Wirtschaft

Firma nutzte Tierschutz für Geschäftsstrategie

Wenn Tiere in Not sind, ruft das in vielen Fällen Spendenbereitschaft hervor. So auch bei Tierfreunden in Gelsenkirchen. Foto: Caroline Seidel

Wenn Tiere in Not sind, ruft das in vielen Fällen Spendenbereitschaft hervor. So auch bei Tierfreunden in Gelsenkirchen. Foto: Caroline Seidel

Gelsenkirchen.   Tiere in Not rufen Spendenbereitschaft hervor. Die Firma "Brunner mobil" nutze das - und warb bei Kunden um Anzeigen auf Fahrzeugen, mit denen sie das Gelsenkirchener Tierheim ausstattete. Doch das System der Firma gab dem Tierheim zu denken.

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Es ist nichts dabei, um Unterstützung für die gute Sache zu werben. Doch offensichtlich ist auch hier Obacht geboten, wie der Tierschutzverein Gelsenkirchen nun erlebte. Die Firma „Brunner mobil“ stattete das Tierheim seit 2003 mit Fahrzeugen aus, die sie über Werbeanzeigen auf dem Auto finanzierte. Nach mehreren Beschwerden von Kunden kündigte der Tierschutzverein nun den Vertrag mit der Firma.

Die Tierärztin Annette Joswig hatte sich, stellvertretend für mehrere Werbekunden der Firma, an die WAZ gewandt und erhob Vorwürfe. „Der Vertreter der Firma kam im vergangenen Jahr in meine Praxis und warb um eine Beteiligung an dem Fahrzeug. Wir dachten alle, das Geld, das wir geben, kommt dem Tierheim zugute. Man will doch dem Tierschutz etwas Gutes tun.“ Wenig später erhielt sie eine Rechnung und zahlte gute 800 Euro für eine Anzeige auf dem Fahrzeug, das den Tierschützern zur Verfügung gestellt wurde. „Bis dahin dachte ich, das wäre eine Spende.“

Von einer Spende sei nie die Rede gewesen

Ein Vorwurf, den der angesprochene Vertreter von „Brunner mobil“, der anonym bleiben möchte, nicht auf sich sitzen lassen will. „Von einer Spende war nie die Rede“, präsentiert er den Vertrag, den alle Werbekunden unterzeichnet haben (das Papier liegt der WAZ vor). Und tatsächlich ist hier von einer „Fahrzeug-Werbeflächenbelegung“ die Rede, begleitet von dem Motto der Firma „Tue Gutes und zeige es!“. Das Papier ist spärlich, enthält acht kurze Vertragspunkte, die das Geschäftsverhältnis regeln.

Alles laufe transparent und ordentlich, betont der freie Handelsvertreter. Meist mache er einen Termin mit dem Kunden, selten betreibe er eine Kaltakquise. „Wir haben immer ein Empfehlungsschreiben des Vereins, für den wir werben, dabei. Ohne gehen wir nicht raus.“ Dann verkauft „Brunner mobil“ Anzeigen auf dem Fahrzeug. Im besten Fall in weitaus höherem Wert als dem des Autos. So funktioniert das System.

Trennung von "Brunner mobil"

Bernd Reddig, neues Vorstandsmitglied beim Tierschutzverein, gibt das zu denken. „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie viel Geld in unserem Namen gesammelt wurde.“ Dass die Finanzierung steht, merkt der Verein daran, dass das Auto ausgeliefert wurde. Wie groß der Überschuss ist, erfahren die Tierschützer nicht.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass der Vertreter von „Brunner mobil“ zudem bemüht war, „Patenschaften“ zu vermitteln. Er sprach von Spenden, die er annehme, um sie dann ans Tierheim weiter zu leiten. Doch davon wusste der Tierschutzverein nichts. „Das haben wir untersagt. Da haben wir ja gar keine Kontrolle drüber“, so Reddig. Nach diesem Gespräch trennte sich der Tierschutzverein Gelsenkirchen von „Brunner mobil“. Der Vertrag hatte seit 2003 bestanden und sich immer automatisch verlängert. Die neuen Vorstandsmitglieder befassten sich erst wegen der anhaltenden Beschwerden mit dem Vorgang und kündigten umgehend. „Wir gehen somit davon aus, dass Brunner mobil nicht mehr in unserem Namen werben wird“, so Reddig.

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