Ehrenamt

Expertin engagiert sich als Mittlerin für Pflegebedürftige

Ingrid Wüllscheidt ist ausgebildete Krankenschwester und seit Jahren selbsständig in der Pflegeberatung und -schulung tätig.

Foto: Martin Möller

Ingrid Wüllscheidt ist ausgebildete Krankenschwester und seit Jahren selbsständig in der Pflegeberatung und -schulung tätig. Foto: Martin Möller

gelsenkirchen.   Ingrid Wüllscheidt ist Expertin beim Thema Pflege. Die Gelsenkirchenerin will ihre Kompetenz nun als Mittlerin für Pflegebedürftige einsetzen.

Menschen, die im Pflegeheim oder im betreuten Wohnen leben, leben in einer gewissen Abhängigkeit. In den meisten Fällen in Abhängigkeit der Pflegekassen, in Abhängigkeit gegenüber dem Personal – aber auch abhängig von der Bürokratie der Kommunen.

Um diesen Menschen, die in diesem Umfeld leben, eine unabhängige, hörbare Stimme zu schenken, hat Ingrid Wüllscheidt die Funktion der Ombudsfrau für Gelsenkirchen übernommen.

40 Jahre Erfahrungen gesammelt

„Wer Pflege- oder Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen muss, ist kein Bittsteller“, betont Ingrid Wüllscheidt. Die Grünen-Ratsfrau ist selbst ausgebildete Kinderkrankenschwester und hat mittlerweile durch unzählige Weiter- und Fortbildungen 40 Jahre Erfahrung in der Alten- und Krankenpflege gesammelt. „Dienstleister und Nutzer in der Pflege sind Vertragspartner“, erklärt Ingrid Wüllscheidt. „Mit Rechten und Pflichten auf beiden Seiten.“ Dass es dabei auch zu Unstimmigkeiten und Konflikten kommen kann, sei ganz natürlich. Daher, so die neue Ombudsfrau, sei es wichtig, dass sich jemand ganz neutral für die Lösung dieser Konflikte einsetze.

„Ein absolutes Glück für die Stadt und die Bürger“

Dass Ingrid Wüllscheidt als langjähriges Mitglied der Gelsenkirchener Alzheimergesellschaft auch in diesem Spannungsfeld immenses Wissen mitbringt, sei für dieses Ehrenamt „natürlich ein absolutes Glück, sowohl für die Stadt als auch für die Bürger“, urteilt Luidger Wolterhoff, Sozialdezernent der Stadt. Nun gelte es, die Möglichkeit, sich an die neue Ombudsfrau zu wenden, publik zu machen.

„Natürlich ist Ingrid Wüllscheidt vielen Pflegeheimleitern, Leitern des betreuten Wohnens und den städtischen Mitarbeiten sehr bekannt“, so Wolterhoff weiter. „Wichtig ist nun aber, dass die Ombudsfrau den Bewohnern, den Klienten und deren Angehörigen ein Begriff ist – dass diese um die Möglichkeit wissen, in Problemfällen Ingrid Wüllscheidt als neutrale Vermittlerin einzuschalten.“

Nicht üben den Kopf des Betroffenen hinweg

So ist es nun der nächste Schritt, dass sich die neue Ombudsfrau in den Einrichtungen persönlich vorstellt, damit auch eine gewisse Hemmschwelle abgebaut wird und der Kontakt nicht anonym bleibt. „Mir ist es sehr wichtig, nicht über den Kopf der Betroffenen hinweg tätig zu werden“, sagt Ingrid Wüllscheidt. „Ein persönliches Kennenlernen ist daher sehr wünschenswert.“

Betroffene, Angehörige aber auch Einrichtungspersonal können sich bei Problemen im Bereich der Pflege und Betreuung vertraulich an Ingrid Wüllscheidt wenden.

Drei Fragen an die Ombudsfrau und Politikerin

Lässt sich ein neutrales Amt wie das der Ombudsfrau mit der Ratsfunktion vereinbaren?

„Das kann ich völlig voneinander trennen. Das eine ist mein berufliches, das andere mein ehrenamtliches, soziales Engagement. In vielen Arbeitskreisen sitze ich ‘nur’ als Ingrid Wüllscheidt – ich weiß da schon genau, wann ich welchen Hut aufhabe.

Was hat Sie bewogen, auch dieses Ehrenamt zu übernehmen?

Ich glaube, es lässt sich thematisch gut mit dem verknüpfen, was ich sowieso tue. Es wäre eine vertane Chance gewesen, diese Funktion nicht zu besetzen. Ich bin vorgeschlagen worden – da bin ich auch einfach so, dass ich sage ‘das mache ich’. Außerdem möchte ich, dass ein gutes System besteht, wenn ich selbst einmal in die Situation komme und Hilfe benötige.“

Sie begleiten auch schon lange Menschen, die an Demenz oder Alzheimer erkrankt sind und ihre Angehörigen. Verstehen Sie sich auch gerade in diesem Bereich als Sprachrohr der lange nicht Gehörten?

In diesem Bereich kenne ich mich tatsächlich gut aus. Meine Funktion betrifft sehr viele Teile der Pflege, aber der Kundenkreis im Bereich der Demenzkranken nimmt leider immer mehr zu. Es wird daher natürlich ein wesentlicher Bestandteil meiner Funktion als Ombudsperson sein.

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