Fragen & Antworten

Feuer über der Raffinerie: Wann und wieso die Fackel brennt

Immer wieder kommt es zu Fackelaktivitäten mit hellem Lichtschein - wie hier auf dem Gelände des Ruhr-Oel-Werks in Gelsenkirchen-Scholven.

Immer wieder kommt es zu Fackelaktivitäten mit hellem Lichtschein - wie hier auf dem Gelände des Ruhr-Oel-Werks in Gelsenkirchen-Scholven.

Foto: Thomas Schmidtke / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Heller Feuerschein am Himmel: Immer wieder brennen Fackeln an der Raffinerie Gelsenkirchen. Was steckt dahinter? Die wichtigsten Antworten.

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Plötzlich ist der Himmel hell erleuchtet - und viele Anwohner sind in Sorge: Brennt es in der Nachbarschaft? Immer wieder brennen die Fackeln der BP-Raffinerie Gelsenkirchen, wie zuletzt im Werk Scholven. Was steckt dahinter? Wie oft geschieht das Abfackeln? Und ist das ein Grund zur Sorge? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wann kommt es in Raffinerien zu Fackelaktivitäten?

Die Fackelsysteme in der Raffinerie sind nach Angaben von BP wichtige Sicherheitssysteme. Sie sorgen dafür, dass bei Bedarf Gasströme kontrolliert abgeführt und verbrannt werden können. Es gibt planbare Fackelaktivitäten im Rahmen von Instandhaltungen oder wenn eine Anlage in die TÜV-Revision geht. Die Raffinerie Gelsenkirchen wird in einem Turnus von fünf Jahren komplett überprüft, jedes Jahr sind verschiedene Anlagenteile an der Reihe. Auch bei Betriebsstörungen und technischen Defekten kommt es zu Fackelaktivitäten.

Wie viele Fackeln hat ein Werk und wofür sind sie gut?

Die Anzahl der Fackeln ist unterschiedlich. Das BP-Werk Scholven beispielsweise hat elf Hochfackeln und zwei Bodenfackeln. Im Werk Horst sind sechs Hochfackeln in Betrieb. Im Normalbetrieb, also bei der Verarbeitung von Rohöl zu verschiedenen Produkten wie Kraftstoff, kommen sie nicht zum Einsatz. Die entstehenden Gase, die sogenannten Prozessgase, werden in den Anlagen weiterverarbeitet. Dann ist nur eine kleine, kaum sichtbare blaue Pilotflamme an den Fackeln zu sehen.

Anders ist das bei bestimmten Vorgängen wie zum Beispiel im Zuge der TÜV-Revisionen und bei Betriebsstörungen wie Mitte Januar in Scholven: Beim An- und Herunterfahren von Anlagenteilen entstehen große Mengen sogenannter Überschussgase, die nicht verarbeitet werden können. Hier kommen die Raffinerie-Fackeln zum Einsatz, sie funktionieren wie ein Druckventil. Den Gasen wird mit hohem Druck Wasserdampf zugesetzt, und sie werden verbrannt. Dabei entstehen - je nach Gasmenge - ein oft weit sichtbarer Feuerschein und zischende Geräusche. Die Sichtbarkeit der Flamme richtet sich auch nach der Witterung und der Tageszeit, im Dunkeln fällt sie natürlich besonders auf.

Ist das Abfackeln gefährlich für Mensch und Umwelt?

BP betont, dass eine brennende Fackel kein Grund zur Beunruhigung sei, im Gegenteil: Sie signalisiere ein funktionierendes Sicherheitssystem. Es werde generell darauf geachtet, die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten. Nach Angaben von BP verbrennen die Fackeln der Raffinerie das jeweilige Gasgemisch zu mehr als 99 Prozent. In die Luft würden hauptsächlich Wasserdampf und Kohlendioxid gelangen.

Die Verbrennung von Gasen entspreche den Anforderungen der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“, kurz: TA Luft. Sie ist die Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz und enthält Festlegungen zum Stand der Technik, die die Anlagenbetreiber einhalten müssen.

Muss das Abfackeln genehmigt werden?

Für das Abfackeln von Gasen ist eine Genehmigungen durch die Aufsichtsbehörde nötig, in Gelsenkirchen also der Bezirksregierung Münster. An sie muss die Anlagenbetreibende Ruhr Oel GmbH jede Fackeltätigkeit zeitnah melden.

Wie lange dauert der Fackelbebetrieb?

Das ist ganz unterschiedlich. Der Fackelbetrieb dauert so lange, bis die betroffenen Anlagen wieder in den normalen Betrieb genommen werden. Die entstehenden Gase gehen dann wieder in den Verarbeitungskreislauf. Das Abfackeln kann zeitlich zwischen einer Stunde bis hin zu mehreren Tagen schwanken, an denen es zeitweise immer wieder zu Fackeltätigkeit kommt. Da es sich bei den Gasen um Produktbestandteile handelt, sei man auch aus wirtschaftlichen Gründen bestrebt, die Fackelaktivitäten so gering wie möglich zu halten, so BP.

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Wer sich durch Geruch, Geräusche oder Fackelschein belästigt oder beängstigt fühlt, kann sich jederzeit an das BP-Umwelt-Telefon unter der Nummer 0209/366-3588 wenden. Die Mitarbeiter sind laut Ruhr Oel auch über Fackelaktivitäten informiert und können Auskunft geben. Die Werksfeuerwehr stehe auch in engem Kontakt mit der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchen.

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