Geschichte und Kultur

Gelsenkirchen: Förderverein Schloss Horst droht Auflösung

Engagiert für Schloss Horst, wie hier im Kreuzritter-Kostüm beim Türöffner-Tag der WDR-Maus: Wolf Hoffmann gibt sein Amt als Vorsitzender des Fördervereins Schloss Horst Mitte 2021 auf. Doch es findet sich niemand, der sich um das Amt bewerben möchte.

Engagiert für Schloss Horst, wie hier im Kreuzritter-Kostüm beim Türöffner-Tag der WDR-Maus: Wolf Hoffmann gibt sein Amt als Vorsitzender des Fördervereins Schloss Horst Mitte 2021 auf. Doch es findet sich niemand, der sich um das Amt bewerben möchte.

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Gelsenkirchen-Horst.  Es findet sich niemand, der die Vorstandsarbeit übernehmen will. Das Aus hätte Folgen für die Museumspädagogik und das Kulturmanagement.

Schloss Horst: Diesen Namen verdiente kaum, was da ab 1930 als Gastronomie und Diskothek genutzt wurde – der einstige Prachtbau glich einer Ruine. Es war der 1985 gegründete Förderverein, der die Initialzündung zur Rettung des Renaissancebaus gab. Nun steht jener vor der Auflösung, weil sich niemand findet, der die Vorstandsarbeit übernehmen möchte.

Nicht nur der Vorsitzende Wolf-R. Hoffmann, auch die übrigen vier langjährigen Vorstandsakteure stellen sich Mitte 2021 nicht mehr zur Wiederwahl, teils aus gesundheitlichen, teils aus familiären Gründen. „Das haben wir den übrigen Mitgliedern auch schon vor einiger Zeit so klar gemacht“, sagt Hoffmann. Allein: Nachfolger sind nicht in Sicht.

Über Gelsenkirchener Förderverein läuft die gesamte Museumspädagogik

Hoffmann (63) bedauert das sehr. „Als Hüter und Mahner in Sachen Schloss Horst ist der Verein nach wie vor gefragt, Verantwortung zu übernehmen!“ Auch wenn das Schloss gerettet und etabliert sei als Standesamt, Bürgercenter, Museum, Veranstaltungsort, Stadtteilbibliothek, historische Druckwerkstatt und (derzeit geschlossene) Gastronomie, so brauche es doch immer noch engagierte Akteure, die die Entwicklung vor Ort kritisch begleiten, Impulse geben oder Spendengelder für Projekte einwerben.

Nicht zuletzt laufe bislang auch die gesamte Pädagogik für das Erlebnismuseum über den Förderverein. „Die Stadt zahlt zwar das Gehalt für die Verwaltungsmitarbeiterin und den wissenschaftlichen Mitarbeiter, aber angestellt sind diese über uns.“ Falls sich der Verein also zum 30. Juni 2021 tatsächlich auflösen sollte und keine andere Lösung gefunden werde, sei unklar, wer etwa im Verwaltungsbereich Veranstaltungen koordinieren, Absprachen mit Künstlern treffen, Museumskräfte einteilen und Dienstpläne erstellen werde.

Hoffmann: „Museumspädagogische Stelle ist absolut unverzichtbar“

„Die Verwaltungsmitarbeiterin, die diese Aufgaben erledigt, hört zwar freiwillig aus Altersgründen auf, aber der wissenschaftliche Mitarbeiter verlöre seine Stelle“, so Hoffmann. Und dessen museumspädagogische Stelle sei „absolut unverzichtbar“. Seit 2008 sei die Stelle besetzt durch einen engagierten Historiker, der nicht nur Konzepte für Kindergeburtstage und Ferienprogramme schreibe und diese durchführe, sondern auch inhaltlich und praktisch die Ausstellung mitgestaltet habe und wissenschaftliche Vorträge organisiere.

„Ohne so jemanden, der dauerhaft vor Ort ist, fundiert Fragen von Besuchern beantworten kann und neue Impulse für die Weiterentwicklung des Museums setzt, können wir die Ausstellung gleich schließen. Dann war die gesamte Arbeit der vergangenen Jahre umsonst.“

Fördervereins-Chef Hoffmann organisierte maßgeblich das Mittelalterfest „Gaudium“

Das Museum „Leben und Arbeiten in der Renaissance“ zählt derzeit nach Angaben von Hoffmann rund 5000 Besucher jährlich. Besonders beliebt bei Familien mit Kindern, ist es auch beim mehrtägigen Open-Air-Spektakel „Gaudium“ geöffnet, das alle zwei Jahre mit Ritterturnieren, Lagern und Handwerkerständen Tausende Besucher bei freiem Eintritt nach Horst lockt. Betreut und organisiert wurde das Mittelalterfest bislang maßgeblich über einen Werkvertrag von Hoffmann – auch dafür müsste ein Nachfolger gefunden werden.

Nachdem Hoffmann die Stadt über das drohende Aus des Fördervereins mit allen Konsequenzen für die Veranstaltungs-, Kultur- und Museumsarbeit informiert hat, sieht er nun nicht nur die Vereinsmitglieder am Zug, einen neuen Vorstand zu stellen. Letztlich sei es die Stadt, die jeweils eine Planstelle für die Verwaltung und die Museumspädagogik schaffen müsse, um nicht hinter das Erreichte zurückzufallen. „Nur mit Honorarkräften lässt sich das Ganze nicht stemmen!“

Der Problematik ist sich auch Hans-Joachim Siebel als Leiter von Schloss Horst durchaus bewusst. „Das Museum ist ohne Museumspädagoge kein richtiges Museum“, stimmt er Hoffmann zu. Daher „versucht die Stadt, im Sinne des Schlosses eine Lösung zu finden; wir prüfen derzeit mehrere Optionen.“ Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

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