Mobiles Arbeiten

Gelsenkirchen: Homeoffice nach dem Shutdown wieder reduziert

Wohnzimmer statt Büro: Während des Shutdowns arbeiteten viele Gelsenkirchener im Homeoffice.

Wohnzimmer statt Büro: Während des Shutdowns arbeiteten viele Gelsenkirchener im Homeoffice.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Gelsenkirchen.  Das Homeoffice kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. In Gelsenkirchen sind inzwischen aber viele Mitarbeiter zurück im Büro.

Nach der Hochphase der Coronakrise haben Gelsenkirchener Arbeitgeber das mobile Arbeiten wieder reduziert. Das Integrationscenter für Arbeit (IAG) Gelsenkirchen kehrt zu seiner ursprünglichen Regelung zurück, nach der zehn Prozent der Mitarbeiter regulär von zu Hause aus arbeiten dürfen. Auch bei anderen Unternehmen sind wieder mehr Mitarbeiter in den Büros.

Thomas Schneider (Name von der Redaktion geändert) ist Mitarbeiter des IAG. Während des Shutdowns konnte er flexibel im Homeoffice arbeiten. „Das hat mir geholfen, Job und Familie zu vereinbaren“, sagt er. Nun jedoch sei das vorbei und er müsse wieder darauf hoffen, einen regulären Platz für Telearbeit zu bekommen. Dabei sei der Umfang der Warteliste so immens, dass die unteren auf der Liste „rein rechnerisch in zehn Jahren etwas mehr Flexibilität in den familiären Alltag einbauen können.“

Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen will über Ausweitung der Telearbeit beraten

Auf Nachfrage verweist IAG-Geschäftsführer Dirk Sußmann auf die geltende Dienstanweisung, die das Jobcenter und seine beiden Träger – die Stadt und die Agentur für Arbeit – gemeinsam beschlossen hätten. Beim IAG wird zwischen Telearbeit, die für zehn Prozent der Angestellten regulär möglich ist, und Homeoffice, einer Lösung für Notsituationen, unterschieden. Letzteres stand auf dem Hochpunkt der Krise mehr Mitarbeitern zu als sonst. Schließlich herrschte beispielsweise durch die Schließung von Kindergärten und Schulen eine permanente Notsituation.

Sußmann bestätigt, dass es eine Warteliste gibt, bei der nicht anhand der individuellen Situation entschieden wird: „Was wiegt denn schwerer? Der pflegebedürftige Angehörige oder die Kleinkinder? Diese Bewertung wollen wir nicht vornehmen.“ Da das Arbeiten von zu Hause aber gut funktioniert habe, wolle man durchaus darüber beraten, wie man die Telearbeit in Zukunft ausweiten könne. „Dafür ist allerdings ein Beschluss der Trägerversammlung erforderlich“, so Sußmann. Er betont außerdem, dass die Telearbeitsplätze 2019 bereits von fünf auf zehn Prozent aufgestockt worden seien.

In der Stadtverwaltung sind Doppelbüros wieder mit einer Person besetzt

Auch die Stadtverwaltung hat wieder viele Mitarbeiter in die Büros zurückgeholt. „Während des Shutdowns hatten wir die Regelung: Jeder, der will, kann ins Homeoffice“, erklärt Stadtsprecher Martin Schulmann. „Mittlerweile ist es so, dass in Doppelbüros wieder eine Person sitzt. Auch die Einzelbüros sind größtenteils wieder besetzt.“ Vor Corona sei Homeoffice in der Verwaltung eher die Ausnahme gewesen: „Der Anspruch wurde in jedem einzelnen Fall geprüft.“ Jetzt strebe man an, mehr Mitarbeitern mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Allerdings betont auch Schulmann, dass dafür erst eine entsprechende Dienstvereinbarung geschlossen werden müsse.

Bei Gelsenwasser gab es für die Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich schon vor Corona die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. „In der Krise ist dieses Angebot verstärkt genutzt worden“, sagt Pressesprecherin Heidrun Becker. Mittlerweile seien aber viele Mitarbeiter für zwei bis drei Tage ins Büro zurückgekehrt. Deshalb hat das Unternehmen sogar „flexible Arbeitszonen“ für den Fall eingerichtet, dass ein Büro schon zu voll ist. Grundsätzlich bestehe weiterhin die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. „Vielen Mitarbeitern fehlt aber der Kontakt zu den Kollegen“, so Becker.

Bei ELE ist weniger als die Hälfte der Mitarbeiter zurück im Büro

An den Standorten von Emscher-Lippe-Energie (ELE) sind jeweils weniger als 50 Prozent der Mitarbeiter zurück in den Büros. „Wir fahren die Besetzung Stück für Stück wieder hoch“, sagt Pressesprecher Peter Efing. Trotzdem seien die meisten Mitarbeiter noch ganz oder überwiegend im Homeoffice. In vielen Abteilungen gibt es ein rollierendes System. ELE hat bereits seit Frühjahr 2019 eine Betriebsvereinbarung, derzufolge Mitarbeiter überall da mobil arbeiten können, wo es möglich ist. „Vor Corona hatten viele diesen Wunsch aber gar nicht“, sagt der ELE-Sprecher. In der Krise habe sich nun gezeigt, dass man vieles genauso gut von zu Hause erledigen könne.

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