Kammerkonzert

Gelsenkirchen: Klassische Gitarrenklänge zum Jubiläums-Start

Der Schweizer Gitarrist Anthony Ilenio Lauber beeindruckte das Publikum in der Gelsenkirchener Wasserburg Lüttinghof beim Kammerkonzert mit seiner Virtuosität.

Der Schweizer Gitarrist Anthony Ilenio Lauber beeindruckte das Publikum in der Gelsenkirchener Wasserburg Lüttinghof beim Kammerkonzert mit seiner Virtuosität.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Hassel.  Die Kammerkonzerte auf Lüttinghof starteten ins 25. Jahr. Anthony Ilenio Lauber bescherte in Gelsenkirchen stimmungsvolle „Saitenblicke“.

„Mit etwas Schrecken habe ich festgestellt, dass wir schon in das fünfundzwanzigste Jahr gehen. Das heißt ja auch, ich bin alt geworden“, erklärte der künstlerische Leiter der Reihe „Kammerkonzerte auf Wasserburg Lüttinghof“ am Sonntagnachmittag schmunzelnd. Volker Zwetschke scherzte natürlich, denn Stolz und Freude, dass das Konzertformat des „Freundeskreis für Musik und Kunst“ seit einem Vierteljahrhundert erfolgreich ist, überwogen. „Das verdanken wir diesem wunderbaren Ort, der Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und dem treuen Publikum“.

In Corona-Zeiten nahm dieses im Rittersaal mit gebührendem Abstand in kleiner Zahl (30 Personen) Platz. Der junge Schweizer Gitarrist Anthony Ilenio Lauber, Jahrgang 1993, eröffnete mit „El ultimo tremolo“ von Agustin Barrios Mangoré. „Die Gitarre kann mehr als nur drei Akkorde am Lagerfeuer“, hatte Zwetschke flapsig angemerkt, und das wussten die kundigen Gäste sehr wohl. Dennoch war das Staunen bei den Klängen des Virtuosen deutlich spürbar.

Gelsenkirchener Publikum staunt über unfassbar zärtlichen Anschlag der Saiten

Lauber verkörperte die Innigkeit und Melancholie des Stückes mit einem unfassbar zärtlichen Anschlag der Saiten. Seine Tremolos in seltener Vierfingertechnik sind von reinster Perfektion, der Melodiefluss dieses „Abschiedswerkes“ von Barrios Mangoré, zwei Wochen vor seinem Tod geschrieben, von unbeschreiblicher Intensität.

In der fünfzehnminütigen „Rossiniana Nr. 2“ von Mauro Giuliani präsentierte der Gitarrist eine musikalische Erzählung in verschiedensten Farben. Federleichte Akkorde, makellose Bindungen, wechselnd von Akzenten aus Opernarien hin zu marschierenden Takten und chromatischen Tonleitern. Und selten schaute ein Künstler seinem Instrument und den Klängen mit so viel Liebe hinterher, zog damit das Publikum hinein in einen wohlig sinnlichen Raum.

Gitarrenkörper im barocken Tanzrhythmus als Percussion-Instrument genutzt

Unterschiedliche Anschlagtechniken kamen in den „vier kleinen Stücken“ vom Gaspar Sanz zum Tragen, der Gitarrenkörper im barocken Tanzrhythmus als Percussion-Instrument genutzt. Nicht nur wie dumpfe Trommelschläge, sondern auch mit metallenen Snare-Drum-Effekten. Sein Gefühl für die Saiten ist herausragend.

Nach knapp sechzig Minuten als Zugabe das bekannte „Asturia“ von Albeniz. Das Publikum hätte aber auch das französische „Encore-noch einmal“ rufen können, denn Lauber spielte nach einer organisatorischen Pause das gesamte Programm für weitere 30 Gäste. Corona macht Veranstalter und Künstler erfinderisch, wenn es auch anstrengend ist.

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