Sozialwirtschaft

Gelsenkirchen: Lob beendet Nachspielzeit an der Gafög-Spitze

Am Firmensitz in Buer wurde der Wechsel vollzogen. Folker Gebel (l.) ist seit Januar neuer Geschäftsführer der Gafög, sein Vorgänger Stefan Lob geht Ende März in den Ruhestand.

Am Firmensitz in Buer wurde der Wechsel vollzogen. Folker Gebel (l.) ist seit Januar neuer Geschäftsführer der Gafög, sein Vorgänger Stefan Lob geht Ende März in den Ruhestand.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services

Gelsenkirchen.  Bei der Gafög wird der Spitzenwechsel vollzogen Die Gelsenkirchener Arbeitsförderungsgesellschaft ist auf vielen Feldern aktiv. Und erfolgreich.

15 Jahre lang hat Stefan Lob die Geschäfte der Gafög, der Gelsenkirchener Arbeitsförderungsgesellschaft geführt, 2003 kam er als Prokurist zum Unternehmen. "Nun bin ich in der Nachspielzeit. Es ist sinnvoll und hilfreich, den Staffelstab zu übergeben", sagt der scheidende Geschäftsführer. Die Regelaltersgrenze hatte er schon 2019 erreicht.

Operativ ist das Geschäft im neuen Firmensitz an der Kurt-Schumacher-Straße 313 in Buer zum 3. Januar übergegangen - an Folker Gebel. Auf Lob, den promovierten Soziologen, der auch Philosophie und politische Wissenschaften studiert hat, folgt Gebel: 57 Jahre alt, Volljurist, Fachanwalt für Mietrecht, verheiratet, Vater zweier Kinder, wohnhaft in Castro-Rauxel, erfahren unter anderem als Geschäftsführer des Mietervereins Kassel und zuletzt tätig als Bundesgeschäftsführer der DLRG.

Corona: Gafög hat den Schulungsbetrieb eingestellt

"Jetzt bin ich zurück im Revier, meiner Wahlheimat", sagt Folker Gebel. "20 Niederlassungen in vier verschiedenen Städten, das ist eine spannende Herausforderung. Es macht Spaß, mit Menschen in unterschiedlichsten Berufssparten zusammenzuarbeiten." Wobei: Der Spaß ist in Corona-Zeiten beschränkt. Auch die Gafög arbeitet auf Sparflamme im Krisenmodus, der Schulungsbetrieb ist eingestellt.

Gesellschafter sind die Städte Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop

Gesellschafter der Arbeitsförderungsgesellschaft sind die Städte Gelsenkirchen, Bottrop und Gladbeck. Mit Betriebsstätten ist die Gafög entsprechend in diesen drei Kommunen vertreten, zudem auch noch in Bochum präsent. Der Arbeitsschwerpunkt seit über 25 Jahren: "Wirtschaftsnahe Berufsbildung, Durchführung von Arbeitsmarktprojekten".

In der Praxis heißt das: Kräfte für den Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) werden ausgebildet, Bewerber in verschiedensten Sparten von Gartenbau bis Hauswirtschaft für den sozialen Arbeitsmarkt fit gemacht. Eigene Gastronomie und zwei Lebensmittelläden in Heßler und im Tossehof dienen als Sprungbretter für den ersten Arbeitsmarkt. Zuwanderer und Flüchtlinge werden unterstützt, Schuldner- und Insolvenzberatung betrieben. Im KOD-Projekt hat sich jüngst der erste Lehrgang nach erfolgter Prüfung verabschiedet. "21 Personen waren das, alle mit Aussicht auf eine feste Stelle", sagt Lob.

Das Satzungs-Ziel: Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen

"Als gemeinnützige Gesellschaft agieren wir selbstständig, aber unsere Gesellschafter haben natürlich großen Einfluss", sagen der amtierende und ehemalige Geschäftsführer. Sprich: Für ihre sozialpolitischen Beschäftigungsansprüche sehen die Städte die Gafög quasi als geborenen Partner. Diese Gemengelage, weiß Gebel, erfordere eine "Portion Diplomatie und Fingerspitzengefühl." Klar, räumt Lob ein, sind wir diejenigen, an die sich städtische Anfragen richten. Und wir sind öfters in die Bresche gesprungen. Aber wir haben auch immer geprüft: Was lässt sich dort mit dem Kern unseres Satzungszwecks verbinden? Nämlich Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen."

Gastronomie im Maschinenhaus des Bottroper Berneparks

Bei den Märkten in Heßler und im Tossehof in Gelsenkirchen ist das genauso der Anspruch wie in den laufenden Quartiersmanager-Projekten oder im Bottroper Bernepark, wo die Gafög vor zehn Jahren mit der Parkpflege begann und die Gastronomie im Maschinenhaus eröffnete. Die "Vielgestaltigkeit" der Gafög, findet Lob, "macht es erforderlich, dass man sich insgesamt um alles kümmert." Vor allem erfordert sie aber auch ein gewisses Expertentum im Umgang mit Programmen und Mitteln für öffentlich geförderte Beschäftigung von Landes- bis EU-Ebene. Sei es beim "Best Ager"-Programm für ältere Jobsuchende, das die Gafög von 2009 bis 2015 in elf Revierstädten koordinierte oder aktuell beim Modellprojekt Fahrgastbetreuer. Lob: "Zusammen mit der Bogestra haben wir auf einen Schlag 200 Personen in Ausbildung gebracht."

Revierweit das Best Ager-Projekt koordiniert

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch:Laufen Projekte aus, fallen damit verbundene Stellen weg. Am Ende der "Best Ager"-Zeit waren es 50 Arbeitsplätze. Das wirtschaftliche Gleichgewicht zu halten, "Einbrüche auszugleichen und frühzeitig Gegengewichte zu bilden", war Lob wichtig. "Unser breite Aufstellung ist gut, um Risiken abzufedern", findet Gebel. "Unsere Substanz ist grundsolide. Es gab nie institutionelle Zuschüsse oder einen Ausgleich durch unsere Gesellschafter", ergänzt Lob

Anschub für den sozialen Arbeitsmarkt geleistet

Die Arbeit der Arbeitsförderer ist stark von der Politik abhängig. "Mit den großen Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 mussten wir uns in den 2000er Jahren neu erfinden", sagt Lob. "Das war eine besondere Zeit." Bei der lokalen Arbeitsmarktpolitik, sagt Gebel, habe gerade "Gelsenkirchen in letzter Zeit sehr große Erfolge zu verbuchen". Die Initiative für einen sozialen Arbeitsmarkt wurde aus der Stadt heraus nachhaltig angetrieben. "Es hat lange gedauert", sagt Lob, "hat aber letztlich bei der Umsetzung geholfen. Was Arbeitsförderung betrifft, muss hier keiner Asche über sich streuen."

Bis zum Herbst 2022 ehrenamtlicher Arbeitsrichter

Lob will noch bis Herbst 2022 als ehrenamtlicher Arbeitsrichter aktiv bleiben. Er lebt in einem Dreigenerationenhaus, hat noch etliche Projekte für den "riesengroßen Garten. Es wird nicht langweilig werden." Mir seinem Nachfolger eint ihn die Überzeugung: "Menschen in Arbeit zu bringen, geht nicht unbedingt auf dem scheinbar schnellsten Weg. Langzeitarbeitslosigkeit verhärtet die Menschen. Sie kommen nur aus sich heraus, wenn sie vorher zu sich gekommen sind."

Im steten Wechsel: Zahlen, Daten, Fakten

2005 hatte die Gafög 66 sogenannte Regiemitarbeiter, zwischenzeitlich, schwankte die Zahl zwischen 160 und 103, aktuell liegt sie wieder bei 160. Mit Personal, Verwaltung, Betriebsleitung,Finanzen und Projektentwicklung sind zwölf Kräfte beschäftigt.

In befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigte die Gafög 2018 über 300 Personen, derzeit gut 150. Sämtliche Maßnahmen eingerechnet, so Geschäftsführer Folker Gebel, "bewegen wir uns durchschnittlich deutlich über 500."

Dazu kommen noch die reinen Beratungsdienste. Allein die Schuldnerberatung hat um die 1000 Klienten pro Jahr.

Menschen, Standorte und Jobs bei der Gafög: Eine Bilderstrecke

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