Prozess

Flüchtling in Gelsenkirchen erstochen: acht Jahre Gefängnis

Gelsenkirchen.   Im Fall eines blutigen Streits vor einem Gelsenkirchener Asylheim steht nun das Urteil fest. Der Angeklagte (19) muss acht Jahre ins Gefängnis.

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Der zwei Jahre zurückliegende tödliche Streit unter Asylbewerbern vor der Flüchtlingsunterkunft an der Katernberger Straße in Gelsenkirchen ist juristisch geklärt. Die Essener Jugendstrafkammer verurteilte am Mittwoch den 21 Jahre alten Nigerianer Jackson O. zu acht Jahren Haft wegen Totschlags. Er hatte seine Verantwortung während des gesamten Verfahrens abgestritten, sein Verteidiger Victor Berger hatte entsprechend Freispruch beantragt.

Doch das Gericht hatte keinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Mehrere Passanten hatten die Tat auf offener Straße beobachtet und schilderten dem Gericht den Ablauf. Ein Landsmann hatte den Angeklagten mit blutverschmierter Hand gesehen.

Zuvor das Handy gestohlen

Laut Anklage hatte Jackson O. das spätere Opfer in Verdacht, ihm Wochen vorher das Fahrrad und kurz zuvor das Handy gestohlen zu haben. Möglicherweise sei diese Auseinandersetzung das Motiv für die Tat gewesen, hatte es in der Anklage geheißen. Unvermittelt hatte Jackson O. vor dem Asylheim auf das damals 19 Jahre alte Opfer, das aus Marokko kam, eingestochen.

Danach setzte er sich über Holland nach Italien und Frankreich ab. Erst am 21. Dezember 2017 hatte die Polizei ihn in den französischen Alpen festgenommen. Kurz darauf, am 4. Januar 2018, lieferte Frankreich ihn an Deutschland aus.

Das Motiv bleibt ungeklärt

Richter Volker Uhlenbrock gestand im Urteil ein, dass das Gericht bei der Motivsuche vor Rätseln stehe: „Warum musste es soweit kommen? Darauf haben wir keine Antwort.“

Es sei ein ganz dramatisches Geschehen gewesen. Das Blut sei aus dem Hals des Opfers geflossen, als habe jemand einen Wasserhahn geöffnet, sagte Uhlenbrock. Sicher sei die Kammer nur, dass es keinen erkennbaren Anlass für den Einsatz des Messers gegeben habe, auch keine Beleidigungen, die das Opfer dem Angeklagten zugefügt habe. Uhlenbrock: „Vielleicht war es ja der Frust über sein Leben. Er hatte viele Hoffnungen in ein Leben in Europa gesetzt, letztlich haben sie sich alle zerschlagen.“

Staatsanwalt Lukas Kapica hatte 13 Jahre Haft nach Erwachsenenstrafrecht gefordert, weil er bei dem Angeklagten keine Reifeverzögerung gesehen habe. Dem schloss das Gericht sich nicht an. Beim Jugendstrafrecht ist die Höchststrafe auf zehn Jahre Haft beschränkt.

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