Kultur & Fotografie

Famose Fotoausstellung zeigt die Zerbrechlichkeit der Natur

| Lesedauer: 4 Minuten
Bereits im März 2020 hatte die Fotografin Angelika Schilling ihre Bilder im Gelsenkirchener Industrie-Club Friedrich Grillo aufgehängt. Doch kurz vor der geplanten Eröffnung kam der Corona-Lockdown. Jetzt ist die Ausstellung in der Feldmark endlich zugänglich – aber nur nach vorheriger Anmeldung.

Bereits im März 2020 hatte die Fotografin Angelika Schilling ihre Bilder im Gelsenkirchener Industrie-Club Friedrich Grillo aufgehängt. Doch kurz vor der geplanten Eröffnung kam der Corona-Lockdown. Jetzt ist die Ausstellung in der Feldmark endlich zugänglich – aber nur nach vorheriger Anmeldung.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Fotos von majestätischer Schönheit sollen vor Folgen des Klimawandels warnen: Ausstellung von Fotografin Angelika Schilling im Industrie-Club.

Diese Eisberge sind von einer solch majestätischen Schönheit, dass jedem Betrachter vor Wucht und Wonne der Atem stockt. Angelika Schilling hat auf ihren Fotos aber nicht nur den Zauber der Natur festgehalten, sondern auch ihre Zerbrechlichkeit. 31 herausragende Arbeiten sind in ihrer Ausstellung bis Dezember im Industrie-Club Friedrich Grillo an der Zeppelinallee in der Feldmark zu sehen. Und diese trägt den Titel, der wie eine Mahnung an die Menschheit und wie eine dunkle Prophezeiung klingt: „Nichts bleibt, wie es war.“

2017 sah sie in Grönland vom Schlauchboot aus die Eisberge schmelzen

Der voranschreitende Klimawandel verändert das Antlitz unseres Planeten – und zwar nicht temporär, sondern für immer. Zu den bedrohtesten Gebieten, die vor der Bedrohung stehen, unwiederbringlich verloren zu gehen, zählt auch das eben nicht „ewige Eis“ von Grönland. „Dort war ich 2017 mit meinem Mann Dieter und einem befreundeten Pärchen. Wir sind an einem Sahnetag mit viel Sonne in einem motorisierten Schlauchboot nah an die Eisberge herangefahren“, erzählt die in Bottrop lebende und wirkende Schilling. Und beim Fotografieren mit ihrer digitalen Kleinbildkamera habe sich sofort ein Flowgefühl eingestellt. Egal, wohin sie blickte: Überall sprangen ihr traumhafte Bildmotive ins Auge. Und Schilling hielt sie alle fest.

In ihrem Gedächtnis sind die einzigartigen Blau- und Weißtöne der gefrorenen Giganten noch immer präsent. Um so erstaunlicher ist es, dass die Fotografin bei diesen Arbeiten ausschließlich auf Schwarz-Weiß-Abzüge gesetzt hat. „Das war eine bewusste Entscheidung“, erklärt Schilling. „Ich wollte keine Postkartenfotografie, sondern ich wollte gezielt auf den Klimawandel hinweisen.“ Und das Schwarz-Weiße hole nun einmal das Wesentliche aus jedem Motiv heraus, sagt sie. „Farbe steuert die Emotion des Betrachters und lenkt ihn nur ab“, begründet sie ihre Wahl. „Ich wollte für eine klarere Wahrnehmung sorgen – und keine Ablenkung.“

Schillings Fotos bestechen mit einer teils brillanten Tiefenschärfe

Auffällig ist nicht nur jeder Bildausschnitt, sondern auch die unfassbare Tiefenschärfe. Diese verleiht den Fotos beinahe etwas Plastisches. Die Betrachterin und der Betrachter scheinen nicht auf ein Foto zu schauen, sondern auf den realen Eisberg. Allein die fehlenden Farben zerstören diese Illusion.

Schilling zeigt aber nicht nur, dass sich im hohen Norden unseres Erdballs der Klimawandel bemerkbar macht, sondern auch auf der südlichen Halbkugel. Einen Teil der ausgestellten Fotos hat sie in Afrika aufgenommen, genauer gesagt: in Namibia. Dort traf sie auf ihrer Rundreise auch auf Menschen, die nach hiesigen Maßstäben nicht nur in bitterster Armut leben. Sondern vor allem mit einer akuten Wasserknappheit. „Und dieses Leben in der Trockenheit hat mich noch mehr schockiert als das Schmelzen der Eisberge“, gibt Schilling zu Protokoll.

Auf der Reise durch Namibia ist Schilling demütig geworden

Doch trotz aller Essensnot und Hoffnungslosigkeit: Schaut man auf die Porträts der Frauen aus verschiedenen Volksstämmen, die Schilling in Namibia aufgenommen hat, erkennt man in ihren Gesichtern Stolz, Weisheit und Würde. „Die Arbeit dort hat mich sehr demütig gemacht“, sagt die Fotografin. „Wir alle sollten froh und dankbar sein für das privilegierte Leben, das wir hier führen dürfen.“

Daten und Fakten zu einem Besuch der Ausstellung

Für einen Besuch dieser sehr sehenswerten Ausstellung bedarf es der Vorbereitung: Der Industrie-Club Friedrich Grillo der Wirtschaftsinitiative Gelsenkirchen (Zeppelinallee 51) kann nur nach vorheriger Absprache besucht werden. Termine unter 0209/94 50 440 oder per Mail: info@win-ge.de.

Es gibt auch Bilder von der Halde Haniel in Bottrop zu sehen. Das ist Schillings „absoluter Lieblingsort im gesamten Ruhrgebiet“. Weitere Infos zur Fotofrau im Netz: www.angelikaschilling.de.

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