Stadtentwicklung

Gelsenkirchen schafft ein Viertel voller „Möglichkeitsräume“

Zuletzt Leerstand, davor Kneipe mit wechselnden Pächtern, nun SEG-Immobilie: Im Haus 138 eröffnet das Subversiv. Katharina Flisikowski (l.), Marvin Neumann (beide vom Verein) und Helga Sander (SEG) mit dem Ladenschild für den Kreativort.

Zuletzt Leerstand, davor Kneipe mit wechselnden Pächtern, nun SEG-Immobilie: Im Haus 138 eröffnet das Subversiv. Katharina Flisikowski (l.), Marvin Neumann (beide vom Verein) und Helga Sander (SEG) mit dem Ladenschild für den Kreativort.

Foto: Michael Korte

Gelsenkirchen-Ückendorf.   An der Bochumer Straße geht der Quartiersumbau weiter. Mit dem Subversiv öffnet ein Treff für Kunst und Politik. Zum Start gibt’s ein Festival.

Bochumer Straße, Hausnummer 138. Das Gebäude ist bis zur ersten Etage eingerüstet. Das Erdgeschoss: eine staubige Baustelle. Auf den Wänden trocknet der Putz, die abgehängte Decke ist noch völlig offen, die Heizkörper sind demontiert, in den Sanitäranlagen fehlen die Fliesen, die Toilettenschüsseln, die Waschbecken. Kurzum: das Ladenlokal ist ein fortgeschrittener Rohbau.

„Verein zur Förderung urbaner Kunst und Kultur“

Das Ziel wirkt entsprechend höchst ambitioniert. Bis Samstag, 27. Oktober (und zwar 2018!), soll hier ein Ort für Kunst, Kultur und Politik entstanden sein. Das Subversiv eröffnet seinen Treffpunkt mit einem Festival. Für die allesamt ehrenamtlichen Macher ist es eine Rückkehr an die Bochumer Straße. Bis 2015 hat der gemeinnützige „Verein zur Förderung urbaner Kunst und Kultur“, so der komplette Name, ein Lokal an der Bochumer Straße 126 betrieben. Was damals galt, ist auch künftig Programm. Das Subversiv will Plattform sein für alle, die sich politisch, kulturell und kreativ einbringen wollen. „Die Leute können mit ihren Ideen den Raum füllen“, sagt Katharina Flisikowski (28), eine der Subversiv-Mitstreiterinnen.

Kleiner Kiez mit Hinterhofgarten

Das Spektrum reicht von Filmvorführungen und Workshops über Diskussionsrunden und Kunstausstellungen bis zu Jam-Sessions, ergänzt um Kneipenbetrieb und Partyveranstaltungen, sagt Vereinsmitglied Marvin Neumann (31). Bis Samstag sollen denn auch eine Theke, Sofas, Tische und Stühle, eine Bühne „und eine ordentliche Musikanlage“ im 150 Quadratmeter großen Ladenlokal stehen, das Treffpunkt der Subversiven wird.

Diverse Veranstaltungen vor allem mit elektronischer Tanzmusik habe der Verein in der Vergangenheit organisiert, meist in Nachbarstädten, sagt Neumann. Nun gibt es eine feste Plattform für künftige Heimspiele und ein Umfeld, das als kleiner Kiez mit verbindendem, großem Hinterhofgarten Entwicklungspotenzial hat, seit die SEG, die Gelsenkirchener Stadterneuerungsgesellschaft das Quartier gründlich umkrempelt. Was an der Bochumer Straße neben günstigem, saniertem Wohnraum entsteht, nennt SEG-Geschäftsführerin Helga Sander gerne „Möglichkeitsräume“ – eben Orte, an denen sich unterschiedlichste Akteure einbringen können, „und damit eine positive Entwicklung befördern.“

Ein Ort für Debatten und Ideenaustausch

Als Basis der Subversiv-Arbeit dient – künftig jeden Dienstag – das offene Plenum, ein Ort für Debatten und Ideenaustausch, aber auch einfach nur für gemeinsame Zeit. „Länger waren wir eine riesige Reisegruppe, die in andere Städte gefahren ist, und hätten es schön gefunden, wenn es so einen Ort in Gelsenkirchen geben würde, an dem sich jeder Mensch wohl fühlen könnte. Den wollen wir bieten“, sagt Neumann. Mit der Zeit, erklärt Flisikowski das Engagement von 13 Vereinsmitgliedern und vielen Unterstützern, „wird das auch eine Herzensangelegenheit. Das ist wie unser Baby.“

Zahlreiche Studenten sind zugezogen

Junges Wohnen, Kreative, Familien, besondere Wohnformen, auch Start-Ups und Dienstleister sollen in Ückendorf längs der Bochumer Straße Platz finden. Das Viertel ist im Umbruch, vorangetrieben von Stadt und Stadterneuerungsgesellschaft mit öffentlichen Mitteln.

Gut 40 bis 50 Studenten sind in den letzten Monaten als Mieter zugezogen. „Die Wohnungen werden uns aus den Händen gerissen“, sagt Helga Sander. „Das Subversiv ist nun tatsächlich unsere erste Neueröffnung. Wir brauchen solche Treffpunkte“, findet die SEG-Geschäftsführerin. „Sie sind wichtig, um auch die vielen neuen Studenten zu halten.“

>> Volles Programm: Das Subversiv-Eröffnungsfestival

Kunst, Politik und Kultur vereint das Subversiv-Programm. Das gilt natürlich auch für den Start an der Bochumer Straße 138. Los geht es am Samstag, 27. Oktober, 12 Uhr. Highlights im Haus und Nebengebäuden:


Jam-Session (12-15 Uhr); Workshops Textil und „Formwechsel“ (12-15 Uhr); Vorträge (übers Subversiv, 15.30 Uhr) und Neonazis und türkische Faschisten im deutschen Fußball (16.30 Uhr); 18 Uhr Film und Diskussion „Deutsche Pop-Zustände“; Drei Bands (ab 19 Uhr, Performance, Bluegasm, Torpedo Monkeys) treten auf, ab 22 Uhr reicht das DJ-Spektrum von Pop bis Trashfloor. Und was auf keinen Fall fehlen darf: ein Kickerturnier zur Eröffnung.

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