Kultur & Kirche

Gelsenkirchen: Neue „Passion“ nach fünfjähriger Pause

Bei den ersten Gelsenkirchener Passionsfestspielen im Jahr 2013 übernahm Jesse Krauß noch die Rolle des Jesus, diesmal spielt er den Teufel.

Bei den ersten Gelsenkirchener Passionsfestspielen im Jahr 2013 übernahm Jesse Krauß noch die Rolle des Jesus, diesmal spielt er den Teufel.

Foto: Martin Möller / WAZ FotoPool

Gelsenkirchen-Rotthausen.  Ein Hauch von Oberammergau weht durch Gelsenkirchen, wenn ab Samstag, 7. März, die dritten Passionsspiele ein großes Publikum anlocken wollen.

Die Anspannung steigt: Am Freitag steht die Generalprobe auf dem Programm, tags darauf folgt dann die mit Spannung erwartete Premiere. Zum dritten Mal wird die Evangelische Kirche Rotthausen am Rande der Steeler Straße ab Samstag, 7. März, Schauplatz von Passionsspielen. Der Lebens- und Leidensweg Christi war dort zuvor schon 2013 und 2015 erfolgreich auf die Bühne gebracht worden. Nun folgen bis einschließlich Ostersonntag zehn Aufführungen.

Für die Neufassung wurde der Text aber aktualisiert. „In den vergangenen fünf Jahren ist viel passiert“, sagt Ulrich Penquitt, der die Regie übernimmt und im beruflichen Alltag das Trias-Theater leitet. „Wir wollten, dass die aktuelle Flüchtlingssituation und unser Umgang mit Fremden im Allgemeinen diesmal mit aufgegriffen werden“, sagte Penquitt im Gespräch mit dieser Zeitung.

30 Laiendarsteller probten zweimal die Woche für die „Passion“

Rund 30 Laiendarsteller proben seit vergangenen Oktober zweimal wöchentlich – jedes Mal am Spielort in der Kirche. Die meisten von ihnen profitieren dabei von ihrer Bühnenerfahrung, weil sie schon bei den ersten beiden „Passionen“ eine Rolle übernommen hatten. Aber auch komplette Neueinsteiger sind mit dabei. „Die Alterspalette reicht von 19 bis 80 Jahre. Wir sind gut aufgestellt“, freut sich der Regisseur.

Zu den Routiniers im Laienensemble zählt auch Jesse Krauß. Bei allen drei „Passionen“ war und ist er mit am Start, schlüpfte dabei in verschiedenste Rollen. Nach dem Jesus in 2013 spielte er zwei Jahre später den Judas und wird nun ab Samstag als Teufel zu sehen sein. Sein Nachfolger als Jesus-Darsteller im Jahr 2015 war Alexander Welp, der diesmal den Pontius Pilatus gibt. Und nach Welp wird nun Julian Wangemann die Dornenkrone aufgesetzt. „Es ist seine erste tragende Rolle, die er übernimmt“, sagt der Regisseur, der aber großes Vertrauen in seinen Protagonisten hat. „Julian hat reichlich Bühnenerfahrung. Er gehört zum Team der Komparsen am Musiktheater im Revier“, so Penquitt.

Historische Kostüme und frisch komponierte Musik

Der Text stammt aus der Feder von Wolf-Rainer Borkowski, ein Theologe und Pfarrer im Ruhestand. „Wir haben wegen der gewünschten Aktualisierung einige Passagen ergänzt, andere dafür gekürzt oder gestrichen. Da treffen manchmal schon unterschiedliche Meinungen aufeinander“, so Penquitt. Aber genau das gehöre zu einem kreativen Prozess dazu. Am wichtigsten sei es, dass das Ergebnis am Ende stimme.

Die historischen Kostüme hat – wie schon bei den vorherigen „Passion“-Aufführungen – erneut Angela Heid-Schilling geschneidert. Laut dem Regisseur ist aber auch noch mancher Dress dabei, der aus den Jahren 2013 und 2015 stammt, aber trotzdem noch bestens für eine aktuelle Bühnennutzung geeignet ist. Ein Lob zollt Regisseur Penquitt auch Rüdiger Klappenbach, der das Bühnenbild entwickelt und gebaut hat, sowie Danny Tristan Bombosch, dem Komponisten der Musik fürs Stück. „Mit Danny habe ich auch schon für meine Arbeiten im Trias-Theater zusammengearbeitet“, so der Regisseur.

Nach fünf Jahren Pause nun eine neue „Passion“ in Gelsenkirchen

Die ursprüngliche Idee zu den Festspielen – einer Art Oberammergau im Ruhrgebiet – hatte der im Jahr 2016 verstorbene Regisseur Elmar Rasch. Unterstützung erhielt er von Rolf Neuhaus, dem früheren Pfarrer der Emmaus-Gemeinde. Er signalisierte auch die Bereitschaft, nach fünf Jahren Pause nun eine neue „Passion“ zu starten. Inzwischen ist er aber zu einer Gemeinde in Hemer gewechselt. Genau dort wird die Gruppe nach den zehn Aufführungen in Gelsenkirchen ein einziges Gastspiel geben – am Ostermontag, 13. April.

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