Consol Theater

Europefiction: Junge Gelsenkirchener besuchen Liverpool

Rabea Porsch, Georg Kentrup und Kester Crosberger (von links) haben im Rahmen des Theaterprojektes „Europefiction“ ihr Partner-Theater im englischen Liverpool besucht. Jetzt sind sie zurück von ihrer Reise.

Rabea Porsch, Georg Kentrup und Kester Crosberger (von links) haben im Rahmen des Theaterprojektes „Europefiction“ ihr Partner-Theater im englischen Liverpool besucht. Jetzt sind sie zurück von ihrer Reise.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Pottfiction war gestern, heute geht es mit Europefiction grenzenlos weiter: Das Gelsenkirchener Consol-Theater besuchte Kreative in Liverpool.

„Pottfiction“ war gestern, in Zeiten, in denen immer mehr Länder sich abschotten, halten Jugend-Theater im Ruhrgebiet mit dem Projekt „Europefiction“ dagegen: Es soll die Theater miteinander vernetzen und die junge Generation ins Gespräch miteinander bringen – über alle Grenzen hinweg.

„Mit Pottfiction haben wir seit dem Kulturhauptstadtjahr die Jugendtheater des Reviers untereinander vernetzt, jetzt war es an der Zeit, europäischer und internationaler zu denken – und zu agieren“, erklärt Georg Kentrup vom Consol-Theater.

17 junge Gelsenkirchener

17 junge Gelsenkirchener treffen sich im jüngsten Consol-Projekt nun einmal wöchentlich, jeweils dienstags, um miteinander Ideen auszutauschen, zu diskutieren und Theaterszenen zu entwickeln. „In dieser Gruppe sind neun Geflüchtete, die jetzt hier in Gelsenkirchen leben“, erwähnt Georg Kentrup. Und wo die Sprache zur Barriere wird, setzt man zur besseren Verständigung einfach Körpersprache oder Musik ein. „Das klappt erstaunlich gut“, betont Kester Crosberger (19), der erst seit wenigen Wochen bei „Europefiction“ dabei ist.

Vor wenigen Tagen ist ein Teil der Theatergruppe von einer Kurzreise aus

dem englischen Liverpool zurück gekehrt. „Drei der Geflüchteten hatten kein Einreise-Visum für Großbritannien bekommen, auch für die sechs Weiteren war die Einreise-Erlaubnis für diesen Trip mit erheblichem Aufwand verbunden“, berichtet Georg Kentrup – und zeigt damit gleich eines der aktuellen Probleme auf: Grenzenloses reisen in der EU ist nicht für alle möglich. Mit dem Brexit wird sich dieses Problem in Zukunft vielleicht noch verstärken.

Brexit als eines der zentralen Themen

Apropos Brexit: Der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der EU war während der Fünf-Tage-Reise auf der Insel eines der zentralen Themen. „Viele der jungen Leute, denen wir in Liverpool begegnet sind, wünschen sich eher eine engere Vernetzung mit anderen Ländern. Sie haben uns erzählt, dass ihre Freunde aus dem EU-Ausland, die in Liverpool leben, fürchten, bald nicht mehr bleiben zu können“, berichtet Rabea Porsch (20), die jedoch auch relativiert: „Ich dachte erst, wir kommen dort in ein Land mit Endzeitstimmung. Doch eigentlich waren die Meisten noch sehr entspannt.“

Mit Politikern wie der Liverpooler Stadtabgeordneten Kim Johnson und dem Gelsenkirchener Grünen-Politiker Patrick Jedamzik (der live aus Gelsenkirchen zugeschaltet wurde) diskutierten die Jugendgruppen zudem über diverse Zukunftsthemen. Besichtigungen, Begegnungen und Theaterproben gab es aber auch: „Wir wurden von unserem Partner-Theater ‘20 stories high’ sofort sehr herzlich empfangen und richtig eingebunden“, so Rabea Porsch. „Die Zeit in Liverpool war sehr anstrengend, aber auch sehr energetisch. Und es war toll, zu merken: ‘Es gibt noch mehr von uns’“, sagt sie.

Austausch soll bestehen bleiben

Gemeinsam Theater gespielt wurde zwischendurch auch. Im Mittelpunkt

stand dabei das Thema „Krise“, dem man im Verlauf des Projektes (auch) kreativ begegnen möchte. Bis zum Gegenbesuch der Engländer, die im Juli zum „Summercamp“ nach Gelsenkirchen anreisen werden, soll es weitere gemeinsame Theaterproben mit dem Einsatz von Videotelefonaten geben.

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