Alpenwanderung

Ex-Bergleute aus Gelsenkirchen wanderten über die Alpen

Alpenwanderung mit dem Gelsenkirchener Wanderführer Christoph Werntgen und Renate Steinacher: Hier die Gruppe bei einem Stopp. Ruhrgebietsromantik im hochalpinen Schneefeld.

Alpenwanderung mit dem Gelsenkirchener Wanderführer Christoph Werntgen und Renate Steinacher: Hier die Gruppe bei einem Stopp. Ruhrgebietsromantik im hochalpinen Schneefeld.

Foto: Foto: Christoph Werntgen

Gelsenkirchen.  Elf Ex-Bergleute aus Gelsenkirchen überquerten mit Wanderführer Christoph Werntgen die Alpen. Wie der Wechsel von unter auf über Tage ankam.

In eine völlig neue Gefühlswelt tauchten elf ehemalige Bergleute aus Gelsenkirchen und Nachbargemeinden ein. Nach ihrer letzten Ein- und Ausfahrt auf Prosper Haniel hatten sie sich entschlossen, die Strecke über Tage ganz ohne Fahrkorb zu meistern. Sechs Tage lang überquerten sie mit dem Gelsenkirchener Wanderführer Christoph Werntgen die Alpen.

Die Berge können kommen, hatten sich die Kumpel nach ihrer letzten Schicht geschworen und sich in extreme Höhen gewagt. Welch ein Kontrast zum Pütt: Die Männer genossen die gesunde Höhenluft, waren beeindruckt von den schillernden Farben der Bergkulisse wie auch von der artenreichen Tier- und Pflanzenwelt. Von der Kanzelwand im Kleinwalsertal aus machte sich die Gruppe auf, die Alpen zu überqueren. Gerd Kersjes (52), einer der Teilnehmer aus Gelsenkirchen, war überwältigt von der Strecke, dem Fernblick, den wechselnden Stimmungen der Natur. Kersjes: „Wir sind im Juli noch durch Schneefelder gelaufen. Morgens um sieben Uhr ging’s los. Unterwegs haben wir Alpensalamander gesehen und in den Lechtaler Alpen verspielte Murmeltiere beobachtet.“

Das Steigerlied auf fast 3000 Meter Höhe gesungen

Das Auf und Ab zwischen den Bergetappen schlauchte. Abends waren alle platt. Die verordnete Bettruhe um 22 Uhr war überflüssig, nach dem obligatorischen Bierchen fielen alle ins Bett, verarzteten vorher noch einige Blasen. Markus Degenhardt genoss es, nach der stickigen Luft unter Tage die Natur von der schönsten Seite zu erleben. Die klare Fernsicht, die Schönheit der unterschiedlichen Bergmassive, die rauschenden Bäche haben den 53-Jährigen beeindruckt. Degenhardt: „Und wenn wir nicht zu kaputt waren, schnappte sich einer die Gitarre und die Truppe stimmte abends in der Hütte noch einige Lieder an.“ Alteingesessene Bergkletterer waren baff, als die ehemaligen Kumpel in 2800 Metern Höhe das Steigerlied sangen, das im Widerhall der Bergwelt eine melancholische Stimmung vermittelte.

Werntgen und Steinacher führen Ruhrpottler über die Alpen

Dass jeder Tritt saß und auch die schmalsten Pfade gemeistert wurden, verdankten die Männer aus dem Pott dem Gelsenkirchener Wanderführer Christoph Werntgen und dessen österreichischer Kollegin Renate Steinacher. Werntgen, der in Ückendorf zu Hause ist, hat schon etliche bergbegeisterte Ruhrgebietler über die Alpen geführt. Die wechselnde Stimmung in der Alpenwelt, die Farben, mit denen das Sonnenlicht die Berge verzauberte, beeindruckten die Gruppe.

Anleihen an den Grand Canyon und ans schottische Hochland

Bernd Ochsmann imponierten die unterschiedlichen Wegestrecken: „Wir starteten im Schnee, vorbei an steinigen Landschaften, die dem Grand Canyon ähnlich waren und saftigen Wiesen, die an das schottische Hochland erinnerten.“ Die Kontraste imponierten dem 52-Jährigen. Es sei eine tolle Erfahrung gewesen, die heimatliche Komfortzone mal verlassen und die gute Stimmung in der Gruppe genossen zu haben. Bis an die Grenze sei das Team bei der längsten Tageswanderung über 21,5 Kilometer und 1000 Höhenmeter gegangen. Nach zehn Stunden waren alle platt, zumal der Bergführer die Truppe nicht über die bequemere E5-Wanderstrecke, sondern über anspruchsvollere Wege geführt hatte.

Bei Hüttenwirten wieder Kraft getankt

Reichlich Gesprächsstoff gab’s auch beim Erfahrensaustausch auf den Hütten, als die schönsten Erlebnisse wieder aufblitzten. Natürlich gehörten einige Bierchen zum Ausklang des Tages dazu. Angetan war die Gruppe von den Kochkünsten der Hüttenwirte. Auf der Larcher Alm verputzten die müden und hungrigen Wanderer mehrere Portionen Käsespätzle, die in einigen Pfannen frisch zubereitet wurden. Renate Steinacher überzeugte die Kumpel, dass auch die Natur einige Köstlichkeiten zu bieten hätte. Am Wegesrand konnten sich die Männer davon überzeugen, dass man auch mit Gänseblümchen, Fichtenwipfel, Klee, wilder Minze oder Walderdbeeren gut über den ersten Hunger kommen kann.

Nächste Höhentour bereits in Planung

Erschöpft, aber glücklich und stolz seien alle gewesen, sagt Bergführer Christoph Werntgen, als nach sechs Tagen der Zielort Kurzras im Schnalstal erreicht wurde. Mehr als 80 Kilometer Strecke hatte die Ruhrpott-Crew hinter sich, 5000 Höhenmeter bergauf bewältigt und 6000 Höhenmeter wieder bergab gemeistert. Das Fazit klang bei den meisten identisch: Die Sehnsucht nach der Bergwelt wird sie so schnell nicht loslassen, der Plan für die nächste Höhentour steckt schon im Rucksack.

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