Deutschland-Studie

Gelsenkirchen und die Studie: Neue Kritik an den Kriterien

Martin Rinke in seinem Schalker Sportpark an der Kurt-Schumacher-Straße.

Martin Rinke in seinem Schalker Sportpark an der Kurt-Schumacher-Straße.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Welche Sportmöglichkeiten haben Senioren in Gelsenkirchen? Martin Rinke vom Schalker Sportpark kritisiert, dass Golfplätze ein Indiz dafür sind.

Die neueste Studie von ZDF und Prognos beschäftigt die Menschen in Gelsenkirchen. Wieder fragen sich viele: Ist es hier wirklich so schlimm? „Nein!“, sagt einer ganz deutlich: Martin Rinke, Betreiber des Schalker Sportparks. Er ist verärgert und kritisiert die Kriterien, die dem Ranking zugrunde liegen.

„Die Lebensrealität der Menschen im Jahr 2019 ist eine andere, als es diese Studie vorgibt“, sagt Rinke. Um das Sportangebot für Senioren in Deutschland zu bewerten, haben sich die Macher die Zahlen der Golfplätze, der Schwimmbäder und der Trimm-dich-Pfade besorgt und in Relation zur jeweiligen Bevölkerung gesetzt. Von allen 401 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland landet Gelsenkirchen dabei nur auf Rang 374. „Trimm-dich-Pfade“, stöhnt Rinke, „sind so was von 70er!“ Heute gingen zwölf Prozent der Bevölkerung in ein Fitnessstudio. Er muss es wissen, schließlich hat er eins. „Wir haben mehr als 4000 Kunden und das Durchschnittsalter ist über 50.“

Keine 1500 Golfspieler in Gelsenkirchener Clubs

Über 4000 Kunden in einem einzigen Fitnessstudio – auf so viele Mitglieder kommen die beiden Gelsenkirchener Golfclubs nicht einmal zusammen. „Wir haben hier etwa 750 Mitglieder“, sagt Markus Bisping, Manager des Clubs Haus Leythe. Das Klischee mit dem Seniorensport würde „bis zu einem gewissen Grade“ stimmen. „Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt etwa bei Mitte 50.“ Ähnliche Zahlen gibt der Golfclub Schloss Horst raus: 690 Mitglieder seien es zurzeit, schätzt Clubsekretär Tim Kröner. Das Durchschnittsalter ginge „an die 60“.

Macht zusammen: nicht mal 1500 Golfspieler in Gelsenkirchener Clubs. „Das heißt für mich“, sagt Martin Rinke, „dass die sich bei dieser Studie die falschen Sachen angucken. Warum das so ist, weiß ich nicht.“ Für ihn ist klar: „Das Freizeitverhalten hat sich über die Jahrzehnte deutlich verändert.“ Ein Großteil der Aktiven widme sich heute privatwirtschaftlichen Sport- und Freizeitangeboten. „Das ist in dieser Studie nicht abgebildet und das finde ich schwierig.“

Ruhrgebiet wird nicht als eine zusammenhängende Region betrachtet

Ebenfalls schwierig: Dass das Ruhrgebiet nicht im Ansatz als eine Region unter die Lupe genommen wird. Der Golfplatz Westerholt zum Beispiel liegt zum Großteil auf Gelsenkirchener Stadtgebiet, viele Gelsenkirchener golfen dort. Da es sich aber um eine Hertener Postanschrift handelt, kommt dieser Platz den Hertener Zahlen zugute. Dass überhaupt viele Menschen im Ruhrgebiet Einrichtungen welcher Art auch immer in Nachbarstädten besuchen und nutzen können, bildet die Deutschland-Studie nicht ab.

Rinke ist sich sicher: „Würde man das Ruhrgebiet als eine Stadt betrachten, wäre es bei der Lebensqualität unter den Top 20 in Deutschland. Ich habe in Münster gewohnt, in Frankfurt und in Berlin. Ich weiß, dass das so ist.“

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