Europawahl 2019

Europawahl in Gelsenkirchen: SPD bricht ein, CDU verliert

Eine Wahlhelferin prüft bei der Europawahl Briefwahlunterlagen auf Vollständigkeit und Gültigkeit, bevor diese ausgezählt werden.

Eine Wahlhelferin prüft bei der Europawahl Briefwahlunterlagen auf Vollständigkeit und Gültigkeit, bevor diese ausgezählt werden.

Foto: Harald Tittel / dpa

Gelsenkirchen.  Gelsenkirchen folgt bei der Europawahl dem Landestrend. SPD und CDU verlieren deutlich an Stimmen, Grüne und AFD verzeichnen hohe Gewinne.

Die Europawahl in Gelsenkirchen zeichnet den Landestrend nach. SPD und CDU müssen herbe Verluste hinnehmen, Gewinner sind die Bündnisgrünen sowie die AFD. Die Rechtspartei konnte ihr Ergebnis aus 2014 von 7,6 Prozent mit erreichten 16,4 Prozent mehr als verdoppeln. Die SPD rutschte von 46,1 Prozent mit erreichten 25,7 Prozent erdrutschartig ab. Die CDU verlor ebenfalls deutlich, von 23,6 auf 19,6 Prozent. Die Linke (4,6 Prozent) und FDP (5,2 Prozent) spielen keine große Rolle. Die FDP machte allerdings einen Sprung. Vor fünf Jahren erreichten die Liberalen nur 2,2 Prozent. Die Grünen schnitten mit 15,6 Prozent mehr als doppelt so gut wie bei der vorherigen Europawahl ab.

Schock für die SPD

Enttäuscht zeigte sich Kirsten Eink, die im Ruhrgebiet für die SPD für den Einzug ins Europaparlament kandidierte. Die Hernerin hätte mit 21 Prozent die Fahrkarte nach Brüssel lösen können, verfehlte aber ihr Ziel . „Der Klimaschutz“, räumt die 42-Jährige ein, „hat bei den Wählerinnen und Wählern wohl eine größere Rolle gespielt als wir es eingeschätzt hatten. Sie haben uns offensichtlich nicht zugetraut, ein solidarische Europa zu erreichen.“ Schockiert zeigt sie sich über den Stimmengewinn der AfD. Die Partei begebe sich in die Opferrolle. Eink: „Wer einfache Lösungen verspricht, führt Menschen in die Irre.“ Die Diplom-Verwaltungswirtin will weiter ehrenamtlich politisch arbeiten.

Christdemokraten sind unzufrieden

Unzufrieden mit dem Ergebnis seiner Partei, den Christdemokraten, ist Sascha Kurth – doch die CDU in Gelsenkirchen habe immerhin nicht so stark verloren wie auf Bundesebene, findet der Kreisvorsitzende der CDU. „Wir haben verloren, das ist klar. Und wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir mit Menschen umgehen, die rechts wählen. Aber die Stimmen der AfD sind eindeutig ehemalige Wähler der SPD gewesen. Die Sozialdemokraten haben an rechts und an die Grünen verloren.“

Grüne Terry Reintke überwältigt

Die Gelsenkirchener Grüne Spitzenkandidatin fürs Europaparlament Terry Reintke ist am Wahlabend baff ob des guten Ergebnisses für ihre Partei: „Das beste Ergebnis, das wir jemals hatten in Gelsenkirchen, in NRW, im Bund. Das ist unfassbar. Ich bin immer noch wahnsinnig überwältigt. Aber es ist auch eine große Verantwortung, die ich jetzt mit nach Brüssel nehmen werde. Das Thema Klimawandel hat eine große Rolle gespielt im Wahlkampf, wir haben gewonnen, weil wir uns klar positioniert haben.“

Zufriedenheit bei den Liberalen

Als solide beurteilt Christoph Klug, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP, das Ergebnis für seine Partei. „Wir haben uns zwar ein wenig mehr gewünscht, können aber zufrieden sein.“ Den Aufschwung bei der AFD findet er beängstigend. „Gelsenkirchen gilt als Multi-Kulti-Stadt, bei diesem Anstieg der AFD wird mir Angst und Bange. Der FDP-Politiker ist überzeugt, dass dich dieser Trend auch auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr auswirken werde. Klug: „Das Ergebnis bedeutet eine Abenddämmerung für Herrn Baranowski. Wir müssen uns 2020 über einen neuen OB unterhalten.“

Enttäuschung bei Die Linke

„Komplett unzufrieden“ ist auch der Fraktionsvorsitzende der Linken, Martin Gatzemeier. Allerdings ist sein Ärger über den enormen Anstieg der Rechten noch größer. Gatzemeier: „Geplättet bin ich über das tiefe Abrutschen der SPD. Das ist unfassbar, hat sich aber über den Bund angedeutet.“ Nach Einschätzung des Politikers könnte es eine Katastrophe für Gelsenkirchen bedeuten, wenn bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr selbst eine Zweierkoalition nicht mehr möglich wäre. Gatzemeier ist sicher, dass die Menschen nach dem derzeitigen politischen Klima in Deutschland gewählt haben.“

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