Prozess

Gelsenkirchen: Vater und Sohn wegen Betrugs verurteilt

Mit dem Schuldspruch vor Gericht ist das Thema für Vater und Sohn noch nicht beendet.

Mit dem Schuldspruch vor Gericht ist das Thema für Vater und Sohn noch nicht beendet.

Foto: David Ebener / dpa

Gelsenkirchen.  Als Firma bestellten sie Möbelkollektionen in Italien. Kunden zahlten an, erhielten aber keine Ware. Bewährungsstrafen für Ali und Achmed T.

Gemeinsam hatten Vater Ali T. und Sohn Achmed exklusive Möbelkollektionen und Schlafzimmergarnituren in Italien eingekauft. Doch das Geschäft lief schleppend. Einigen der Firmen des Vaters ging die Luft aus. Die Folge: Immer häufiger warteten Kunden, die ihre Ware bereits bezahlt hatten, auf die Lieferung.

Über 51.000 Euro hatte das Vater-Sohn-Unternehmen kassiert, ohne zu liefern. Wegen erwerbsmäßigen Betrugs mussten sich die Geschäftspartner vor dem Schöffengericht verantworten.

Der Staatsanwalt listet 37 Taten zwischen 2015 und 2017 auf, bei denen die gutgläubigen Kunden Möbel über Ebay oder übers Internet bestellt und angezahlt hatten. Die Ermittlungsarbeit der Anklagebehörde hatte sich bereits über Jahre hingezogen. Die Aufarbeitung der einzelnen Fälle hätte das Gericht über weitere Monate beschäftigt.

Geprellte Kunden saßen überall in Deutschland. So schlug die Vorsitzende ein Verfahren vor, das dem Gericht die mühsame Recherche mit zahlreichen Zeugenvernehmungen erleichtern und den Angeklagten eine geringere Bestrafung einbringen könnte. Ob sie denn die Straftaten einräumten?, fragte sie die Angeklagten. Vater und Sohn waren sich einig, bestätigten die Vorwürfe, bekannten sich schuldig. So musste nur noch das Prozedere rekonstruiert werden, wie die Anzahl der geschädigten Kunden immer weiter zunehmen konnte.

Es entstand eine Art Schneeballsystem

Der 41-jährige Ali T. versichert, zunächst nur mit bedingtem Vorsatz gehandelt und die Möbel in Italien gegen Vorkasse bestellt zu haben. „Wir wollten die Geschäfte abwickeln, weiterverkaufen.“ Doch die schlechte Entwicklung der Firma habe nur einzelne Lieferungen an Kunden zugelassen. Es entstand eine Art Schneeballsystem, bei dem mehr und mehr Waren aus Italien mit den zahlreich erfolgten Anzahlungen der Kunden bezahlt wurden.

Schließlich wuchs die Summe der Kundenüberweisungen für noch nicht gelieferte Ware auf 51.000 Euro. Geld, mit dem die Angeklagten ihren Lebensunterhalt finanzierten, wie es der Staatsanwalt formulierte. Mit der Versteigerung eines firmeneigenen Lkw und eines Pkw konnte die Schadenssumme um etwa 12.400 Euro reduziert werden. Zahlungen im Jahr 2016 als Folge von Strafbefehlen wegen Insolvenzverschleppung und Steuerhinterziehung hatten Vater und Sohn bereits geleistet.

Gericht setzt Strafen gegen Vater und Sohn zur Bewährung aus

Beide arbeiten heute in einer Gärtnerei. Jeweils 900 Euro erhalten sie monatlich. Das Gericht verurteilte Ali T. zu einem Jahr und zehn Monaten und Achmed zu einem Jahr und acht Monaten Freiheitsentzug. Beide Strafen wurden zur Bewährung über einen Zeitraum von drei Jahren ausgesetzt. Das Gericht forderte die Verurteilten auf, sich weiter um die Regulierung der Schäden zu bemühen.

Mit dem Schuldspruch vor Gericht ist das Thema für Vater und Sohn somit nicht beendet. Sie müssen nicht nur drei Jahre lang straffrei leben, sondern versuchen, die lange Liste der Gläubiger abzuarbeiten. Denn die finanzielle Schuld gegenüber den betrogenen Kunden bleibt bestehen.

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