Umbau von Heilig Kreuz

Gelsenkirchen bekommt 2021 einen spektakulären Kulturtempel

Prof. Helmut Hasenkox, Geschäftsführer der Emschertainment GmbH, und Architektin Kerstin Gäfke auf der Großbaustelle in Gelsenkirchen.

Prof. Helmut Hasenkox, Geschäftsführer der Emschertainment GmbH, und Architektin Kerstin Gäfke auf der Großbaustelle in Gelsenkirchen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Ückendorf.  Die Gelsenkirchener Heilig-Kreuz-Kirche wird für 15 Millionen Euro bis 2021 zum Veranstaltungshaus umgebaut. Ein Rundgang über die Großbaustelle.

Die mit Plastikfolie umwickelten Geräte stehen dicht an dicht kurz hinter dem Eingangsbereich. „Das ist die Lüftungsanlage. Und da oben“, sagt die Architektin und Bauprojektleiterin Kerstin Gäfke und zeigt durch eine große Öffnung in der Decke, „da oben im Glockenturm wollen wir sie einbauen“.

Die im Januar 2019 gestarteten Umbauarbeiten in und an der Heilig-Kreuz-Kirche schreiten voran. Inzwischen sei man wieder im Zeitplan, atmet die in Gelsenkirchen lebende Gäfke vom städtischen Referat Hochbau und Liegenschaften auf. „Der milde Winter hat uns da richtig in die Karten gespielt.“ Wenn alles so gut weiterläuft, sollen sich die Pforten zur neuen Kulturkirche im Sommer 2021 öffnen.

Einst Zentrum Ückendorfs und die Heimat für 1400 Gläubige

Die von dem bekannten Kirchenbaumeister Josef Franke im Jahr 1929 erbaute Heilig-Kreuz-Kirche gilt als ein Prunkstück des Backsteinexpressionismus im Ruhrgebiet und war bis 2007 das Zentrum der katholischen Gemeinde im Stadtteil Ückendorf. Bis zu 1400 Gläubige fanden hier ihre zweite Heimat.

Das Bistum entschied zu dieser Zeit aber, das Traditionsbauwerk zu schließen. „Aus Kostengründen“, so die Katholische Kirche. Was tun? So lautete die Schlüsselfrage. Die Antwort: Die Kirche soll in ein Multifunktionshaus umgewandelt werden, das als Kulturspielstätte, Kongresszentrum und Stadtteiltreffpunkt dient.

Die Parabelbögen ziehen die Blicke magisch auf sich

Beim Betreten des Kircheninneren wandert das Auge des Besuchers fast automatisch in Richtung Decke. Die in Blau- und Türkistönen bemalten Parallelbögen ziehen die Blicke magisch auf sich. „Hier im Veranstaltungsraum wird es bis zu acht verschiedene Bestuhlungsvariationen geben“, kündigt Prof. Helmut Hasenkox (60) an. Er ist Geschäftsführer des künftigen Betreibers Emschertainment. Und in dieser Spielstätte werden nach der Fertigstellung bis zu 800 Gäste Platz finden.

Die Spielstätte soll überregional Strahlkraft entfalten

„Wir sind fest davon überzeugt, dass dies eine Spielstätte von überregionaler Strahlkraft werden kann“, gerät Hasenkox bereits ins Schwärmen. Er ist sich sicher, dass alle, die hier künftig auftreten werden, diesen Ort wegen seiner Besonderheit und dem räumlichen Erlebnis in der gesamten Künstlerszene weiterempfehlen werden. Mit rund 14 Metern Breite, zehn Metern Tiefe und fast 23 Metern Höhe bietet die Bühne ungeahnte Ausmaße. „Auch das wollen und werden wir nutzen“, so der Emschertainment-Chef.

Öffnen will er die Location für Vorführungen aus den Bereichen Comedy, Kleinkunst, Kabarett und klassische Musik. Auch Rock- und Pop-Musiker würden hier ein optimales Ambiente für so genannte Unplugged-Shows finden, wenn sie mal auf leisere Töne setzen wollen. „Nur Heavy Metal wird es hier nicht geben – und blasphemische Inhalte“, kündigt Hasenkox an.

Glocken aus Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen ausgebaut
Glocken aus Heilig-Kreuz-Kirche in Gelsenkirchen ausgebaut

Nicht nur die Kirche, sondern auch der ebenfalls einst von Architekt Franke entworfene rechte Flügelbau erlebt derzeit seine Renovierung. Im Rahmen des Umbaus entstehen weitere Räume. „Diese sollen den Vereinen und Initiativen aus dem Stadtteil Platz bieten“, sagt Sarah Loch vom Referat für Stadtplanung. Sie erklärt, dass der Kirchenumbau ein elementarer Bestandteil für die Revitalisierung der Bochumer Straße und des gesamten Stadtteils Ückendorf sei.

Gelsenkirchen muss zehn Prozent der Gesamtsumme aufbringen

Fest steht laut Projektleiterin Gäfke schon jetzt, dass die für den Umbau zunächst geplanten und dann auch zur Verfügung gestellten Gelder in Höhe von rund zehn Millionen Euro nicht ausreichen werden. „Wir gehen derzeit von 15 Millionen Euro aus, die wir benötigen“, sagt sie. Derzeit werde über eine entsprechende Erhöhung verhandelt. 90 Prozent der Summe stammt aus Fördertöpfen für Städtebau, die die EU, der Bund und das Land NRW zur Verfügung stellen. Zehn Prozent muss die Stadt Gelsenkirchen aufbringen.

Die erste Kalkulation stammte noch aus dem Jahr 2016

Der Grund für die Erhöhung seien die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Baukosten. Die erste Kalkulation stammte noch aus dem Jahr 2016. Insgesamt über 50 Gewerke wurden beauftragt. In Spitzenzeiten werden bis zu 100 Facharbeiter gleichzeitig im Einsatz sein. Sie beschäftigen sich auch mit der Fassade des Kirchenbaus. Die wird nicht nur gereinigt, zudem werden auch Fugen erneuert und neue Fenster vor die ursprüngliche Bleiverglasung montiert. „Das alles geschieht in enger Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde“, sagt Gäfke.

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