Maskenpflicht

Gelsenkirchen braucht keine Corona-Hilfssheriffs

WAZ-Redakteur Matthias Heselmann kommentiert.

WAZ-Redakteur Matthias Heselmann kommentiert.

Foto: Selina Sielaff / funkegrafik nrw

Gelsenkirchen.  Zwei hochrangige Polizisten gehen ohne Maske durch Gelsenkirchen-Buer – ein Ex-Kollege von ihnen meldet das. Hat er richtig gehandelt?

Wir stecken gerade in einer der größten Krisen seit der Gründung der Bundesrepublik, und bekanntermaßen bringt so eine Krise das Beste und das Schlechteste in Menschen hervor.

Das Beste: Das sind die vielen kleinen und großen Akte der Solidarität, die wir in den vergangenen Monaten erlebt haben – Nachbarn, die für Nachbarn einkaufen gehen, Familien, die untereinander Kinderbetreuung organisieren, Forscher, Ärzte Krankenpfleger, die seit Monaten am Anschlag und darüber hinaus arbeiten, um Corona und die Folgen zu bekämpfen.

Auch in Gelsenkirchen haben Polizeibeamte eine Vorbildfunktion

Das Schlechte: Das sind die Verschwörer, Coronaleugner, Maskenverweigerer und Rücksichtslosen, die die Pandemie zu ihrer persönlichen Profilierung nutzen und damit anderen und am Ende auch sich schaden.

Und dann gibt es auch solche Fälle wie den, über den wir heute berichten. Zwei hohe Polizeibeamte waren auf der Hochstraße in Buer unterwegs – ohne Maske. Ein Verhalten, das, vorsichtig formuliert, nicht besonders klug ist, und für das sich die Polizei auch entschuldigt hat. So ein Fehler ist menschlich, klar, aber gerade bei hochrangigen Vertretern des Staates darf und sollte man ruhig andere und höhere Maßstäbe anlegen – Stichwort Vorbildfunktion.

Wer sich nicht an die Maskenpflicht hält, verstößt gegen geltendes Recht

Warum wissen wir davon? Weil ein Bürger, ein ehemaliger Polizist, der die beiden kennt, sie angezeigt hat. Das wirft dann doch einige Fragen auf. Warum hat er seine beiden Ex-Kollegen nicht einfach auf ihr Fehlverhalten angesprochen? Was war seine Motivation, die Sache öffentlich zu machen?

Die Maskenpflicht gilt, wer sich nicht daran hält, verstößt gegen geltendes Recht. Das zu sanktionieren, ist Aufgabe des Staates. Diese Regel verlangt uns allen gerade viel ab, aber es sind eben auch keine normalen Zeiten, die wir durchmachen. Da ist es umso wichtiger zusammenzustehen. Keine Maske zu tragen, ist unsolidarisch, wer das macht, muss damit rechnen und verdient es, darauf angesprochen zu werden.

Was hingegen ausdrücklich abzulehnen ist, ist, dass wir zu einer Gesellschaft von Denunzianten und Hilfssheriffs werden, die die Situation ausnutzen, etwa um ungeliebten Mitmenschen „eins auszuwischen“. Für solchen Unsinn ist die Lage zu ernst.

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