigen Abwechslung zwischen Ulk, Nonsens und knallharter Kritik mit schnoddriger Kodderschnauze zieht er den ganzen Abend konsequent durch.

Beispiele gefällig? „Ich fliege jetzt viel bewusster als früher“, sagt König beim Thema Umweltschutz. „Vor allem auf dem Flug von Köln nach Düsseldorf.“ Mit Blick auf die Folgen des Klimawandels stellt er fest: „Wenn der Meeresspiegel steigt und die Niederlande unter Wasser stehen, haben wir alle am Ende mehr Platz zum Segeln – aber auch viele schlecht integrierte Holländer, die hier herumlungern.“ Ja, Seine Majestät darf sich wirklich jede Frech- und Gemeinheit herausnehmen. Doch am Ende huldigte das Gelsenkirchener Publikum einträchtig: Lang lebe der König!

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