Stadtumbau

Geläut von Heilig Kreuz in Gelsenkirchen wird zum Pausenton

Die Kirchenglocken werden im April durch den Turm ins Erdgeschoss der Kirche herabgelassen.Was danach mit ihnen geschieht, ist bislang noch offen. Auf jeden Fall sollen die Glocken als Teil des Denkmals erhalten bleiben. Aufgestellt werden sollen sie jedoch nicht.

Die Kirchenglocken werden im April durch den Turm ins Erdgeschoss der Kirche herabgelassen.Was danach mit ihnen geschieht, ist bislang noch offen. Auf jeden Fall sollen die Glocken als Teil des Denkmals erhalten bleiben. Aufgestellt werden sollen sie jedoch nicht.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen-Ückendorf.   Der Klang der Glocke Heiliges Kreuz wird nach dem Umbau der Kirche zum Veranstaltungsort als Signal erklingen. Das Denkmal wird ab 2021 bespielt.

„Heiliges Kreuz“, „Heilige Maria“, Heilige Maria Magdalena“, „Heiliger Johannes“ und „Heiliger Franziskus“ hängen noch in trauter Verbundenheit in ihrem Stahlgestell hoch oben im Glockenturm von Heilig Kreuz an der Bochumer Straße. Am 21. Juni 1959 erklangen sie hier erstmals, läuteten bis zur Außer-Dienst-Stellung 2007 ungezählte Male zu freudigen und traurigen Anlässen.

Ihre Tage im Turm sind nun gezählt. Im April soll das Geläut (mit den Grundtönen cis, e, fis, gis und a) demontiert werden. Akustisch erhalten bleibt allein ein Ton – der Schlag von „Heiliges Kreuz“. Künftig soll er den Ton als Pausengong angeben, wenn sich der Sakralraum zu einem besonderen Veranstaltungsort gewandelt hat. Bis 2021 soll das Riesenprojekt abgeschlossen werden. Die Arbeiten laufen hochtourig.

Das Bauwerk bekommt Fernwärmeanschluss

In den Seitenflügeln laufen Abbrucharbeiten. Gräben tun sich vor dem Kirchenschiff auf, queren den Weg zum Haupteingang, laufen bald am Seitenschiff vorbei. Schwarze Rohre sind verlegt worden. Das Bauwerk bekommt Fernwärmeanschluss. Der Boden im Kirchenraum ist mit Spanplatten abgedeckt worden. Der Backsteinboden gehört zum Gesamtdenkmal, soll unter einem neu einzubauenden Belag ebenso erhalten bleiben wie die Wandbemalung, bewahrt werden soll auch der ganz besondere Charme dieser Kathedrale des Backstein-Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit.

Spielstätte für Gelsenkirchen und das Ruhrgebiet

Prof. Helmut Hasenkox, Chef der Emschertainment GmbH, die Heilig Kreuz künftig bespielen soll, gerät angesichts der Aussichten in dieser einzigartigen Parabelkirche ins Schwärmen: „Wir kriegen hier den wunderbaren großen und festlichen Saal, den wir mit dem alten Hans-Sachs-Haus verloren haben. Das macht diesen Raum hier so einzigartig.“ Als Spielstätte für Gelsenkirchen, für das Stadtviertel, aber eben auch für das Ruhrgebiet will Emschertainment Heilig Kreuz nach der Verwandlung positionieren, dazu gehört auch der Glockenklang, der für die diese Zukunft konserviert wird.

Das Haus des Großvaters saniert

Die Idee dazu hat Thomas Franke mitgebracht. Und zwar aus Bochum. Dort erinnert der Glockenschlag auch an die kirchliche Vorgeschichte des heutigen Musikforums. Franke, 70, selbst Architekt und über Jahrzehnte Stadtplaner für die Stadt Essen, ist der Enkel von Josef Franke. Die 1927 bis 1929 nach seinen Plänen errichtete Kirche gilt als sein herausragender Sakralbau. Thomas Franke ist als Berater in den Planungsprozess eingebunden und „sehr daran interessiert, was hier passiert“. Dass der Kirchen- zum Veranstaltungsraum wird, findet Franke „sehr gut. Ich bin froh, dass das hier so läuft“. Den Großvater hat Thomas Franke nicht kennengelernt. Der Architekt starb 1944. „Uns trennen vier Jahre, sagt der Enkel, der sich dem Opa dennoch über dessen Bauten verbunden fühlt. In einem wohnt er – Franke hat das Wohnhaus des Großvaters saniert und bezogen.

Platz für das 12 mal 3 Meter große Lüftungsaggregat

Im Glockenstuhl verfolgt er Dienstag, wie sich Bau- und Presseleute die Ohren zuhalten, als die Glocke „Heiliges Kreuz“ noch einmal angeschlagen wird, ihren satten Klang durch die Schallluken an die Außenwelt abgibt. Der Platz im Turm wird in Zukunft eine profane Umnutzung erfahren: Stabil von der Statik und optimal von der Lage wird er das zwölf mal drei Meter große Lüftungsaggregat aufnehmen. Hasenkox: „Heizung und Lüftung darf man im Saal nicht hören.“ Dem Himmel nah ist die Anlage allemal weit genug entrückt.

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