Gas-Alarm

Gasalarm im Nordsternpark: Leckage in Koksgasleitung

Feuerwehrleute und andere Experten suchten in Gelsenkirchen gut 25 Stunden lang nach der Ursache für einen Gasaustritt am ehemaligen Kohlenbunker im Nordsternpark. Hier ein Bild von Mittwochmittag. Am Bunker hatten zuvor am Dienstagabend, 12. November, gegen 18 Uhr Sträucher gebrannt. Weil eine extrem hohe Belastung von giftigem Kohlenmonoxid gemessen wurde, löste das einen großen Einsatz aus.

Feuerwehrleute und andere Experten suchten in Gelsenkirchen gut 25 Stunden lang nach der Ursache für einen Gasaustritt am ehemaligen Kohlenbunker im Nordsternpark. Hier ein Bild von Mittwochmittag. Am Bunker hatten zuvor am Dienstagabend, 12. November, gegen 18 Uhr Sträucher gebrannt. Weil eine extrem hohe Belastung von giftigem Kohlenmonoxid gemessen wurde, löste das einen großen Einsatz aus.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Giftiges Gas strömte aus dem Boden am Kohlebunker im Nordsternpark. Die Ursache steht fest: Eine Koksgasleitung Erde ist leck geschlagen.

Nach gut 25-stündiger, fieberhafter Suche ist die Ursache für den Gasalarm im Gelsenkirchener Nordsternpark gefunden worden. Das giftige Kohlenmonoxid (CO), das am Dienstagabend auch ein Feuer verursacht hatte am ehemaligen Kohlebunker, ist aus einer leck geschlagenen Koksgasleitung entwichen. Den entscheidenden Hinweis ergaben Luftaufnahmen.

Sechs Feuerwehrleute waren am Dienstagabend bei den Löscharbeiten leicht verletzt worden. Sie klagten über Schwindelgefühl und wurden vorsorglich wegen des Verdachts einer Kohlenmonoxidvergiftung im Krankenhaus behandelt.

Aus einem Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera entdeckten die Einsatzkräfte am späten Nachmittag signifikante Wärmeunterschiede im Erdreich, „gut 100 Meter vom ursprünglichen Einsatzort entfernt“, wie Feuerwehrsprecher Carsten Jost erklärte.

Sondierungsbohrungen und Proben in dem Bereich führten dann zu einem eindeutigen Ergebnis. Die erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration war auf eine Leckage an einer unterirdisch verlaufenden Koksgas-Leitung zurückzuführen.

Defekte Gasleitung abgeriegelt

„Die Gasleitung wurde außer Betrieb genommen“, so Jost weiter. Innerhalb kürzester Zeit seien die CO-Messwerte dann stark rückläufig geworden.

Mittwochmittag sah die Lage ganz anders aus, da befürchtete Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Gulitz noch, dass die Suche nach der Ursache für den Gasalarm „Tage dauern könnte“. Da aber zu dem Zeitpunkt die größte Gefahr einer Explosion von Gas, Kohlestaub und Luft gebannt war, konnte die Sperrung des Parks teilweise wieder aufgehoben werden, unter anderem der Zugang zur beliebten Hundewiese.

Bis zur Entwarnung am Mittwochabend blieben allerdings die drei Emscherbrücken und das Areal zwischen Klettergarten und Amphitheater gesperrt. Der Kommunale Ordnungsdienst unterstützte dabei die Polizei bei den Absperrmaßnahmen. Kräfte der Bereitschaftspolizei sicherten zudem die Zuwege in die grüne Lunge der Stadt. Im Einsatz waren insgesamt etwa 100 Kräfte.

Problem: Pläne von Gebäudeund Geländestrukturen fehlen

Gut 20 Stunden nach Einsatzbeginn fokussierte sich die Ursachensuche ab Mittag auf den Kohlebunker beziehungsweise auf das, was darunter liegt. Also etwa ehemalige Schächte der ehemals dort beheimateten Zeche Nordstern, Keller, Verfüllungen oder andere Hohlräume. Zuvor wurde der nahe Emscherdeich abgesucht, entlang des Walls verlaufen viele Leitungen, darunter auch eine mit Kokereigas. Die Vermutung der Feuerwehr: „Irgendwo glimmt Kohle vor sich hin“. Die Frage war eben nur, wo.

Was die Suche so erschwert hat, war der Umstand, dass es augenscheinlich keine „genauen Planungsunterlagen mehr gibt“, so Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Gulitz. Hin und her liefen die Telefongespräche mit der Bezirksregierung Arnsberg. Denn die Behörde hat nach Auflösung des zuständigen Bergamtes 2008 neben den Aufgaben der Betriebssicherheit und Arbeitssicherheit für den Bergbau auch das Kartenmaterial übernommen, was unter anderem Schächte, Flöze, Zechengebäude und entscheidende Geländestrukturen vor Ort zeigt.

Experten der Feuerwehr, der Ruhrkohle AG, der Bezirksregierung oder auch der Ingenieurgesellschaft DMT suchten gemeinsam nach dem Grund für den Gasaustritt. Auch das Landesumweltamt wurde nachmittags verständigt, um über bessere Messtechnik herauszufinden, um welches Gas es sich eigentlich handelt. Denn die Messgeräte vor Ort schlagen allein nur bei überhöhter CO-Konzentration an.

Thomas Gulitz: „Wir haben am Bunker extrem erhöhte CO-Werte gemessen, können aber nicht sagen, ob es sich bei dem Gas um Methan, Ethan oder Butan handelt.“ Während des Einsatzes von Feuerwehr und Polizei wurde der Gefahrenbereich weiträumig abgesperrt.

Mittwochmorgen war das aufwändig umgestaltete, ehemalige Gelände der Bundesgartenschau 1997 noch komplett abgeriegelt. Auch die Schifffahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal musste zeitweise eingestellt werden. Gegen Mittag erst konnte der Schiffsverkehr auf dem Kanal wieder freigegeben werden. Eine erneute Kohlenmonoxid-Messung am Wasserweg hatte unauffällige Werte ergeben.

Ausgelöst hat den Einsatz am Dienstag gegen 18 Uhr ein Kontrolleur, der die Kokereigasleitung inspizierte. Sein Gaswarngerät schlug Alarm und zeigte eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration abseits der Rohrleitung an. Zudem sei ebenerdig ein Feuerschein im Bereich des alten Kohlebunkers sichtbar. Einige Sträucher brannten.

Gekühlt, geflutet und gelüftet,um Explosionsrisiko zu mindern

Die Feuerwehr entsandte daraufhin umgehend Einheiten der Feuerwache Heßler zum Unglücksort. Die ersten Einsatzkräfte konnten die Berichte des Anrufers bestätigen. Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Gulitz: „Bläulich gelbe Flamen traten aus dem Boden aus, ein Warnzeichen für gefährlichen Gasaustritt.“ Die Flammen hatten bereits ein Stromkabel so stark beschädigt, so dass sich die Löschmaßnahmen verzögerten. Denn zunächst musste die Leitung stromlos geschaltet werden.

Die ganze Nacht hindurch wurde seit Dienstagabend der betroffene Bereich mit Wasser gekühlt und Hohlräume gelüftet. So sollte verhindert werden, dass sich Kohlestaub entzündet und es zu einer Explosion des Gas-Staub-Luftgemisches kommt.

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