Grünanlagen

Gelsenkirchen: Runder Tisch Horst will „Knochenpark“ beleben

Ein Grab auf dem Alten Friedhof in Horst-Nord: Der Runde Tisch Horst plant, den nicht mehr genutzten Friedhof zu einem Bürgerpark zu machen.

Ein Grab auf dem Alten Friedhof in Horst-Nord: Der Runde Tisch Horst plant, den nicht mehr genutzten Friedhof zu einem Bürgerpark zu machen.

Foto: Michael Korte/ Funke Foto Services

Gelsenkirchen-Horst.  Der ehemalige Friedhof in Gelsenkirchen-Horst soll zu einem Bürgerpark umgestaltet werden. Doch es gibt auch mahnende Stimmen.

Auch wenn am Samstag, 31. Oktober, Halloween ansteht: „Knochenpark“ wird der alte Friedhof Horst-Nord das ganze Jahr über genannt. 1983 außer Dienst gestellt, nutzen ihn Anwohner im Gelsenkirchener Stadtteil als Grünanlage zum Spazieren- und Gassigehen. Das sei aber noch ausbaufähig, sind die Akteure des Runden Tisches Horst überzeugt: Sie wollen das rund drei Hektar große Gelände zu einem Bürgerpark umgestalten und rufen etwa über soziale Netzwerke im Internet zur Beteiligung Interessierter auf. Das Unternehmen findet freilich nicht die Zustimmung von jedem.

„Ab sofort soll ein Stück Horster Geschichte von den Bürgern mitgestaltet werden. Jeder ist herzlich eingeladen, den ,Knochenpark’ zum Park der Begegnung und zum Stück Naherholung zu machen“, werben Mitglieder des Runden Tisches via Facebook um Unterstützung. Jeder dürfe dort auf Freiflächen selbst Pflanzen setzen, sich „in irgendeiner Form kreativ mit eigenen Mitteln an der Gestaltung unseres ,Bürgerparks` beteiligen“ und etwa Nistkästen für heimische Vogelarten aufhängen, heißt es in dem Aufruf.

Gelsenkirchener sollen Kunstwerke aufstellen und Bäume behäkeln

Handwerklich geschickte Leute könnten dort auch eigene Kunstwerke nach dem Vorbild der Landesgartenschau aufstellen, „Bäume bestricken oder behäkeln, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“.

Ziel sei es, die Grünanlage zu beleben, betont Mit-Initiator Tomas Grohé, „denn der außer Dienst gestellte Friedhof hat sich für viele zu einem Angstraum entwickelt“. Gelsendienste mähe zwar regelmäßig die Wiesenflächen, aber viele Gräber und Grabsteine seien zugewuchert, was einen unheimlichen, verwahrlosten Eindruck erwecke.

CDU-Stadtverordneter Jansen fürchtet zu viel Trubel auf dem einstigen Friedhof

Um die Grünanlage lichter und gepflegter erscheinen zu lassen, hätten Mitglieder des Runden Tisches bereits 200 Blumenzwiebeln gesetzt und sich in Abstimmung mit Gelsendienste bereit erklärt, üppig wuchernde Pflanzen zurückzuschneiden, berichtet Grohé.

Während sich Gelsendienste grundsätzlich „über das bürgerschaftliche Engagement freut“, so Sprecher Tobias Heyne, sieht der Horster CDU-Stadtverordnete Werner-Klaus Jansen in der Initiative die Gefahr, „dass das Ganze zu trubelig werden könnte“. Es handele sich nach wie vor um einen Friedhof, der auch nicht entwidmet worden sei. „Ihn als Grünanlage zur Naherholung zu nutzen, ist unproblematisch. Aber er muss eine Stätte des Gedenkens und Innehaltens bleiben; er darf nicht zu einer Freizeitanlage geraten, in der Fußball gespielt, gegrillt und Krach gemacht wird.“

Runder Tisch plant, an Allerheiligen Fackeln aufzustellen

Jansen räumt zwar ein, dass der Friedhof nicht so gepflegt wirke, weil einige Gräber verwahrlosten. Er hatte selbst mit seinem Horster Parteikollegen, dem Bezirksverordneten Franz-Josef Berghorn, darauf aufmerksam gemacht. „Aber trotz der sicher nötigen Aufwertung und Pflege muss der Friedhof ein Friedhof bleiben.“

Gelsendienste weist unterdessen auf Anfrage darauf hin, dass Pflanzungen „in Absprache durchgeführt werden“ könnten, wobei die Flächen vor Ort von der Stadttochter festgelegt würden. „Das Bestricken und Umhäkeln von Bäumen war bisher nicht Gegenstand der Absprache. Gelsendienste wird zu diesem Thema noch einmal Kontakt mit den Initiatoren aufnehmen“, kündigte Sprecher Heyne an. Verbotene Aktivitäten gebe es zwar nicht, es müsse aber auf die noch bestehenden Gräber Rücksicht genommen werden.

Sofern das Corona-Infektionsgeschehen es zulässt, plant der Runde Tisch in den nächsten Tagen weitere Reinigungsarbeiten und für den Allerheiligen-Feiertag am Samstag, 1. November, 17 Uhr, die Aufstellung von Fackeln, begleitet von Musik, „die zu diesem Tag passt“, so Grohé.

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