Online-Konzert

Gelsenkirchen: Sopranistin sorgt für Begeisterung - im Netz

Das virtuelle Weihnachts-Konzert der in Gelsenkirchen lebenden russischen Sopranistin Diana Petrova Darnea sorgte für Begeisterung bei den Zuschauern. 

Das virtuelle Weihnachts-Konzert der in Gelsenkirchen lebenden russischen Sopranistin Diana Petrova Darnea sorgte für Begeisterung bei den Zuschauern. 

Gelsenkirchen.  Live-Stream-Konzert der Sopranistin Diana Petrova Darnea beschert rund 100 Online-Zuhörern einen unterhaltsamen, weihnachtlichen Abend.

Es ist 17.19 Uhr am 6. Januar und Diana Petrova Darnea „fühlt sich aufgeregt“. Das jedenfalls sagt der kleine gelbe Smiley mit Sternchenaugen und offenem Mund auf ihrem Facebook-Profil. Die schon lange in Gelsenkirchen beheimatete russische Sopranistin befindet sich in den Vorkehrungen zu ihrem zweiten Livestream-Konzert. Gemeinsam mit dem Techniker Matthias Plewka und der Harfenistin Sonja Jahn aus Dorsten bereitet sie alles für die anstehende Übertragung aus der evangelischen Trinitatis-Kirchengemeinde Buer vor.

Gelsenkirchen: Russische Sopranistin sorgt mit virtuellem Konzert für Begeisterung

„The Colors of Christmas“ soll eine Hommage an die orthodoxe Weihnacht werden, die in jedem Jahr aufgrund des julianischen Kalenders mit dem katholischen Dreikönigsfest zusammenfällt. „Zur russischen Weihnacht werden neben christlichen Liedern auch viele Lieder zur Verehrung der Sonne und anderer Naturphänomene gesungen“, schreibt Petrova.

Das Konzert beginnt um Punkt 20 Uhr tatsächlich mit imaginärem „Schneetreiben“. Jahn entlockt ihrer Harfe perlend Karel Svobodas verträumte Melodie zu „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, und wer sieht da nicht die drei jungen Edelmänner auf ihren schnaubenden Pferden durch die weiße Winterlandschaft reiten, dazu das bezaubernde Lächeln des mysteriösen Mädchens im Jägerkostüm?!

„Nicht auftreten zu können ist finanziell und emotional eine große Herausforderung"

Lächeln ist ein gutes Stichwort, denn Petrova hat ein ebenso entwaffnendes, als sie die Bühne im Altarraum betritt. Wie bei ihren Live-Konzerten, das letzte war im Juni vergangenen Jahres möglich, redet sie von Aufregung, kindlich ehrlich, freudestrahlend und authentisch. Es ist keine Frage, sie liebt ihren Beruf, auch wenn er sie momentan vor viele Probleme stellt. „Nicht auftreten zu können ist finanziell und emotional eine große Herausforderung“. „O Holy Night“ von Adolphe Adam ist das erste Lied, und die glockenklare Stimme bringt tatsächlich den Zauber von Weihnacht aus dem Laptop ins Wohnzimmer.

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Die Zuhörerzahlen klettern stetig: 73, 74, 75... bis zu 100 in der Spitze und dann während eineinhalb Stunden des Streams nie unter 85. Auf der rechten Bildschirmseite reihen sich die Kommentare aneinander. Von „wir sind gespannt“ am Anfang, bis zu „sehr schön“, „wunderbar“ und einer nicht enden wollenden Anzahl von Icons, Weihnachtsbäumchen, knallenden Sektkorken, roten Rosen und klatschenden Händen. Viele Beiträge sind in russischer Sprache, Freunde und Verwandte aus dem Osten sind natürlich zugeschaltet. „Ich sehe meine Familie seit fast einem Jahr nicht mehr“, sagt Petrova fast unter Tränen.

Konzert im Stream: Ablenkung innerhalb der eigenen vier Wände ist enorm

Das Konzert beschert Musik von Gabriel Fauré, Wolfgang Amadeus Mozart, Michail Glinka und vielen mehr. Sonja Jahn begeistert mit Harfe-Solo-Interpretationen, die Akustik der Kirche ist wirklich gut und die Technik von Plewka exzellent. Petrova spendet herzlichen Applaus. „Schade, dass wir nicht dabei sitzen können“ schreibt Maria K. im Chat. Ein Konzert auf dem kleinen Bildschirm ist nicht mit einem Live-Erlebnis zu vergleichen, ehrlicherweise ist die Ablenkung innerhalb der eigenen vier Wände auch enorm.

Aber Petrovas Engagement zeigt, die Menschen möchten auf klassische Musik nicht verzichten, dank der Unterstützung der Kirchengemeinde und Pfarrer Matthias Siebold mit der Bereitstellung der Räumlichkeiten war dies am Mittwoch möglich. Die Künstlerinnen und der Techniker freuen sich über eine Entlohnung ihrer Arbeit, auf ein genanntes Pay-Pal-Konto sind kleinere Summen eingegangen. Wer Diana Petrova Darnea jetzt noch unterstützen möchte und kann sie gerne kontaktieren (dianapetrovadarnea.de).

Der Abend endet mit beschwingten Klängen, wie Petrova eingangs sagte, die russische Weihnacht ist fröhlich. „Meine Frau schaut gerade Krimi, sonst würde ich jetzt zum Tanz bitten“, kommentiert Norbert Czechaczek mit einem lachenden Smiley. Weder das eine noch das andere wäre in einem Konzertsaal möglich.

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