Soziales

Gedenken an Drogentote in der Gelsenkirchener Innenstadt

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Mit einer Installation unter dem Motto „too young to die“ erinnert Arzt Mobil e.V. an die Drogentoten  in Gelsenkirchen.

Mit einer Installation unter dem Motto „too young to die“ erinnert Arzt Mobil e.V. an die Drogentoten in Gelsenkirchen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Altstadt.  Arzt Mobil e.V. erinnert zum nationalen Gedenktag vor der St. Augustinus-Kirche an Drogentote. 21 neue Namen stehen auf dem Baum in der Mitte.

Die Zahl stimmt schon nicht mehr, sie ist wieder gewachsen. In dem gepflasterten Kreis vor der St. Augustinus-Kirche hat Arzt Mobil, der gemeinnützige Verein, symbolisch Kleidungsstücke drapiert. Die Vornamen sind ausgeschrieben, die Familiennamen der Drogentoten des letzten Jahres sind abgekürzt. Das Mittagsläuten vom Turm passt, es ist nationaler Gedenktag der Drogentoten.

„Es sind nicht nur Passanten, es sind auch die Leute, die wir von den Szenetreffpunkten kennen“, stellt Jennifer Ruhnau fest. Sie ist Sozialarbeiterin beim Streetwork-Projekt mit der Caritas und weiß aus den vergangenen Jahren, „sie kommen auch zum Gedenktag extra hierher.“ An den Treffpunkten gibt es dazu eigene, kleinere, stille Aktionen für die Bekannten und Freunde, „mit gestalteten Erinnerungssteinen und Kerzen“, hat sie beobachtet.

An den Treffpunkten in Gelsenkirchen stehen Kerzen

Daniela Wolf, Sozialpädagogin und Fachkraft in der Psychosozialen Beratung, beschreibt: „Es gibt kaum belastbare offizielle Daten, die Dunkelziffer ist hoch. Nicht alle, die erfasst werden, sterben an einer Überdosis.“ Immerhin, 2020 weist 1380 Drogentote in Deutschland aus, und im Team von Arzt Mobil haben sie das Gefühl, dass die Zahl insgesamt wieder steigt.

Was sie sagen können, „dass das Alter zwischen 40 und 50 Jahren eine kritische Marke bildet“. Das zeigt sich heute auch bei der Gedenkveranstaltung, die Norbert Labatzki musikalisch mit verschiedenen Balladen begleitet. In der Mitte des Kreises aus anonymen Kleidungsstücken ohne Inhalt steht der Gedenkbaum, an dem alle Namen versammelt werden.

Ursprung in Gladbeck

Dr. Wolfgang Nolte, Vorsitzender des Vereins, erinnert: „Der Tod ist hier ganz nah.“ Erheblich häufiger, machen die Sozialarbeiterinnen aus dem Team heute in den Gesprächen mit den Passanten klar, sterben die Menschen, die sie betreuen, an den Folgen, die der Drogenkonsum auf den Körper hat. Häufiger als an der Überdosis. Der Gedenktag am 21. Juli, der auf eine Aktion von Angehörigen von Drogentoten in Gladbeck zurückgeht, steht unter dem Motto „too young to die“, „zu jung um zu sterben“.

Kontakt, Beratung, Vermittlung

Das Team von Arzt Mobil Gelsenkirchen versucht, die Drogenkonsumenten dahin zu bekommen, dass sie medizinisch versorgt werden und unter Umständen eine Substitutionsbehandlung angehen, etwa mit Methadon. Dazu setzt es auf eine möglichst ständige Aufnahme und Pflege von Kontakten, Aufklärungsarbeit und die Verteilung von sauberen Spritzbestecken, „safer-use“-Materialien. Außerdem unterstützen sie bei der Vermittlung in Entzugskliniken und darauf folgende Entwöhnungstherapien.

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