Adel & Haus Westerholt

Gelsenkirchen: Trauer um Gräfin Rose von Westerholt

| Lesedauer: 3 Minuten
So kennen viele Menschen in Gelsenkirchen, Herten und weit darüber hinaus Gräfin Rose von Westerholt: Unprätentiös, bodenständig, weltoffen und immer aktiv.  Dieses Bild zeigt die Gräfin 2016 am Schloss Westerholt in Herten. Bis ins hohe Alter hat die Gräfin Qigong gelehrt. Am vergangenen Montag ist sie im Alter von 82 Jahren verstorben.

So kennen viele Menschen in Gelsenkirchen, Herten und weit darüber hinaus Gräfin Rose von Westerholt: Unprätentiös, bodenständig, weltoffen und immer aktiv. Dieses Bild zeigt die Gräfin 2016 am Schloss Westerholt in Herten. Bis ins hohe Alter hat die Gräfin Qigong gelehrt. Am vergangenen Montag ist sie im Alter von 82 Jahren verstorben.

Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Buer/Westerholt.  Trauer im Haus Westerholt: Gräfin Rose „Rosy“ von Westerholt ist plötzlich und unerwartet verstorben. Was die Adelsfrau ausmachte.

Sie brach gerne Konventionen, Standeszwänge waren ihr ein Graus. Als unprätentiös und bodenständig haben die Menschen in Gelsenkirchen, Herten und weit darüber hinaus Gräfin Rose „Rosy“ von Westerholt kennen und schätzen gelernt. Daher kommt ihr Tod am vergangenen Montag (20. Februar 1939 – 20. September 2021) völlig überraschend.

Reisen bedeutete für Gräfin Rosy von Westerholt Freiheit - raus aus den Zwängen

Rosy von Westerholt liebte das Leben und war immer in Aktion. Zu ihren größten Hobbys zählten das Reisen und der Sport. Das Reisen bedeutete für sie vor allem Freiheit - raus aus allen Zwängen. Am liebsten flog sie nach Asien, wo sie schon einen Teil ihrer Jugend verbrachte.

Ihr Lebensmotto lautete: „Mach’ die Augen auf. Die Welt ist so schön.“ Drei Jahre lang blieb Rosy, drittes von vier Kindern im Hause Westerholt in Asien. 1967 kehrte sie zurück. Ihr Vater, Egon Graf Westerholt, hielt stets schützend die Hand über sie und ließ sie gewähren, auch gegen manchen Widerstand innerhalb der Familie. Denn gesellschaftliche Pflichtveranstaltungen, für junge adelige Damen eigentlich ein Muss, mied Rosy tunlichst. Das war nicht ihre Welt, auch wenn sie dort hinein geboren worden war. Viel lieber zog es sie in die Ferne, unter Menschen, als Gleiche unter Gleichen.

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Mit dem Reisen verband die Gräfin, die sich selbst als „Aussteigerin“ bezeichnete, ihre zweite große Leidenschaft: den sportlichen Wettkampf. Sie war ebenso vielseitig wie erfolgreich im Weit- und Hochsprung sowie im Sprint, Diskuswerfen und Kugelstoßen - und das über Jahrzehnte. In ihrer langen Karriere hat sie zahlreiche Titel und Medaillen errungen.

Ihren letzten goldenen Moment erlebte kurz nach ihrem 80. Geburtstag, als im März 2020 im polnischen Torun Senioren-Weltmeisterin im Kugelstoßen wurde. Zudem gewann sie bei diesen Titelkämpfen noch Bronze im Speerwerfen.

Gräfin Rosy von Westerholt arbeitete als Sport-Lehrerin am Ursulinen-Gymnasium in Dorsten

Die Gräfin, gelernte Sport-Physiotherapeutin, arbeitete nach mehreren Zusatzausbildungen als Sportlehrerin am Ursulinen-Gymnasium in Dorsten, wo sie von 1973 bis 1999 tätig war. Gesundheit war ihr stets wichtig, sie aß nach eigenem Bekunden nur wenig Fleisch und stattdessen viel Gemüse. Auch im Unruhestand war die Gräfin aktiv. Noch bis ins hohe Alter führte sie Schülerinnen und Schüler ins fernöstliche Qigong ein. Die asiatische Bewegungskunst mit dem Schwerpunkt auf Achtsamkeit, Entschleunigung und Gelassenheit hat sie einst in China studiert.

Als sie im Alter von 80 Jahren einmal gefragt wurde, ob es im Rückblick etwas gibt, was sie anders machen würde, sagte sie verschmitzt: „Ich bereue nichts. Ich würde wieder abhauen.“

Das Seelenamt findet am Donnerstag, 7. Oktober, um 11 Uhr auf der Festwiese Zur Baut 8 statt. Anschließend wird die Urne in der Ruhestätte Natur Westerholt beigesetzt.

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