Bier

Gelsenkirchener erobern mit selbst gebrautem Bier die Bars

Robin Gibas, links im Bild und Philipp Heubgen arbeiten beide in Gelsenkirchen und haben das Braut Craft Bier auf den Markt gebracht.

Robin Gibas, links im Bild und Philipp Heubgen arbeiten beide in Gelsenkirchen und haben das Braut Craft Bier auf den Markt gebracht.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen/Essen.  Robin Gibas (39) und Philipp Heubgen (36) brauten zunächst in den eigenen vier Wänden. Entstanden ist ein India Pale Ale.

„Bier haben wir schon immer gern gemocht“, sagt Robin Gibas (39). Doch auf die Idee, selbst welches zu brauen, kam er erst durch seine Urlaube. In New York und Edinburgh entdeckte er das Craft Bier und war sofort hin und weg. So sehr, dass er seinem Arbeitskollegen und ehemaligen Nachbarn, Philipp Heubgen (36), mehrere Fotos über Whatsapp und auch eine Sprachnachricht zukommen ließ – mit dem Inhalt: „Sollen wir nicht ‘ne Mikrobrauerei aufmachen?“

„Einen Kuchen zu backen ist wesentlich einfacher“

Sein Kollege, den er gerade einmal dreieinhalb Jahre durch die Arbeit an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen beruflich, aber auch privat kennt, stimmte direkt zu. Gemeinsam studierten sie Bücher über die Braukunst, durchforsteten das Internet und belegten mit der Zeit auch Brauseminare. Das erste Bier wurde schließlich in der heimischen Wohnung mit einem Kochtopf auf dem Herd gebraut. Das war im September 2017.

Zwei Jahre ging das so weiter. Fast jede Woche veranstalteten die beiden Männer den „Braudonnerstag“, an dem Hopfen, Hefe und Malz nach dem deutschen Reinheitsgebot in unterschiedlichen Mengenverhältnissen gemischt wurden. „Die Küche hat regelmäßig total geklebt und die ganze Wohnung hat nach Malz gerochen“, erinnert sich Robin Gibas. Sein Kollege ergänzt: „Einen Kuchen zu backen ist wesentlich einfacher.“

Mehrere Wochen dauerte es bis der alkoholische Gärungsprozess abgeschlossen war, dann durfte erst probiert werden. 50 bis 60 Brauprozesse seien es insgesamt gewesen. Doch das Aroma für das erste eigene Bier sollte schließlich perfekt sein. „Wir hatten eine Geschmacksvision von einem Bier, die wollten wir unbedingt erhalten. Somit probierten wir alles mögliche aus“, sagt Philipp Heubgen.

Gebraut wird in Castrop-Rauxel und Detmold

Entstanden ist Anfang des Jahres das milde, fruchtige Sommerbier „Braut #1“, das sich dem Bierstil New England Indian Pale Ale (IPA) zuordnen lässt. Freunde und Bekannte konnten die Brauer schnell von dem Bier begeistern, aber auch Barbetriebe in Essen-Rüttenscheid interessierten sich dafür. Ein Braumeister, der bereits in Rente ist, stellte den Kontakt zu einer Brauerei in Castrop-Rauxel her.

Nach Absprache und kleinen Veränderungen an der Rezeptur braute man zusammen 200 Liter. „Zuhause waren es lediglich 25 Liter“, erzählt Philipp Heubgen, der mittlerweile von Essen-Rüttenscheid nach Gelsenkirchen gezogen ist. Sein Kollege wohnt weiterhin in Essen-Rüttenscheid. Gemeinsam füllte man das Bier ab und brachte per Hand die Etiketten an. Die interessierten Läden wurden beliefert.

Das Bier gibt es nur in ausgewählten Läden

Schnell war die Charge verkauft. Mittlerweile haben die Gründer eine zweite Brauerei in Detmold beauftragt. 2000 Liter werden aktuell nach Duisburg, Essen, Dortmund und erstmalig auch nach Gelsenkirchen geliefert. „Uns ist es wichtig, dass das Bier ausschließlich da verkauft wird, wo wir auch selbst hingehen oder hingehen würden“, sind sich die Männer einig.

So wird das Bier zumindest vorerst nicht in Supermärkten zu finden sein, sondern ausschließlich in der Gastronomie und in Läden, die sich auf Bier spezialisiert haben. Aber auch auf den Hopfenfesten in Gelsenkirchen und Essen schenkten die beiden ordentlich Bier aus. Für den Privatgebrauch kann man ebenfalls anfragen.

Übrigens: Derzeit experimentieren die Zwei an einem weiteren Bier. Neben „Braut #1“ (intensiv und exotisch) ist „Braut #2“ (mit deutschen Hopfensorten gebraut), ein sogenanntes „Ruhr IPA“, entstanden.

Das Logo hat portugiesische Wurzeln

Das aufwendige Logo hat seine Geschichte in einem Urlaub in Lissabon. Eine brasilianische Künstlerin hatte ein ähnliches Motiv an eine Wand gemalt. Darunter stand: Tami Hopf. „Erst einmal war das Motiv schön und auch der Nachname war ein Zeichen“, sagen die Männer. Nach Kontaktaufnahme mit der Künstlerin erklärte sich diese bereit, ein Logo in gleichen Stil zu erstellen. Das ziert nun die Flaschen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben