Eröffnungsgala

Gala im Musiktheater Gelsenkirchen macht Appetit auf mehr

Intendant Michael Schulz „Im Gespräch“ mit dem überlebensgroßen Puppen-Skelett, das eine Rolle in der Oper „Frankenstein“ spielen wird.

Intendant Michael Schulz „Im Gespräch“ mit dem überlebensgroßen Puppen-Skelett, das eine Rolle in der Oper „Frankenstein“ spielen wird.

Foto: Andreas Hofmann / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Ein Skelett und die Dance Company sorgten für Furore bei der Eröffnungsgala im Musiktheater Gelsenkirchen. Der Theaterpreis ging an Manuel Schmitt.

Das skelettierte Monster rollt mit den Augen und klappert mit den Zähnen. Und das Publikum staunt über eine überlebensgroße, schaurig-schöne Puppe mit erstaunlichem Eigenleben. Bei der Gala zur Spielzeiteröffnung 19/20 am Sonntagabend im Musiktheater im Revier servierte das Opernhaus spannende und überraschende Kostproben aus den Produktionen der neuen Saison, darunter aus der Oper „Frankenstein“ von Jan Dvorak, in der erstmals die neue Puppenspiel-Sparte eindrücklich zum Zuge kommt.

Die Gala bot auch diesmal in einer dreieinhalbstündigen, kurzweiligen und informativen, von Generalintendant Michael Schulz launig moderierten Show Rückblick und Ausblick gleichermaßen. Gleich zwei Aspekte machten die Gala in diesem Jahr für das Publikum besonders spannend. Mit welcher Tanzsprache wird der neue Ballettdirektor Giuseppe Spota seine MiR Dance Company vorstellen, und wer werden die Gewinner des 22. Gelsenkirchener Theaterpreises sein?

Theaterpreis für den Regisseur der „Perlenfischer“

Sparkassenchef Bernhard Lukas lüftete das Geheimnis um die Gewinner der mit 10.000 Euro dotierten und von der Sparkasse Gelsenkirchen gestifteten Auszeichnung. Der Hauptpreis ging an den Regisseur Manuel Schmitt für seine herausragende Inszenierung der Bizet-Oper „Die Perlenfischer“. Jeweils einen Förderpreis erhielten die Tänzerin Hitomi Kuhara und der Tenor Khanyiso Gwenxane. Der gebürtige Oberhausener Schmitt hatte die Juroren mit seinem magischen Eingangsbild eines hinter transparentem Vorhang in die Tiefe schwebenden Tauchers überzeugt, aber auch, so heißt es in der Begründung, „mit der bühnenwirksamen Übersetzung einer doch ziemlich fern entrückten, im exotischen Ambiente angesiedelten Geschichte in eine verbindliche, für jeden nachvollziehbare Gegenwart“.

Förderpreise für die Tänzerin Hitomi Kuhara und den Tenor Khanyiso Gwenxane

Jurymitglied und Vorsitzender des Kulturausschusses, Klaus Hermandung, hielt die Laudatio auf die Preisträger. Die japanische Tänzerin Hitomi Kuhara, die übrigens als einziges Mitglied der Breiner-Compagnie dem Haus erhalten bleibt, nannte der Laudator eine großartige Künstlerin, die vor allem als Puck in Bridget Breiners „Sommernachtstraum“ ein echter Publikumsliebling geworden sei: „Ihre rasanten Bewegungen und ihre freche Mimik sind herausragend und durch die gesamte Darstellung hindurch wunderbar komisch gewesen.“ Trotz Verletzungspechs in der Premiere hatte sie ihre Rolle mit eiserner Disziplin zu Ende gespielt.

Der junge südafrikanische Sänger Khanyiso Gwenxane, seit einem Jahr Ensemblemitglied, erhielt einen Förderpreis für seine klangschöne, lyrische Tenorstimme. Er verzauberte das Publikum, so die Jury, vor allem mit der Interpretation eines edlen und stimmschönen Lenski in Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“. In der Laudatio hieß es: „Seine subtile Phrasierung und dynamische Noblesse klingen im Gedächtnis noch lange nach.“

Grandiose Vorstellung der neuen Dance Company um Giuseppe Spota

Der zweite, mit großer Neugier erwartete Programmpunkt: der Auftritt der neuen, 16-köpfigen Tanztruppe. Um es vorweg zu sagen: grandios gelungen! Ballettchef Giuseppe Spota choreografierte mit „Im Puls“ eine energiegeladene, rhythmisch aufgeheizte Hommage an seine neue Heimat Gelsenkirchen. Zum elektronisch klirrenden Sound von Großstadtgeräuschen (Greg Haines) tanzte die Compagnie vor allem im Ensemble, barfuß, kraftvoll, getrieben vom Puls der Zeit und dem Sound der City. Der zweite, ruhige Teil zum klassischen Klaviersound widmete sich den einzelnen Figuren in unterschiedlichen Konstellationen. „Ja“, sagt Spota im Gespräch mit Schulz, „ist habe mich von ersten Eindrücken Gelsenkirchens inspirieren lassen, von dem Feuer der Stadt, aber auch von schönen Plätzen.“ Das Publikum feierte die starken Tänzer und ihr modernes Bewegungsvokabular.

Kostproben aus Oper, Operette und Rock-Spektakel

Und sonst: Begleitete die Neue Philharmonie Westfalen unter Leitung von Rasmus Baumann, Giuliano Betta und Bernhard Stengel aufmerksam die einzelnen Kostproben aus Oper, Operette und Rock-Spektakel. Um nur einige zu nennen: Mezzo Almuth Herbst, eine der wichtigen Konstanten im MiR, glänzte mit „Rataplan“ aus Verdis „Macht des Schicksals“, Dong Min Lee, Tobias Glagau und Lina Hoffmann interpretierten Stücke aus Haydns wenig bekanntem „Orlando Paladino“. Petra Schmidt und Martin Homrich trafen sich zum beeindruckenden Duett aus Janaceks außergewöhnlichem Werk „Die Sache Makropoulos“. Und auch die „Gassenhauer“ begeisterten: Lieder aus der Johann-Strauß-Operette „Der Zigeunerbaron“ und „Frau Luna“ von Paul Lincke.

Ab jetzt hat das Publikum die Qual der Wahl. Einer, der diesmal gar nicht auf der Bühne stand, am Rande aber dennoch von fast allen herzlich begrüßt wurde, war der ehemalige Generalmusikdirektor der Neuen Philharmonie, Johannes Wildner. Auf Stippvisite im Revier besuchte er auch seine ehemalige Wirkensstätte.

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