Parteiaustritt

Ex-Putzfrau Susi Neumann verlässt die Gelsenkirchener SPD

Als Putzkraft hat Susanne Neumann medial ordentlich Staub aufgewirbelt. Ihre Kritik an der SPD und an Vizekanzler Sigmar Gabriel machte sie 2016 bekannt. Jetzt hat sie die Sozialdemokraten verlassen. 

Als Putzkraft hat Susanne Neumann medial ordentlich Staub aufgewirbelt. Ihre Kritik an der SPD und an Vizekanzler Sigmar Gabriel machte sie 2016 bekannt. Jetzt hat sie die Sozialdemokraten verlassen. 

Foto: Roland Weihrauch

Gelsenkirchen-Horst.   Susi Neumann erklärt ihren SPD-Austritt. Nach einer Debatte mit Sigmar Gabriel war die Gelsenkirchenerin die bekannteste Putzfrau Deutschlands.

Der Parteiaustritt des Dortmunder Bundestagsabgeordneten Marco Bülow aus der SPD und die Reaktionen darauf waren vor wenigen Tagen „das i-Pünktchen“ für Susanne Neumann. Die 59-Jährige kündigte ebenfalls ihren Parteiaustritt an. Neumann, ehemals Mitglied der Linkspartei, hatte erst im April 2016 zu den Genossen gefunden. SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hatte um sie als Sozialdemokratin geworben.

In den Ortsverein Horst-Süd trat Neumann damals ein. Die langjährige Gewerkschafterin und Stölting-Mitarbeiterin hatte es national zu gehöriger Popularität gebracht. Auslöser: eine kurze Klartext-Debatte mit Parteichef Sigmar Gabriel auf der SPD-Wertekonferenz, bei der der Ex-Vizekanzler ziemlich alt aussah.

Bei Anne Will und Maischberger: Gelsenkirchenerin tourte durch Talk-Formate

Die Folge(n) waren wöchentlich im Fernsehen zu sehen. Neumann wurde mit ihrer SPD-Schelte durch die Talk-Formate gereicht, von Anne Will bis Sandra Maischberger. Ihr Themenkanon: Niedriglohn (vor allem in der Reinigungsbranche), Versagen des Sozialstaats, Altersarmut. Mit ihrem Buch „Frau Neumann haut auf den Putz – Warum wir ein Leben lang arbeiten und trotzdem verarmen“ erlangte sie 2017 zudem Bekanntheit. Gefragt war sie in der Folge, wenn es um den Martin-Schulz-Hype in der SPD oder auch die GroKo-Verhandlungen ging. Ihre Meinung hat sie dabei stets kundgetan, wenn sie gefragt wurde, positionierte sich gegen die Große Koalition, später auch gegen Andrea Nahles als Parteichefin

Auf den Putz haut Neumann jetzt auch noch: „Wenn sich jemand über 16 Jahre für sein Mandat den Arsch so aufreißt“ wie der direkt gewählte Abgeordnete Marco Bülow und dann „solche Reaktionen aus der Partei“ erfahre, sei das für sie nicht mehr tragbar gewesen, sagt Neumann. „Von der SPD kann man nix mehr erwarten.“

Vorsitz der IG BAU Emscher-Lippe aufgegeben

Gefremdelt hat sie schon länger mit der SPD. Und die mit ihr. „Von Anfang an“ habe das nicht so recht gepasst mit den Gelsenkirchener Sozialdemokraten“, die ganze SPD hat mich ja geschnitten“, sagt sie. Dass sie mit einer TV-Crew im Schlepptau zu Ortsvereins-Sitzungen kam, hat dabei wohl nicht gerade zum gegenseitigen Verständnis beigetragen.

Manch Genosse fühlte sich medial vorgeführt. „Gut anderthalb Jahre“, sagt Susi Neumann, „habe ich mich nicht mehr da blicken lassen. Das war mir zu dämlich.“

Die Krebserkrankung öffentlich gemacht

Für eine Reportage-Reihe hat ein Filmteam Neumann hautnah begleitet. Dass sie unter einer Krebserkrankung litt, machte sie damals öffentlich. Gesundheitliche Gründe bewogen sie später auch, den lokalen Vorsitz im Bezirksverband Emscher-Lippe Aa der IG BAU aufzugeben.

Für die Linke-Bewegung „Aufstehen“ will sie sich noch einsetzen. Eine Ansage wie ein Vermächtnis: „Ich befinde mich auf meinem letzten Weg. Ich habe die Chemo aufgegeben. 60 werde ich nicht mehr werden, dabei hätte ich die SPD noch ganz gerne geärgert.“

>> „Aufstehen“ vor dem lokalen Gründungstreffen

Im Alfred-Zingler-Haus (Magaretenhof 10-12, Bulmke-Hüllen) findet am Mittwoch, 5. Dezember, 19 Uhr, das lokale Gründungstreffen der Sammlungsbewegung „Aufstehen“ statt. Sozial und parteiübergreifend wendet sich „Aufstehen“ gegen Alltagsarmut, die Folgen der Agenda 2010 und wachsende Militarisierung. Seit der Gründung am 4. September haben sich über 150.000 Menschen online angemeldet.

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